Ror Wolf – Eine Jugend in Saalfeld
8 : Als Betonbauerlehrling in Unterwellenborn

Person

Ror Wolf

Ort

Unterwellenborn

Thema

Von 1945 bis zum Ende der DDR

Externe Informationen

Eintrag im Thüringer Autorenlexikon

Autor

Matthias Biskupek

Die Exkursion entstand im Rahmen eines Projekts der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V.

Die Max­hütte Unter­wel­len­born war nach dem 2. Welt­krieg die ein­zige Roh­ei­sen­pro­du­zen­tin in der Sowje­ti­schen Besat­zungs­zone. Hier lernte der Schrift­stel­ler Ror Wolf, 1932 in Saal­feld gebo­ren, den Beruf eines Beton­bau­ers. In einem Gespräch mit Mat­thias Bis­ku­pek 2012 erin­nert er sich an die Zeit nach sei­nem Abitur 1951.

Also bewarb ich mich zunächst ein­mal in Leip­zig um ein Stu­dium der Lite­ra­tur­wis­sen­schaft, der Kul­tur­wis­sen­schaft, Phi­lo­so­phie und Sozio­lo­gie, das­selbe, was ich dann spä­ter tat­säch­lich stu­diert habe. Da wurde ich abge­lehnt, und zwar ohne Begrün­dung. Aber da ich irgend­was machen wollte, und eigent­lich noch nicht Mut genug hatte, weg­zu­ge­hen – ich war noch nicht reif dafür, ganz allein zu sein –  ging ich in die Max­hütte und bewarb mich da als Umschü­ler zum Beton­bauer. Und das ist eine grau­sige und schwere, schwere Arbeit gewe­sen. Und sie ist inso­fern von Bedeu­tung für mich, weil ich bemerkt habe, wie man­che Leute ihr Leben lang ihr Geld ver­die­nen müs­sen. Mir sind diese zwei Jahre Beton­bauer in der Max­hütte unver­gess­lich. Ich glaube, sie waren mir auch nützlich.

In Unter­wel­len­born erlebte Wolf den 17. Juni 1953:

Ich bin am 17. Juni mor­gens in den Zug gestie­gen, um nach Unter­wel­len­born zu fah­ren und meine Arbeit anzu­tre­ten. Als ich dort aus­stieg und ankam, bemerkte ich eine grö­ßere Ansamm­lung von Men­schen, die mir zurie­fen: ›Wir strei­ken, wir arbee­ten nich, wir machen nix, da. In Ber­lin is ooch was los‹. So was Ähn­li­ches. Und ich wusste nicht genau, was sie meinten.

Es  for­mierte sich ein Zug zum Kul­tur­haus – Kul­tur­pa­last hieß es, glaube ich, an dem ich mit­ge­baut hatte – als Beton­bauer. (…) Im Ver­laufe die­ses Weges, ist ja nicht weit zum Kul­tur­haus, wurde mir klar, worum es ging. In Ber­lin wurde gestreikt. Da gab es einen Arbei­ter­auf­stand – und das sollte man hier in Saal­feld fort­set­zen. In der Nähe des Kul­tur­hau­ses stie­ßen wir plötz­lich auf rus­si­sche Panzer.

Da stan­den wir dann.

Es hat sich kei­ner gebückt, um einen Stein auf­zu­he­ben, das will ich hier gleich sagen. Man sieht immer diese Bil­der im Fern­se­hen, dass sich die Auf­stän­di­schen mit Stei­nen ver­se­hen haben, um rus­si­sche Pan­zer zu bewer­fen. Das gab es da nicht. Wir hat­ten Angst.

Wir hat­ten Angst, fuh­ren nach Hause, das heißt, nach Saal­feld und stell­ten uns da zusam­men und rede­ten dar­über. Wur­den aber dann von Poli­zis­ten, von Volks­po­li­zis­ten immer auf­ge­for­dert: Keine Ansamm­lun­gen! Mehr als zwei geht nicht. Nach Hause, gehn Sie nach Hause und so wei­ter. Ja, und das ist die zen­trale Erin­ne­rung an den 17. Juni. Und von die­sem Moment an war mir abso­lut klar, dass jetzt der Moment gekom­men ist, dass ich die DDR ver­las­sen soll  – und muss.

 Ror Wolf – Eine Jugend in Saalfeld:

  1. Saalstraße 28 - Geburtshaus von Ror Wolf
  2. Hoher Schwarm
  3. Feengrotten
  4. Schlösschen Kitzerstein
  5. Saalebrücke in Saalfeld
  6. Brudergasse 11 - Begegnung mit Karl Jüttner
  7. Ror Wolf in der Freien Schulgemeinde Wickersdorf
  8. Als Betonbauerlehrling in Unterwellenborn
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