Thüringen im Nationalsozialismus
Thema

Pier Paolo Pasolini in Weimar – Ein Spaziergang

Es ist zu ver­mu­ten, dass Paso­lini direkt aus dem kleine Land­städt­chen Casa­rsa della Deli­zia im Fri­aul, einer Land­schaft nord­öst­lich Vene­digs mit einem eige­nen Dia­lekt, aus dem seine Mut­ter Susanna stammte, nach Wei­mar gekom­men war. Paso­lini schrieb damals an sei­ner ers­ten Gedicht­samm­lung, die er schließ­lich 1942 als Poe­sie a Casa­rsa pri­vat in friu­la­ni­scher Spra­che ver­fasst, veröffentlichte.

Dichterhaus Buchenwald

Das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Buchen­wald ein Thü­rin­ger Dich­ter­haus? Weckt die­ses Wort nicht ganz andere Asso­zia­tio­nen? (…) Da war der Buchen­wald-Häft­ling Fritz Löh­ner-Beda, der Libret­tist von Franz Lehárs »Land des Lächelns«. Wer kennt nicht noch heute seine Schla­ger­texte »Was machst du mit dem Knie, lie­ber Hans…« oder »Aus­ge­rech­net Bana­nen«. Wäh­rend man sie unten in Wei­mars Gas­sen pfiff, schrieb er hin­ter Sta­chel­draht das »Buchen­wald­lied«.

H. W. Katz in Gera

In Gera ver­brachte Willy Katz, der sich als Autor H. W. Katz nen­nen sollte und »Bill« geru­fen wurde, die ent­schei­den­den und prä­gen­den Jahre sei­nes Lebens, wie er spä­ter mehr­fach äußerte.

Christoph Meckel in Erfurt – Eine Kindheit in der unmittelbaren Nachkriegszeit

Von Dezem­ber 1944 bis zum Jahre 1947 lebte der junge Chris­toph Meckel gemein­sam mit sei­ner Mut­ter, zwei klei­nen Brü­dern, den Groß­el­tern und dem Dienst­mäd­chen Lucie in Erfurt. Ende des Jah­res 1944 war die Mut­ter mit ihm und den zwei klei­nen Brü­dern dort­hin geflo­hen, fort aus der Hei­mat in Frei­burg im Breisgau.

Das Schloss in Wiesen – Der Balladendichter Börries Freiherr von Münchhausen in Windischleuba

Sie­ben Kilo­me­ter nörd­lich der thü­rin­gi­schen Stadt Alten­burg liegt die Gemeinde Win­disch­leuba. Das dor­tige Schloss, mehr­fach umge­baut und aus einer Was­ser­burg des 14. Jahr­hun­derts her­vor­ge­gan­gen, gehörte seit dem 7. Sep­tem­ber 1880 dem Adels­ge­schlecht der Frei­her­ren von Münchhausen.

Schatten überm Christophorus – die Geschichte einer jüdischen Familie in Arnstadt

Ein Gebäude, das von der Stadt momen­tan not­ge­si­chert wird, ist das »Haus zum Chris­to­pho­rus«. Hier wohnte die jüdi­sche Fami­lie Ambach, die 1939 nach Hol­land floh, von dort aller­dings nach dem Ein­marsch der Wehr­macht depor­tiert wurde. Nur ein Fami­li­en­mit­glied hatte Ausch­witz über­lebt. Einer Enke­lin des Vieh­händ­lers David Ambach gelang 1938 mit ihren Eltern die Flucht in die USA.

Erich Lichtenstein – Ein Verleger in Weimar

Abge­se­hen von einer klei­nen Aus­stel­lung in der Stadt­bü­che­rei im Herbst 1999 und der aus­nahms­los ver­dienst­vol­len TLZ-Folge Vil­len in Wei­mar Chris­tiane Webers (Nr. 153, 25.9.1999), ist, zumin­dest soweit ich sehen kann, die­ses Ver­le­gers in Wei­mar nach 1945 nicht wie­der öffent­lich gedacht wor­den, von einem Erin­ne­rungs­zei­chen ganz zu schwei­gen, so dass ich auch bei die­ser Namens­nen­nung dar­auf ver­fal­len muss, schon wie­der zu sagen: Wei­mar weiß nichts von sich! Der Satz Wei­mar will nichts von sich wis­sen stammt nicht von mir, jeden­falls bean­spru­che ich dafür keine Urheberrechte.

Marie Luise Kaschnitz: Lehrjahre in Weimar

Im Alter, als sich Marie Luise Kaschnitz in zahl­rei­chen Auf­zeich­nun­gen, die meh­rere Bände füll­ten, an Orte und Men­schen erin­nerte, gedachte sie in eini­gen auto­bio­gra­phi­schen Pro­sa­stü­cken der in Wei­mar zu über­ste­hen­den Lehr­jahre, die sie, wie zu hören, vor­nehm­lich damit ver­bracht haben soll, Pakete aus- und einzupacken.

Unangepasst: Die Jenaer Jahre der Ricarda Huch

Wäh­rend der Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus lebte Ricarda Huch in der inne­ren Emi­gra­tion in Deutsch­land. Von 1936 bis nach Kriegs­ende lebte sie in Jena und einige Zeit in Tautenburg. 

…nur Berge u Blicke u. greuliche Einwohner… – Gottfried Benn in Friedrichroda

Benn hat sich Ende Juni vom OKW am Bend­ler­block, wo er als Ober­stabs­arzt für Ver­sor­gungs­an­sprü­che von Wehr­machts­an­ge­hö­ri­gen oder deren Hin­ter­blie­be­nen zustän­dig ist – sein Spe­zi­al­ge­biet ist die Ver­sor­gungs­frage im Selbst­mord­fall –, beur­lau­ben und gemein­sam mit sei­ner Frau ins von der Wehr­macht requi­rierte »Sana­to­rium Thü­rin­ger Wald« ein­wei­sen lassen.

Jakob van Hoddis in Thüringen

Über die sie­ben Jahre, die Jakob van Hod­dis in Thü­rin­gen ver­brachte, ist bis­her kaum etwas bekannt gewor­den. Überlie­fert ist ledig­lich der bei Paul Pört­ner abge­druckte Brief David Baum­gardts (1890–1963), wonach Hod­dis Anfang 1919 (Fe­bruar oder März) bei ihm in Erfurt, Hoch­hei­mer Straße 51 auf­tauchte, abge­ris­sen, »schwer ver­wahr­lost« und verstört.

Samuel Glesel – Von Gotha in die Welt

Der 1910 in Chrzanów, Polen gebo­rene Samuel Gle­sel kam 1913 mit sei­nen Eltern nach Deutsch­land, wo die Fami­lie bis 1924 in Gotha lebte. Gle­sel ging dann nach Ber­lin, schloss sich kom­mu­nis­ti­schen Ver­bin­dun­gen an, ging 1932 in die UdSSR, wo er 1937 als eines der ers­ten Opfer von Sta­lins »Gro­ßer Tschistka« ermor­det wurde.

Erwin Strittmatter in Thüringen

Als Züch­ter von Angora­ka­nin­chen ver­schlug es Erwind Stritt­mat­ter 1936 nach Thü­rin­gen. Er arbei­tete zunächst auf dem Edel­hof der Schwes­tern Hed­wig und Elsa Ruetz in Beul­witz bei Saal­feld, spä­ter als zivi­ler Pfer­de­pfle­ger in der unweit davon gele­ge­nen Prinz-Louis-Fer­di­nand-Kaserne auf der Saal­fel­der Höhe im heu­ti­gen Orts­teil Beulwitz. 

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