Tautenburg
[Gemeinde]

Im 13. und 14. Jahrhundert erwarben die Schenken von Vargula umfänglichen Besitz an der Saale. Bald büßten sie den größten Teil ihrer Macht ein und wurden den Wettinern lehnspflichtig. Einige Familienmitglieder verließen daraufhin Thüringen und kamen anderswo zu Ehren. Schenk Georg von Tautenburg wurde Gouverneur dreier niederländischer Provinzen und erhielt 1531 den Orden vom Goldenen Vlies. Die entmachtete jüngere Linie blieb bis 1640 in Tautenburg und im benachbarten Frauenprießnitz, wo das Geschlecht seine Grablege hatte. Nach 1890 wurde Tautenburg eine beliebte Sommerfrische. An die zahlreichen Besucher, darunter bedeutende Schriftsteller, erinnern Gedenktafeln. Ein literarischer Spaziergang durch das Dorf ist möglich und lohnend.

Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach jagte oft im Tautenburger Forst. In Paul Schreckenbachs Burschenschaftsroman »Eiserne Jugend« (1921) werden Goethe und der Herzog als Bewunderer der »schönen Agnes«, der Tochter des Försters von Tautenburg dargestellt. Später interessierte sich Goethe für die »Moose von T.« und ließ sie sich nach Weimar schicken. Ernst Haeckel kam am 26. Mai 1861 erstmals in die Tautenburger Gegend und war erstaunt, hier »einen ganz prächtigen Hochwald mit wundervollen alten Baumstämmen« zu finden. Auch das »in einem engen Talkessel äußerst romantisch« liegende Dorf sagte ihm sehr zu.

Friedrich Nietzsche lebte vom 25. Juni bis zum 27. August 1882 in Tautenburg und traf in dem idyllischen Walddorf mit Lou Andreas-Salomé (1861-1937) zusammen. Vom 7. -26. August verlebten beide, von Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche  argwöhnisch beobachtet, hier eine glückliche Zeit. Lou: »Wir sprechen uns diese drei Wochen förmlich tot, und sonderbarerweise hält er es jetzt plötzlich aus …« Nietzsche wohnte in der Lindenstraße 50, wo eine Gedenktafel an seinen Aufenthalt erinnert. Der Besitzer, ein Urenkel des damaligen Quartiergebers, musste die Tafel zur DDR-Zeit auf Geheiß des Bürgermeisters entfernen, ließ sie jedoch heimlich wieder anbringen. Das Pfarrhaus am Schlossberg, unterhalb der Burgruine, wo die beiden Frauen wohnten, ist nicht erhalten, und der Gasthof »Zum Schenk«, wo sie gemeinsam aßen, wurde vor ein paar Jahren abgerissen. Pfarrer Hermann Otto Stölten hat in seinen »Erinnerungen« (1997) darüber Auskunft gegeben. Helene Böhlau (®Weimar) wohnte bei ihm und schrieb dort an ihrem ersten Buch (»Novellen«, 1882).

Georg Bötticher kam oft mit der ganzen Familie nach Tautenburg, wo er in der Lindenstraße 8 Quartier nahm. Auch Eugen Diederichs war nach 1904 häufiger Besucher. Reinhard Johannes Sorge lebte von April bis Juli 1913 zurückgezogen im Ort. Er wohnte im Vogelgrund 43. Von Tautenburg aus brach der depressiv Veranlagte mit seiner jungen Frau Susanne nach Italien auf, wo sie zum Katholizismus konvertierten.

Am 20. März 1945, einen Tag nach dem verheerenden Bombenangriff auf Jena, übersiedelte die greise Ricarda Huch mit ihrer Familie von dort nach Tautenburg: »Soweit man davon absehen kann … habe ich in Tautenburg Tage reinsten, vollkommensten Glückes erlebt, wie man es nur in der Natur kann.« Sie wohnte in der Straße zum Sommerberg 5. In dieser Zeit war auch der später international bekannt gewordene Kinderbuchautor James Krüss (1926-1997) »sieben lange zweigeteilte Tage … in dem winzigen Dorf im Wald«. In seiner Autobiographie »Der Harmlos« (1988) gibt er darüber Auskunft. Er wohnte an der Bastei 9.

Plätze in Tautenburg

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