Gera
[Gemeinde]

Lokation

Markt
07545 Gera

50.885071, 12.08072

Personen

H. W. Katz

Erich Knauf

Artikel

H. W. Katz in Gera

Annerose Kirchner – »Nach-Sitzen bei Brendel’s«

H. W. Katz – »Die Fischmanns«

Weiterführende Informationen

Gera

Gera

Autor

Sebastian Graf

Detlef Ignasiak: Das literarische Thüringen, Bucha, 2018.

Gera war von 1564 bis 1918 Resi­denz der Her­ren, Gra­fen und Fürs­ten von Reuß, jün­gere Linie. Hein­rich d. J. Post­hu­mus erlaubte cal­vi­nis­ti­schen Glau­bens­flücht­lin­gen aus Flan­dern die Ansied­lung in Gera, die durch mit­ge­brach­ten neuen Tech­ni­ken der Woll­zeug­fa­bri­ka­tion der Stadt auf lange Sicht eine wirt­schaft­li­che Blüte sicher­ten. Daran erin­nern präch­tige Bür­ger­häu­ser und reprä­sen­ta­tive öffent­li­che Bau­ten wie die Sal­va­tor­kir­che und das Wai­sen­haus (heute Museum).

Im 19. Jahr­hun­dert ent­wi­ckelte sich Gera zu einem bedeu­ten­den Indus­trie­stand­ort. An die Seite der Tex­til­in­dus­trie trat 1841 der Maschi­nen­bau. Aus dem 1882 von den jüdi­schen Kauf­leu­ten Oscar und Her­mann Tietz gegrün­de­ten Tex­til­ge­schäft ging unter der Lei­tung von dem in Gera gebo­re­nen Georg Tietz, einem Sohn von Oscar Tietz, mit dem Kauf­haus »Her­tie« einer der größ­ten deut­schen Kauf­haus­kon­zerne her­vor.

Wäh­rend sich die von ihnen gegrün­de­ten Kauf­häu­ser zu Beginn noch im Besitz der Grün­der befan­den, wurde Her­tie einige Jahre spä­ter unter den Natio­nal­so­zia­lis­ten ari­siert und die Fami­lie Tietz ent­eig­net. Um an die wech­sel­hafte Geschichte der Fami­lie Tietz und deren Ent­eig­nung zu erin­nern, haben Aus­zu­bil­dende von HERTIE in einem Pro­jekt »digi­tale Stol­per­steine« zum Geden­ken an Her­mann Tietz und Oscar Tietz erstellt.

Der dama­lige Reich­tum der Stadt spie­gelt sich bis heute in den zahl­rei­chen seit der Grün­der­zeit erbau­ten Vil­len. Im Zwei­ten Welt­krieg erlebte Gera meh­rere Bom­bar­die­run­gen. Das auf dem Hain­berg ste­hende Resi­denz­schloss Oster­stein, eine im 12. Jahr­hun­dert errich­tete Burg­an­lage, wurde am 6. April 1945 Opfer eines schwe­ren Angrif­fes, durch den auch Teile der Geraer Alt­stadt zer­stört wur­den. Die Schloss­ruine wurde 1962 gesprengt.

1952 wurde Gera DDR-Bezirks­stadt. Als »Arbei­ter­stadt« wurde sie bevor­zugt aus­ge­baut und ver­sorgt. Um die Hein­rich­straße herum ent­stand ein neues Zen­trum. Nach 1990 ver­lor Gera die­sen Sta­tus. Durch den Nie­der­gang gan­zer Indus­trie­zweige sank die Ein­woh­ner­zahl beträcht­lich, so dass die ehe­mals zweit­größte Stadt Thü­rin­gens jetzt mit etwas weni­ger als 100.000 Ein­woh­nern hin­ter Jena steht, dem »Kon­kur­ren­ten« aus DDR-Bezirks­zei­ten. Den­noch gibt es um Markt und Ein­kaufs­straße Sorge herum eine Menge Alt­stadt­flair.

Gera ver­fügt heute über eine Stadt- und Regio­nal­bi­blio­thek, ein Stadt­mu­seum, ein Museum für Ange­wandte Kunst (MAK), eine Kunst­samm­lung in der Oran­ge­rie sowie ein Museum für Natur­kunde (im Schrei­ber­schen Haus), deren Exis­tenz jedoch von Spar­maß­nah­men der Kom­mune ernst­haft bedroht ist.

Die Stadt an der Wei­ßen Els­ter ist der Geburts­ort des Malers Otto Dix (1891–1969), an den in des­sen Geburts­haus in Gera-Untermhaus erin­nert wird. Hier wurde Johann Spies (1540–1623) gebo­ren, der als Dru­cker und Ver­le­ger spä­ter in Frank­furt am Main wirkte. 1587 gab er die »His­to­ria von D. Johann Faus­ten« her­aus, auf die alle Faust-Dich­tun­gen von Chris­to­pher Mar­lowe bis Goe­the zurück­ge­hen. Nach Kon­kurs und ver­lo­re­nen Pro­zes­sen über­sie­delte Spies 1610 nach Gera, wo sein Sohn Mar­tin Spies (1579–1611) seit 1606 die erste Geraer Dru­cke­rei führte. Aus Gera stammt der Rei­se­schrift­stel­ler Johann Chris­tian Schmidt (1692–1728). Die Unter­hal­tungs­schrift­stel­ler Gott­lob Hein­rich Heinse (1766–1813) und Ernst Born­schein (1774–1838) wirk­ten in Gera. Im 20. Jahr­hun­dert arbei­tete hier der Dra­ma­ti­ker Horst Salo­mon (1929–1972), zu des­sen Ehren die Stadt Gera 1980 den Horst-Salo­mon-Preis stif­tete.

in Gera

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