Tiefurt – Ein literarischer Spaziergang durch den Park
8 : Stein mit Goethe- (oder Knebel?)-Inschrift

Personen

Johann Wolfgang von Goethe

Karl Ludwig von Knebel

Ort

Schloß und Park Tiefurt

Thema

Literarisches Thüringen um 1800

Autor

Gerhard R. Kaiser

Thüringer Literaturrat e.V. / Alle Rechte beim Autor. Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Die Inschrift auf einem schlich­ten Stein im obe­ren Loh­hölz­chen, wo der Park von der nach Krom­s­dorf füh­ren­den Straße aus zu betre­ten ist –

STEILE HÖHEN BESVCHT
DIE ERNSTE FORSCHENDE WEISHEIT
SANFT GEBAHNTEREN PFAD
WANDELT DIE LIEBE IM THAL.

stammt ent­we­der von Goe­the oder von Kne­bel, der sei­ner­seits im Disti­chon eine bevor­zugte Form gefun­den hatte.

Mit der Mat­t­his­son­schen am frü­he­ren unte­ren Park­ein­gang kor­re­spon­die­rend, gilt auch sie nicht einer bestimm­ten Per­son bzw. einem bestimm­ten Anlass oder einer mytho­lo­gisch per­so­ni­fi­zier­ten Lebens­macht, son­dern den beson­de­ren ört­li­chen Gege­ben­hei­ten Tie­furts. Im rhyth­mi­schen Wech­sel von Hexa­me­ter und Pen­ta­me­ter wird die als Systole und Dia­stole kör­per­lich erfahr­bare Ver­ti­kale vom Ilmu­fer bis zum obe­ren Rand des Loh­hölz­chens sprach­lich aus­ge­schrit­ten, wobei die grö­ßere Ein­drück­lich­keit des Blicks von oben ins Tal den Aus­schlag für die Posi­tio­nie­rung der Inschrift gege­ben haben dürfte. Auch die Mat­t­his­son­sche Stro­phe spricht mit den Wor­ten »GOLDENE BILDER / STEIGEN AUS DER GEWÄSSER KLAREM DUNKEL« eine ver­ti­kale Bewe­gung an. Dabei han­delt es sich aber nicht um eine sinn­lich kon­krete, son­dern die spi­ri­tu­elle Erfah­rung eines in der unte­ren Hori­zon­tale von »Gewäs­ser« und »Quell« gebann­ten Besu­chers. Indem sie sich the­ma­tisch wie rhyth­misch, in der Abfolge von Hebun­gen und Sen­kun­gen – dem Gegen- und Zusam­men­spiel von Hexa­me­ter und Pen­ta­me­ter im Disti­chon, dem Wech­sel von  Tro­chäen und Dak­ty­len in der Oden­stro­phe – auf die räum­li­chen Gege­ben­hei­ten des Ilm­bo­gens ein­las­sen, kommt ihnen, obwohl ver­mut­lich unspek­ta­ku­lär prä­sen­tiert, unter allen Inschrif­ten eine ganz eigene, ja her­aus­ra­gende Stel­lung zu. Als ein­zige Inschrif­ten spre­chen beide vom Park selbst.

 Tiefurt – Ein literarischer Spaziergang durch den Park:

  1. Vergilgrotte
  2. Wielands Lieblingsplatz
  3. Denkmal für den Prinzen Leopold von Braunschweig
  4. Kenotaph für den Prinzen Constantin
  5. Denkmal für Wolfgang Amadeus Mozart
  6. Amor als Nachtigallenfütterer
  7. Stein mit Inschrift von Friedrich von Matthisson
  8. Stein mit Goethe- (oder Knebel?)-Inschrift
  9. Schloss Tiefurt
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