Jan Volker Röhnert

Jan Vol­ker Röh­nert wurde 1976 in Gera gebo­ren und wuchs in Obern­dorf bei Gera auf. Von 1996 bis 2002 stu­dierte er Lite­ra­tur­wis­sen­schaft, Deutsch als Fremd­spra­che, Roma­nis­tik und Erzie­hungs­wis­sen­schaft in Jena. 1998 war er Volon­tär am Goe­the-Insti­tut in Genua und von 2000 bis 2001 Fremd­spra­chen­as­sis­tent in Tou­lon. 2003 bis 2008 war er wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter an der FSU Jena.

Für sei­nen Debüt­band »Burg­rui­nen­blues« erhielt er 2003 den Lyrik­de­büt­preis des Lite­ra­ri­schen Col­lo­qui­ums Ber­lin. Darin spielte für Röh­nert der Begriff der Topo­gra­phie eine leit­mo­ti­vi­sche Rolle; seine Erin­ne­rung wird dabei für den Dich­ter zur »eige­nen Antike«. Kai Agthe schrieb im Nach­wort des Ban­des: »Mit unbe­stech­li­chem Blick bewegt sich der lyri­sche Erzäh­ler durch die Verse und macht ‚Pro­vinz­ler­men­ta­li­tä­ten ohne Hör- und /Sehreflex‘ in der sakro­san­ten Klas­si­ker­stadt an der Ilm ebenso aus wie Spat­zen, die auf ‚ihr stu­ben­rei­nes Deutsch pfei­fen‘.«

Jan Röh­nerts Lyrik zei­chet sich von Beginn an durch sein Ver­mö­gen aus, Bil­der aus der Ver­gan­gen­heit in die Gegen­wart zu ret­ten, jedoch ohne Sen­ti­men­ta­li­tät und Ver­klä­rung, son­dern mit ana­ly­ti­schem, mit­un­ter sezie­ren­dem Blick. Seine oft reim- und stro­phen­lo­sen, in pro­s­a­na­hem Rhyth­mus gehal­te­nen Lang­ge­dichte setz­ten dabei betont auf das Zusam­men­spiel von Bild­lich­keit und Refle­xion. Immer wie­der gelingt es ihm, Bild- und Vor­stel­lungs­fel­der von ältes­ter Natur und neu­es­ter Tech­nik, äuße­rer und inne­rer Erfah­rung, unschein­bar Nächs­tem und exis­ten­ti­ell Letz­tem auf erstaun­li­che Weise zu ver­we­ben.

Les­bar wird eine gegen­wär­tige Welt­erfah­rung, die im Einer­lei der beschleu­nig­ten Bild- und Daten­flüsse unse­rer media­li­sier­ten und digi­ta­li­sier­ten Welt an der sich stets erneu­ern­den Mög­lich­keit fest­hält, dem gleich­för­mi­gen Einer­lei für Augen­bli­cke zu ent­kom­men. Das Gedicht für den Dich­ter ein Medium, sich im Gegen­ein­an­der von Uni­for­mi­tät und epi­pha­ni­schem Augen­blick des Gan­zen unse­res Lebens zu ver­si­chern.

Poe­sie ist für Jan Röh­nert eine eigene Form wört­lich ver­stan­de­ner Welt­an­schau­ung. In seine Gedich­ten, ins­be­son­dere im Band »metro­po­len«, der 2007 im Han­ser Ver­lag erschien, oder im jüngs­ten Band »Wol­ken­for­meln« von 2014, erweist er sich als Fla­neur, des­sen Blick sich nicht nur auf die »eigene Antike« rich­tet, son­dern auf die Poe­sie als Welt­spra­che; in sei­nen lyri­schen Dis­kurs bin­det er fran­zö­si­sche und eng­li­sche Ele­mente selbst­ver­ständ­lich ein und führt so einen zeit- und grenz­über­schrei­ten­den Dia­log.

Jan Röh­nerts Erkun­dun­gen fin­den aller­dings nicht nur durch Bezug­nah­men wie etwa auf die fran­zö­si­sche Moderne oder die ame­ri­ka­ni­sche Poe­sie statt, son­dern durch eigene Erkun­dun­gen, von denen er in Bän­den wie den »Notes from Sofia«, wo er von 2008 bis 2010 DAAD-Lek­tor war, gefolgt vom »Thra­ki­schen Tage­buch«, in dem er lyri­sches Zeug­nis von einer Reise auf Orpheus‹ Spu­ren durch Süd­bul­ga­rien ablegte. Bezüge zum Mit­tel­meer­raum fin­den sich auch in sei­nem aktu­el­len Gedicht­band »Wol­ken­for­meln«, über den Tom Schulz schrieb:

»Immer wie­der fin­det sich die Anru­fung an die Sonne, den Tag-Stern, und das Licht als Lebens­eli­xier. Das Licht einer süd­li­chen Land­schaft, glei­ßend vor Helle und ägäi­scher Trans­pa­renz. Dabei rei­chen die Refe­renz­flä­chen und Tra­di­ti­ons­li­nien, die Jan Röh­nert berührt, von der Moderne zu den fran­zö­si­schen Dich­tern des neun­zehn­ten Jahr­hun­derts bis hin­ein in die Klas­sik. […] Röh­nert scheut sich nicht etwas auf­zu­ru­fen, das in uns ver­bor­gen liegt: die Tage der Kind­heit und die Sehn­sucht nach einer ande­ren Welt, viel­leicht sogar nach einem Fan­ta­sie-Reich. Um an die weni­ger belich­te­ten Stel­len der eige­nen Geschichte zu tre­ten und zu reflek­tie­ren, dass die Erin­ne­rung ein »unschar­fes Som­mer­bild« ist.

Von 2010 bis 2011 arbei­tete Jan Vol­ker Röh­nert als frei­schaf­fen­der Autor. Seit Herbst 2011 ist er Pro­fes­sor am Insti­tut für Ger­ma­nis­tik, Abt. Neuere Deut­sche Lite­ra­tur an der TU Braun­schweig. 2010 erhielt er das Thü­rin­ger Lite­ra­tursti­pen­dium »Harald Ger­lach« des Frei­staats Thü­rin­gen, 2011 folgte der Wolf­gang-Wey­rauch-För­der­preis auf dem Darm­städ­ter Lite­ra­ri­schen und 2014 der Medi­en­preis der RAI Süd­ti­rol beim Lyrik­preis Meran.

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