Jean Paul in Thüringen
1 : Jean Paul in Weimar

Personen

Jean Paul Richter

Charlotte von Kalb

Johann Wolfgang von Goethe

Friedrich von Schiller

Ort

Weimar

Thema

Literarisches Thüringen um 1800

Autor

Julia Knapp; Bernhard Echte

Jean Pauls Orte - Ein Projekt des Vereins

Jean Paul 2013 e.V.

Eine Kühle der Angst pres­set die Brust – end­lich tritt der Gott her, kalt, ein­syl­big.
Jean Paul aus Wei­mar an Chris­tian Otto in Hof,
17.6.1796, über sei­nen ers­ten Besuch bei Goe­the

Im Früh­jahr 1795 erschien der erste Band von Goe­thes epo­cha­lem Ent­wick­lungs­ro­man »Wil­helm Meis­ter«. Im Juni glei­chen Jah­res kam der Roman »Hespe­rus« eines gewis­sen Jean Paul her­aus. Der Autor, der schon ein Jahr zuvor sein Buch »Die unsicht­bare Loge« an Goe­the gesandt hatte, nötigte ihm auch die­ses Mal sein neu­es­tes Werk mit einem ehr­erbie­ti­gen Begleit­brief auf. Goe­the blät­terte kurz in dem Roman und lei­tete ihn dann an Schil­ler wei­ter – als Bei­spiel einer exem­pla­ri­schen Miss­ge­burt: »Hier ein Tra­gel­aph der ers­ten Sorte«, so seine Worte.

Indes: Der «Hespe­rus» avan­cierte zur Sen­sa­tion der Sai­son. Ganz Wei­mar las das Buch und redete wochen­lang dar­über; Char­lotte von Kalb, Schil­lers pre­kä­rer Flirt, war gar völ­lig hin, schrieb dem Nobody nach Hof und lud ihn sogleich nach Wei­mar ein. Für den »Meis­ter« gab’s hin­ge­gen nur küh­len Respekt.

Und Jean Paul kam – und zwar zu Fuß (nur für die letzte Weg­stre­cke nahm er die Kut­sche, damit seine Armut in Wei­mar nicht sofort auf­falle). Pro­vin­zi­ell unbe­hol­fen wirkte er denn auch, lie­bens­wür­dig und unend­lich red­se­lig. Die Damen aber ver­lo­ren in sei­ner Gegen­wart jeg­li­che Con­ten­ance und hock­ten strah­lend um ihn herum. Dass Her­der sich auf seine Seite schla­gen würde, war vor­her­seh­bar gewe­sen. Aber auch Wie­land, der das Gesche­hen aus der Ferne mit­ver­folgte, schien ange­tan. Anna Ama­lia lud ihn nach Tie­furt zum Tee. Der Mann war ein Magnet, es war nicht zu leug­nen.

Koali­tio­nen muss­ten zumin­dest erwo­gen wer­den: Würde Jean Paul sich für die eigene Rich­tung gewin­nen las­sen? Als er zu Schil­ler nach Jena fuhr, schaute der ihn genau an – und senkte den Dau­men. Nein: Das war einer, der wie »aus dem Mond gefal­len schien«. Ein Zufalls­me­teo­rit – aber kein Mann der Klas­sik. So bekam er im »Xenien«-Almanach für 1797 sein Fett weg.

Merk­wür­dig aber: Jean Paul hörte nicht auf, Goe­the und Schil­ler zu ver­eh­ren (obwohl er sehr wohl sah, wie unkul­ti­viert ers­te­rer aß und wie eitel des letz­te­ren Nase in die Welt stach). Für lite­ra­ri­sche Frak­ti­ons­kämpfe war er jedoch nicht zu haben. Goe­the hin­ge­gen brauchte noch zwan­zig Jahre, bis er Jean Paul zumin­dest Respekt zollte. Gemocht hat er ihn nie.

 Jean Paul in Thüringen:

  1. Jean Paul in Weimar
  2. Jean Paul in Gotha
  3. Jean Paul in Ilmenau
  4. Jean Paul in Meiningen
  5. Jean Paul in Oßmannstedt
  6. Jean Paul in Hildburghausen
  7. Jean Paul in Löbichau
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