Schiller in Meiningen
1 : Das Schloss Elisabethenburg

Schloss Eli­sa­be­then­burg, erbaut zwi­schen 1682 und 1692, war bis 1918 Resi­denz der Mei­nin­ger Her­zöge. Für Fried­rich von Schil­ler hatte das Mei­nin­ger Schloss eine zwei­fa­che Bedeu­tung. Wäh­rend sei­ner Asyl­zeit im nahe­ge­le­ge­nen Bau­er­bach von Dezem­ber 1782 bis Juli 1783 bezog er aus der hier befind­li­chen Biblio­thek aller­lei Bücher. Diese besorgte ihm sein dama­li­ger Inti­mus und spä­te­rer Schwa­ger Wil­helm Rein­wald, der im Schloss sei­nen Arbeits­platz hatte. Über die­sen Abschnitt im Leben des Dich­ters gibt im Schloss­mu­seum die Dau­er­aus­stel­lung »Asyl für Schil­ler!« genauere Aus­kunft. Außer­dem ist Fried­rich von Schil­ler in der Dau­er­aus­stel­lung des Lite­ra­tur­mu­se­ums Baum­bach­haus (Burg­gasse 22, ca. fünf Minu­ten Fuß­weg) präsent.

Direk­ten Kon­takt mit dem Schloss oder zumin­dest des­sen Umge­bung hatte Schil­ler bei sei­nem zwei­ten Auf­ent­halt im Mei­nin­ger Land. Die­ser fiel in den Spät­herbst 1787. Damals besuchte Schil­ler in Bau­er­bach seine Gön­ne­rin Hen­ri­ette von Wolzo­gen. Nach Mei­nin­gen zog ihn seine inzwi­schen mit Rein­wald ver­hei­ra­tete Schwes­ter Chris­to­p­hine. Auch traf er hier einen guten Bekann­ten, den Maler Johann Chris­tian Rein­hart, wie­der. Die­ser wohnte als Gast des Her­zogs Georg I. im Schloss. Dabei kam es auch zu einer Begeg­nung mit dem Mei­nin­ger Fürsten.

In Mei­nin­gen habe ich mit dem Her­zoge Bekannt­schaft gemacht, es war mir aber nicht mög­lich, sie fort­zu­set­zen, denn der Mensch ist gar auf der Welt nichts. Mit Rein­hardt war ich oft zusam­men, er ist noch ganz der alte und brave Kerl. (…) Mit dem Her­zoge lebt er en bon ami, ohne sich zu geni­ren, sonst wäre es auch nicht auszuhalten.

Im Vor­feld sei­ner Hei­rat mit Char­lotte von Len­ge­feld wurde das Mei­nin­ger Schloss –genauer: der Schloss­herr – für Schil­ler erneut bedeu­tungs­voll. Durch ihre Bin­dung an einen Bür­ger­li­chen gin­gen der Braut ihre Adels­pri­vi­le­gien ver­lo­ren. Die­ser Ver­lust sollte durch den Zuge­winn des Hof­rats­ti­tels für den künf­ti­gen Gat­ten kom­pen­siert wer­den. So wandte sich der frü­here Rebell am 22. Dezem­ber 1789 in demuts­vol­len Wor­ten an den zwei Jahre zuvor noch ver­ächt­lich ange­se­he­nen Her­zog Georg:

Durch zwey Sil­ben, gnä­digs­ter Herr, kön­nen Sie mei­nen Wunsch erfül­len, und die­ses Geschenk würde aus den Hän­den Euer Her­zog­li­chen Durch­laucht einen vor­züg­lich hohen Werth für mich haben. (…) Ich ersterbe mit der tiefs­ten Ver­eh­rung Euer Hoch­fürst­li­chen Durch­laucht unterthä­nigst treu gehor­sams­ter Fried­rich Schiller.

Welch Gesin­nungs­wan­del! Georg I., der sich gerne mit Dich­tern und Künst­lern umgab und seine kleine Resi­denz am liebs­ten zu einem zwei­ten Wei­mar gemacht hätte, dürfte es eine Freude gewe­sen sein, Schil­lers Bitte zu erfül­len. Wie ein Neu­jahrs­ge­schenk emp­fing Schil­ler bald dar­auf die zwei Sil­ben »Hof­rat« aus dem Mei­nin­ger Schloss.

 Schiller in Meiningen:

  1. Das Schloss Elisabethenburg
  2. Das Haus des Brautsuchers - Ernestinerstraße 11
  3. Schillereiche - Gabelung Schillerstraße und Nachtigallenstraße
  4. Steinernes Haus - Anton-Ulrich-Straße 43
  5. Gasthaus »Zum Hirsch« am Markt
  6. Das Grab - Parkfriedhof an der Berliner Straße
  7. Heimsches Haus - Ecke Georgstraße und Klostergasse
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