Ein Schillerspaziergang in Rudolstadt
13 : Theatervorplatz

Personen

Friedrich von Schiller

Caroline von Wolzogen

Johann Wolfgang von Goethe

Ort

Theater Rudolstadt

Thema

Literarisches Thüringen um 1800

Autor

Matthias Biskupek

Die Exkursion entstand im Rahmen eines Projekts der Literarischen Gesellschaft Thüringen.

O die Natur, die zeigt auf unsern Büh­nen sich wie­der,
Split­ter­na­ckend, daß man jeg­li­che Rippe ihr zählt.

 

Damals gab es noch keine Kunst­straße durch unser klei­nes Tal, ein Frem­der war ein Phä­no­men hin­ter den grü­nen Ber­gen. Oft erschie­nen wir uns selbst als ver­wünschte Prin­zes­sin­nen, auf Erlö­sung aus die­ser Ein­tö­nig­keit hof­fend. Den­noch erfrischte uns immer­wäh­rend der Zau­ber die­ser Berge.

Caro­line von Len­ge­feld, geschie­dene von Beul­witz, ver­hei­ra­tete und ver­wit­wete von Wolzo­gen schil­derte 1830 wie man das Ein­tref­fen Schil­lers emp­fand – die Ein­bil­dungs­kraft kann Erin­ne­rung ver­än­dern. Wo passt diese Erkennt­nis bes­ser hin, als vor den Rudol­städ­ter Musen­tem­pel? – Er exis­tierte 1788 noch nicht, weder in die­ser, noch einer ande­ren Form.

Die­ses »Komö­di­en­haus«, ein Fach­werk­bau aus Bret­tern, vom Volk auch »Brat­wurst­bude« genannt, gibt es seit 1793 – Goe­the war ab 1794 Inten­dant. Da wurde auch, gleich nach Wei­mar, Schil­lers soeben geschrie­be­ner »Don Car­los« hier aufgeführt.

Zum Vogel­schie­ßen kam auch Schil­ler, zum heute thü­rin­gen­weit größ­ten Volks­fest, das damals genau hier an die­ser Stelle, zwi­schen den Gast­stät­ten »Haus Bou­cher« und der spä­te­ren »Pörz­bier­halle«, heute Klub­thea­ter Schmink­kas­ten und Thea­ter-Inten­danz, statt­fand, all­jähr­lich im Sep­tem­ber. Schil­ler kam eher miss­mu­tig, sei­ner spä­te­ren Frau zuliebe. Goe­the hin­ge­gen lief begeis­tert auf dem Platze herum, »eine Brat­wurst auf der Hand und ein Mäd­chen aus dem Volke im Arm«.

Zum Vogel­schie­ßen wurde auch jeweils die Thea­ter­sai­son eröff­net – man spielte alles was gut und teuer war: So sah sich Schil­ler spä­ter in die­sem Haus seine »Räu­ber« an und »Wal­len­steins Lager«. Für die Räu­ber-Auf­füh­rung kom­man­dierte man extra zwan­zig Sol­da­ten hin­ter das Thea­ter. Dort wurde mit ech­ten Geweh­ren unauf­hör­lich gefeuert.

Im Jahre 1848 sollte Rudol­stadt end­lich als fürst­li­che Resi­denz auch ein reprä­sen­ta­ti­ves Thea­ter bekom­men – aber das Volk hatte auf­be­gehrt, nun mochte der Fürst nicht mehr: Bekommt Ihr eben nischte, basta! Bleibts bei der Bude! Neu­bau­ten in den Zwan­zi­gern und Drei­ßi­gern schei­ter­ten eben­falls – ein rich­ti­ges Büh­nen­haus wurde erst 1984 ange­baut. Schil­ler blieb in allen Jah­ren auf dem Spiel­plan, von den »Räu­bern« über den »Fiesco« bis zu »Maria Stuart« konn­ten die Rudol­städ­ter in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten immer und immer wie­der ihren heim­li­chen Haus-Dich­ter Schil­ler sehen.

Ergän­zun­gen über die Zeit nach 1788: Schil­ler ver­lebte auch seine ers­ten Semes­ter­fe­rien als Pro­fes­sor hier – im Jahre 1791 erkrankte er wäh­rend des Rudol­stadt-Auf­ent­hal­tes im Mai so schwer, daß es schon hieß, er sei gestor­ben. Diese Nach­richt brachte ihm Gutes – von da an erhielt er näm­lich von däni­schen Gön­nern ein Jah­res­ge­halt. Als ordent­lich ver­hei­ra­te­ter Pro­fes­sor wohnte er bei spä­te­ren Besu­chen auf dem Schloss – wo bekannt­lich die Schwie­ger­mut­ter als Hof­meis­te­rin wirkte. 1799 war er das letzte Mal hier:

Ich hoffe, daß Ihnen allen diese Par­tie so gut bekom­men ist, wie mir. Es war ein gar lieb­li­cher, ver­trau­li­cher Abend, der mir für die­sen Som­mer die schöns­ten Hoff­nun­gen gibt. Mehr sol­che Abende und in so lie­ber Gesell­schaft – mehr ver­lange ich nicht. Rudol­stadt und diese Gegend über­haupt soll, wie ich hoffe, der Hain der Diane für mich werden.

Natür­lich O‑Ton Schiller.

 Ein Schillerspaziergang in Rudolstadt:

  1. »Wirtshaus zur Güldenen Gabel« – Schillerstraße/Ecke Marktstraße
  2. »Die Lengefeldschen Gartenhäuser« – August-Bebel-Straße neben dem Auktionshaus Wendl
  3. Schillerstraße 25
  4. Sitz des Greifenverlages von Karl Dietz zu Rudolstadt von 1921-1926 – Schillerstraße 41
  5. Strickschule, Weinbergstraße
  6. Baugrundstück Schlossaufgang II/III, Stift
  7. Altes Rathaus – Historische Bibliothek
  8. Schulplatz – Stadtbibliothek
  9. Stadtkirche »St. Andreas«
  10. Heisenhof – Lengefeldstraße 1 – Blick auf die Ludwigsburg
  11. Glockengießerei – Jenaische Straße 1
  12. Marktbrunnen
  13. Theatervorplatz
  14. Volkstedt: Kirche – Haus des Kantors Unbehaun – Büste auf der Schillershöhe
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