Christa und Gerhard Wolf in Bad Frankenhausen
3 : Die Unterkirche

Personen

Christa Wolf

Gerhard Wolf

Ort

Bad Frankenhausen

Themen

Thüringen im Nationalsozialismus

Von 1945 bis zum Ende der DDR

Gegenwart

Autor

Peter Braun und Martin Straub

Die Exkursion entstand im Rahmen eines Projekts der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V.

Doch bevor Christa Wolf durch die Lek­türe mar­xis­ti­scher Schrif­ten zum Sozia­lis­mus fand, übte eine Zeit­lang der christ­li­che Glaube eine gewisse Anzie­hung auf sie aus. Schließ­lich lie­gen hier die huma­nis­ti­schen Werte Euro­pas begrün­det. In ihrem spä­ten Buch Stadt der Engel, ihrem gro­ßen Rück­blick auf ein Leben und ein Jahr­hun­dert, schreibt Christa Wolf dar­über:

Ihr hat­tet in der Klein­stadt, in die es dich nach euer Flucht aus dem Osten ver­schla­gen hatte, einen tüch­ti­gen Pfar­rer, der war klug und anzie­hend für euch Ober­schü­ler, er lud euch ein, euch unter sei­ner Anlei­tung auf neue Art und Weise dem christ­li­chen Glau­ben zu nähern: einer Kampf­re­li­gion. Stark griff er in die Tas­ten: So müsse man »Eine feste Burg ist unser Gott“ spie­len und sin­gen, so habe Luther es gemeint, in fröh­li­chem Streit das Leben als Chris­ten­mensch bestehen. Eine Zeit­lang gingst du sonn­tags in die Kir­che, saßest auf der Empore und hör­test ihn pre­di­gen, fröh­lich und streit­bar und klug, warum eigent­lich nicht, dach­test du. Aber dann, nach eini­gen Mona­ten, muß­test du doch zu ihm gehen und ihm sagen, daß du nicht mehr kom­men wür­dest, zu vie­les an sei­ner Reli­gion könn­test du nicht glau­ben, weder die unbe­fleckte Emp­fäng­nis, noch die Auf­er­ste­hung von den Toten, noch das Wei­ter­le­ben nach dem Tod. Schade, sagte er. Aber du soll­test Geduld mit dir haben, auch er habe spät zu sei­nem Glau­ben gefun­den, auch du könn­test noch nicht wis­sen, was Gott mit dir vor­habe.

Wir haben in der evan­ge­li­schen Pfar­rei von Bad Fran­ken­hau­sen nach­ge­fragt und erhiel­ten zunächst fol­gende schrift­li­che Ant­wort von der Pfar­re­rin Mag­da­lena Sei­fert:

Zu wel­chem Pfar­rer Christa Wolf in ihren Bad Fran­ken­häu­ser Jah­ren Zugang gefun­den hatte, kann noch nicht sicher beant­wor­tet wer­den. Es gab zu die­ser Zeit hier in der Kirch­ge­meinde einen  Pfar­rer Graw­ley und Super­in­ten­dent Dr. Deter. Beide haben Kon­fir­ma­ti­ons­un­ter­richt gege­ben und somit mit Jugend­li­chen zu tun gehabt. Im Kirch­ge­mein­de­rat […] konn­ten wir noch nicht zu einer Ant­wort kom­men. Wir sind dabei, noch Zeit­zeu­gen zu befra­gen.

Einige Zeit spä­ter erhiel­ten wir einen zwei­ten Brief von Pfar­re­rin Mag­da­lena Sei­fert. Darin schrieb sie:

Nach Aus­kunft der Zeit­zeu­gen hatte Pfar­rer Graw­ley einen herz­li­chen und enga­gier­ten Kon­takt zur Kirch­ge­meinde gehabt. So daß er am ehes­ten der­je­nige ist, der das Gespräch mit den jun­gen Leu­ten gesucht haben dürfte.

Für Ger­hard Wolf indes wirkte die evan­ge­li­sche Kir­che zu kei­ner Zeit anzie­hend. Er hat erlebt, wie ange­passt die Kir­che in den Jah­ren des Natio­nal­so­zia­lis­mus war. In unse­rem Gespräch erin­nert er sich an die auf­wän­dig gefei­er­ten Geburts­tage von Luther. Der Pas­tor, sagt Ger­hard Wolf, habe unter sei­nem Talar den Dolch der SA getra­gen. Er habe es deut­lich gese­hen. Und zum Kon­fir­ma­ti­ons­un­ter­richt äußert er sich lapi­dar: »Der war fürch­ter­lich

 Christa und Gerhard Wolf in Bad Frankenhausen:

  1. Schloss Rathsfeld (einschließlich des Barbarossa-Denkmals)
  2. Hermann-Hedrich-Heim und das ehemalige Wohnhaus der Familie Ihlenfeld
  3. Die Unterkirche
  4. Die ehemalige Schule
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