Saalfeld

Das 899 erst­mals urkund­lich erwähnte Saal­feld war eine karo­lin­gi­sche Königs­pfalz, deren Kapelle sich an der Stelle der heu­ti­gen Dorf­kir­che von Graba befand. Über König Hein­rich II. kam Saal­feld an Ezzo von Loth­rin­gen und an des­sen Toch­ter Richeza (995‑1063), die als Gemah­lin Mieszkos II. Köni­gin von Polen war und in Saal­feld ver­starb. 1056 gab sie Saal­feld an das Erz­bis­tum Köln und damit an das Reich. Der Geschichts­schrei­ber Lam­pert von Hers­feld (vor 1028-vor 85) stand zur Zeit Riche­zas in engem Kon­takt zum Saal­fel­der Bene­dik­ti­ner­klos­ter (heute steht dort das Schloss) und hat die­ses auch besucht. Seine in den »Anna­les« (1078) dar­ge­stellte Sicht auf Hein­richs IV. »Gang nach Canossa« (1077) ging in die dt. His­to­rio­gra­phie ein und wirkt bis heute nach.

Wenn auch die 1180 gegrün­dete Stadt, die hohe Ein­nah­men aus der Saale­flö­ße­rei und dem Berg­bau erzielte, keine Freie Reichs­stadt wurde, so ver­fügte sie aber lange Zeit über reichs­städ­ti­sche Pri­vi­le­gien. Den­noch fiel Saal­feld 1389 an die Wet­ti­ner, was aber dem mit dem Berg­bau ver­bun­de­nen wirt­schaft­li­chen Auf­schwung kei­nen Abbruch tat. Berühmt wur­den die Saal­fel­der Schnitz­al­täre. 1470–1520 exis­tier­ten in Saal­feld sechs Schnitz- und drei Maler­werk­stät­ten. Die bekann­tes­ten Schnit­zer sind Valen­tin Len­den­streich (gest. 1506) und der Rie­men­schnei­der-Schü­ler Hans Gott­walt von Loh († 1543). – Nach dem Tod Ernst des From­men wurde Saal­feld Resi­denz­stadt des Her­zog­tums Sach­sen-Saal­feld (1680–1745). An der Stelle des Bene­dik­ti­ner­klos­ters wurde ein Barock­schloss (heute Land­rats­amt) erbaut, des­sen berühmte Kapelle besich­tigt wer­den kann. 1745 fiel das Her­zog­tum Sach­sen-Coburg an Saal­feld, wurde nun aber zuneh­mend von Coburg aus regiert. Die Saal­feld-Cobur­ger Her­zo­gin Auguste Caro­line Sophie gelang die Ver­hei­ra­tung ihrer drei Töch­ter Antoi­nette, Juliane und Vic­to­ria nach Würt­tem­berg, Russ­land und Eng­land. Aus der Ehe der letz­te­ren mit Edu­ard von Kent ent­spross die berühmte Köni­gin Vic­to­ria. ­­

Der 1488 in Augs­burg gebo­rene Huma­nist und Theo­loge Kas­par Aquila starb 1560 in Saal­feld. Ab 1521 unter­stützte er Luther durch seine Hebräisch­kennt­nisse bei der Über­set­zung des Alten Tes­ta­ments. Luther schickte ihn 1527 als ers­ten Super­in­ten­den­ten an die Saal­fel­der Johan­nis­kir­che. Nach­dem er Saal­feld wegen der Schrift »Wider das Inte­rim« (1548) ver­las­sen musste, kehrte er 1552 hier­her zurück. Heute erin­nert eine Gedenk­ta­fel an der Johan­nis­kir­che an ihn.

Cas­par Sagit­ta­rius war von 1668–1671 Rek­tor in Saal­feld, des­sen erste Stadt­ge­schichte er schrieb. Chris­tian Zeid­ler folgte ihm bis 1684 im Rek­toramt. Er erlebte in Saal­feld seine pro­duk­tivste Zeit als Schuldra­ma­ti­ker. Doch sind die meis­ten sei­ner hier ver­fass­ten Texte (»Albrech­tus ani­mo­sus, Her­zog Albrecht der Teut­sche Roland«, 1677) nicht erhal­ten.

