Jean Paul Richter

1763      Wunsiedel

1825      Bayreuth

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Jean Paul Richter

Autor

Sebastian Graf

Thüringer Literaturrat e.V.

Der Dichter gleicht der Saite: Er selber macht sich unsichtbar,
wenn er sich schwingt und Wohllaut gibt.

Jean Paul, Dr. Katzenbergers Badereise, Heidelberg, 1809

 

Jean Paul wird am 21. März 1763 als Johann Paul Friedrich Richter im oberfränkischen Wunsiedel geboren. Bereits im Jugendalter befasst er sich ausgiebig mit Literatur, Theologie und Philosophie. Die Bibliothek des Pfarrers Erhard Friedrich Vogel ermöglicht ihm das Exzerpieren zahlreicher Schriften. Durch seine systematischen Lektüren erwirbt der junge Jean Paul rasch einen beachtlichen Wissensfundus. Mit achtzehn Jahren fasst er den Entschluss, sich hauptberuflich der Schriftstellerei zu widmen. Dieses Vorhaben resultiert in einer Periode der Armut, da seine Publikationen nicht den erhofften Erfolg erzielen. Erst im Jahre 1793, mit dem Erscheinen seines Romans »Die unsichtbare Loge«, gelingt dem Dichter der ersehnte Durchbruch.

Zwei Jahre später erscheint sein zweiter Roman, »Hesperus oder 45 Hundposttage«, welcher ihm  schlagartig zu Berühmtheit verhilft. Auch im fernen Weimar hatte man die Veröffentlichungen Jean Pauls zur Kenntnis genommen. Zwei Briefe, die er Goethe nach Weimar übersendet, bleiben jedoch unbeantwortet. Als Jean Paul im Juni 1796 auf Einladung Charlotte von Kalbs nach Weimar reist, trifft er zum ersten Mal persönlich auf die Ikonen der Klassik. Während Herder und Wieland sich begeistert über den »Hesperus« zeigen, halten sich Goethe und Schiller bedeckt. Die »Antrittsbesuche« Jean Pauls im Hause Goethe und Schiller verlaufen dementsprechend reserviert. Letzterer schreibt über den Gast aus Franken, er sei: »fremd, wie einer, der aus dem Mond gefallen ist«. Ähnlich distanziert, doch mit einer gewissen Höflichkeit bemerkt Goethe:  

»Richter ist so ein kompliziertes Wesen, daß ich mir die Zeit nicht nehmen kann, Ihnen meine Meinung über ihn zu sagen; Sie müssen und werden ihn sehen, und wir werden uns gern über ihn unterhalten. Hier scheint es ihm übrigens wie seinen Schriften zu gehen; man schätzt ihn bald zu hoch, bald zu tief, und niemand weiß das wunderliche Wesen recht anzufassen.«

Zwischen 1798 und 1800 lebt Jean Paul in Weimar, jedoch bleibt die ersehnte Dichterverbindung mit Schiller und Goethe aus. Die Verschiedenheit der Kunstauffassungen und das bemerkenswerte Selbstverständnis der Thüringer lässt eine fruchtbare Zusammenarbeit nicht zu. Stattdessen sieht sich der Romancier rasch in diverse erotische Abenteuer verwickelt. Seine enorme Beliebtheit bei den Frauen mag hierfür freilich ein entscheidender Grund gewesen sein. Eine Reise nach Berlin im Jahre 1800 führt schließlich zur Bekanntschaft mit Karoline Mayer, die er ein Jahr später heiratet. Ebenda lässt sich der Dichter noch im Oktober desselben Jahres nieder. Berlin dient Jean Paul gleichsam als Anlaufstelle für weitere literarische Kontakte: Hier verkehrt er mit den Geistesgrößen der Romantik, darunter Friedrich und August Wilhelm Schlegel, Ludwig Tieck, Friedrich Schleiermacher und der Philosoph Johann Gottlieb Fichte. Zwischen 1800 und 1803 erscheint in der preußischen Hauptstadt der vierbändige »Titan«, den Jean Paul selbst als »Kardinal- und Kapitalroman« bezeichnet.

Im Frühjahr 1801 zieht es den Romancier ins thüringische Meiningen, wo er mit seiner Ehefrau Karoline eine Wohnung bezieht. Es entsteht eine Freundschaft mit Herzog Georg I., welcher daran interessiert ist, bedeutende Persönlichkeiten aus dem Kunst- und Kulturmilieu in seinem Herzogtum zu versammeln.

Den rastlosen Jean Paul zieht es jedoch bereits 1804 nach Bayreuth, das zugleich seine letzte Lebensstation ist. Die Werke, die fortan in zurückgezogener Atmosphäre entstehen, vermögen nicht an die Erfolge der »Unsichtbaren Loge« oder des »Hesperus« anzuknüpfen. Sein letzter großer Roman – »Der Komet« – bleibt unvollendet. Ab 1823 verschlechtert sich der Gesundheitszustand des Dichters zusehends. Am 14. November 1825, im Alter von 62 Jahren, erliegt Jean Paul einer Brustwassersucht.

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