Rainer Maria Rilke

René Maria Rilke wurde am  4.Dezember 1875 in einer deutsch­spra­chi­gen Fami­lie in Prag gebo­ren. Er ver­lebte eine schwie­rige Kind­heit, die er spä­ter abwech­selnd als Para­dies ver­klärte oder als Schre­ckens­welt dar­stellte. Seine Eltern trenn­ten sich, als er noch sehr jung war. Zudem hatte seine Mut­ter Phia Rilke den Tod ihres ers­ten Kin­des, eines Mäd­chens, nicht ver­wun­den und erzog ihren Réne mehr wie eine Toch­ter, denn einen Sohn. Die­ser Hin­ter­grund erschwerte Rilke auch seine Zeit an der Mili­tär­re­al­schule in St. Pöl­ten, die ihn auf eine Offi­ziers­lauf­bahn vor­be­rei­ten sollte. Er ver­kraf­tete die strenge Erzie­hung nicht und war oft krank. Von sei­ner zwei­ten Schule wurde er ver­wie­sen, da er eine Affäre mit einem älte­ren Kin­der­mäd­chen ein­ging. Beide Erfah­run­gen, seine insta­bile Gesund­heit als auch die erste Lie­bes­be­zie­hun­gen deu­te­ten bereits Kon­stan­ten auf Ril­kes künf­ti­gem Lebens­weg an. Er sollte ein stets krän­keln­der Erwach­se­ner wer­den, der seine wech­seln­den Roman­zen mit lyri­schen Brie­fen unter­hielt.

Auch wid­mete sich Rilke bereits jetzt dem Schrei­ben. Wäh­rend sei­ner Stu­di­en­zeit in Prag erlangte er Stadt­be­kannt­heit als jun­ger Dich­ter. Spä­ter setzte er seine Stu­dien der Phi­lo­so­phie, Kunst, Lite­ra­tur und Rechts­wis­sen­schaf­ten in der dama­li­gen Kul­tur­me­tro­pole Mün­chen fort. 1897 lernte er dort Lou Andreas-Salomé ken­nen, die ihm zugleich Leh­re­rin, Freun­din und Geliebte wurde. Durch sie erhielt seine dich­te­ri­sche Lauf­bahn wei­te­ren Antrieb. Er änderte auf ihr Anra­ten sei­nen Zwit­ter­na­men René in den ein­deu­tig männ­li­chen Rai­ner. Spä­ter machte er über sie Bekannt­schaft mit Leo Tol­stoi und Sig­mund Freud. 1899 unter­nahm Rilke mit dem Ehe­paar Andreas-Salomé eine erste Reise in Lous Hei­mat Russ­land. Eine zweite mit der Freun­din allein folgte 1900. Rilke, der zuvor in das Pra­ger Stadt­le­ben ver­liebt gewe­sen war, begeis­terte sich nun für weite Land­schaf­ten. Nach sei­ner Rück­kehr wurde sein auto­bio­gra­phi­sches Werk »Die Weise von Liebe und Tod des Cor­nets Chris­toph Rilke« ein gro­ßer Erfolg.

Von 1900 – 1904 zog Rilke in die Künst­ler­ko­lo­nie im Torf­bau­ern­dorf Worps­wede ein. Dort hei­ra­tete  er die Bild­haue­rin Clara West­hoff. Seine ein­zige Toch­ter Ruth wurde gebo­ren. Doch die Ehe währte unter finan­zi­el­len Nöten nicht lange. Beide trenn­ten sich Freund­schaft, um bes­ser der jewei­li­gen Arbeit nach­ge­hen zu kön­nen. 1904 traf einen wei­te­ren namen­haf­ten Bild­hauer: Auguste Rodin führte Rilke durch die Kunst­szene in Paris. Die bekann­tes­ten Ding­ge­dicht Ril­kes ent­stan­den, wie »Das Karus­sell« und »Der Pan­ther«. Zwi­schen­durch unter­nahm er zahl­rei­che Rei­sen, unter ande­rem nach Ita­lien, Schwe­den und Ägyp­ten. Er lernte Sido­nie Nád­herý von Boru­tín ken­nen, die ihn in ihrem anhal­ten­den Brief­wech­sel als »treue[n] Freund, Bera­ter u. Weg­wei­ser« beschrieb.

1910 – 1913 weilte Rilke drei Mal in Wei­mar. Sei­ner Schwes­ter schreibt er, Wei­mar sei, »sehr schön«, gegen­über Helene von Nostitz bezeich­net er es dann doch wie­der als »nicht so unbe­dingt schön«. In die­ser Zeit geriet Rilke in eine jah­re­lang anhal­tende Schaf­fens­krise. Seine »Dunie­sier Ele­gien« konnte er erst Jahre spä­ter fer­tig stel­len.  Im ers­ten Welt­krieg musste er der öster­rei­chi­schen Armee bei­tre­ten, wurde dank sei­ner ein­fluss­rei­chen Freunde aber schon bald wie­der ent­las­sen. Seine Lieb­ha­be­rin­nen, dar­un­ter nun auch Marie von Thurn und Taxis und die ver­hei­ra­tete Male­rin Lulu Albert-Lasard waren zugleich seine Mäzen­in­nen. Er dankte sei­nen Gön­ne­rin­nen mit herr­li­chen Brie­fen aus den Ort­schaf­ten zu denen er sich zum jewei­li­gen Zeit­punkt sei­nen Urlaub spen­die­ren las­sen hatte. 1919 über­sie­delte er in die Schweiz. Dort fand er in einem mit­tel­al­ter­li­chen Bau, dem Turm von Muzot, ein Domi­zil für sein spä­tes Schaf­fen. 1920 schrieb ihm Lisa Heise, die sich nun einige Jahre in Wei­mar auf­hielt, einen Brief. Die 37-jäh­rige Kla­vier­leh­re­rin wurde von ihrem Mann als Allein­er­zie­hende und in finan­zi­el­ler Not allein gelas­sen. In ihrer pre­kä­ren Lage war ihr Ril­kes »Buch der Bil­der« see­li­scher Trost, für den sie sich in ihrem Brief bedankte. Rilke schickte eine lange Ant­wort zurück und führte die Kor­re­spon­denz nach Thü­rin­gen noch einige Jahre fort.

Als sich Ril­kes Gesund­heits­zu­stand unver­mit­telt ver­schlech­terte, zog er sich mehr und mehr auf sei­nen Turm von Muzot zurück. Am 29. Dezem­ber 1926 starb Rai­ner Maria Rilke in der Schweiz an Leuk­ämie.

 

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