Der 1725 in Saal­feld gebo­rene Theo­loge Johann Salomo Sem­ler begrün­dete in Saal­feld die »his­to­risch-kri­ti­sche Theo­lo­gie des Pro­tes­tan­tis­mus« begrün­dete, mit der er zwi­schen Got­tes Wort und den Buch­sta­ben der Bibel zu unter­schei­den suchte. Einer­seits griff er die Ortho­do­xie an, ande­rer­seits wagte er noch nicht den Weg in eine rigo­rose Auf­klä­rung. Seit Haupt­werk, der »Ver­such einer nähern Anlei­tung in der Got­tes­ge­lehr­sam­keit« erschien 1757.

Josias Fried­rich Chris­tian Löff­ler wurde 1752 in Saal­feld gebo­ren. Er war wir Sem­ler ein bedeu­ten­der Theo­loge, der an den Francke­schen Stif­tun­gen in Halle pie­tis­tisch erzo­gen wurde, sich in Ber­lin mit Moses Men­dels­sohn befreun­dete und Leh­rer von Alex­an­der und Wil­helm von Hum­boldt wurde. Er war der Haupt­ver­tre­ter der Auf­klä­rung in Thü­rin­gen.

Der 1807 in Saal­feld gebo­rene Wil­helm Lud­wig Füß­lein ver­fasste 1861 »Geschich­ten aus der Hei­li­gen Schrift für die Kin­der­stube« und 1863 »Erin­ne­run­gen aus dem Saalthale. Sechs Erzäh­lun­gen«, bei denen es sich um span­nende Kri­mi­nal­ge­schich­ten han­delt, die viel vom Leben des Vol­kes im frü­hen 19. Jahr­hun­derts berich­ten und lokal genau ein­zu­ord­nen sind.

Die 1851 in Zie­len­zig gebo­rene Mar­the Renate Fischer lebte ab 1899 in Thü­rin­gen. 1914 zog sie nach Saal­feld, wo sie bis kurz vor ihrem Tod 1925 lebte. Heute erin­nert an ihrer eins­ti­gen Woh­nung in der Knoch­straße 36 eine Gedenk­ta­fel. Ihr Grab auf dem Saal­fel­der Fried­hof ist erhal­ten und ihr lite­ra­ri­scher Nach­lass befin­det sich im Thü­rin­ger Hei­mat­mu­seum Saal­feld.

Erwin Stritt­mat­ter (1912–1994) wohnte vom Som­mer 1936 bis zum Herbst 1945 in Saal­feld, zum Teil in der Nähe von Saal­feld. Am 12. 6. 1945 kehrt er aus dem Krieg nach Saal­feld zurück und wohnte für einige Zeit bei sei­ner geschie­de­nen Frau.

Der Schrift­stel­ler Tho­mas Bern­hard (1931–1989) wurde 1942 für meh­rere Monate mit der »Kin­der­land­ver­schi­ckung« in einem Heim für schwer erzieh­bare Kin­der nach Saal­feld geschickt. Der 9‑jährige hatte zu Hause die Schule geschwänzt und auf den fort­wäh­ren­den »Lie­bes­ent­zug« mit »Bett­näs­sen« reagiert. Das Saal­fel­der Heim wurde für Bern­hard eine »Stätte der höchs­ten Ver­zweif­lung«. Zum Frück­stück wurde sein nas­ses Bett­la­ken im Spei­se­saal zur Schau gestellt. Unschwer vor­stell­bar, dass diese »Erzie­hungs­hölle« lebens­lange Nar­ben hin­ter­lie­ßen. 1978 besuchte Bern­hard von Leip­zig aus das Heim, wo zu sei­nem neu­er­li­chen Schre­cken noch immer Kin­der unter­ge­bracht waren. In der Erzäh­lung »Ein Kind« von 1982 hat Bern­hard seine Saal­fel­der Zeit beschrie­ben. Heute befin­det sich in dem Gebäude (Am Stei­ger 10) ein Jugend­be­geg­nungs­zen­trum, an dem eine Gedenk­ta­fel an Bern­hards Auf­ent­halt erinn­ernt, davor eine an Bern­hard erin­nernde Bank­gruppe, die 2011 ein­ge­weiht wur­den.

Der Schrift­stel­ler Ror Wolf wurde am 29.6.1932 in Saal­feld (Saale) als Richard Wolf gebo­ren. Spä­ter gab er sich den Künst­ler­na­men Ror Wolf und wählte das Pseud­onym Raoul Tran­chi­rer. Nach dem Abitur 1951 durfte er nicht stu­die­ren. Er absol­vierte eine Lehre als Beton­fach­ar­bei­ter in Unter­wel­len­born. 1953 sie­delte er in die Bun­des­re­pu­blik über.

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