Auf den Spuren des Dichters Otto Ludwig in Eisfeld
8 : Der Schützenhof zu Eisfeld

Person

Otto Ludwig

Ort

Eisfeld

Thema

Von Goethes Tod bis zur Novemberrevolution

Autor

Heiko Haine

Thüringer Literaturrat e.V.

Im Schüt­zen­hof­saale zu Eis­feld war im Win­ter 1837 ein Lieb­ha­ber-Thea­ter auf­ge­baut. Auf der Bühne ste­hen Grup­pen der Mit­spie­ler, Sän­ger und Sän­ge­rin­nen, vor den Noten­pul­ten die Stadt­mu­si­kan­ten, durch Dilet­tan­ten zu einem ansehn­li­chen Orches­ter ver­stärkt. Da sind schier alle Stände ver­tre­ten: Förs­ter, die das Wald­horn, Dok­to­ren, wel­che Trom­pete, Maler, wel­che die Flöte, Leh­rer, wel­che andere Instru­mente bla­sen. Die Vio­line ist mäch­tig besetzt, das Cello hand­habt der alte Pfar­rer von Stel­zen meis­ter­haft, an jedem Pulte ste­hen Frei­wil­lige, die für ihr Instru­ment ihren Mann ste­hen, bis zu den Pau­ken, die ein lan­ger Amts­chir­urg bear­bei­tet. Jetzt tritt der Direk­tor an sein Diri­gen­ten­pult. Seht ihn euch an! Es ist ein schö­ner Mann von 24 Jah­ren. Das dun­kel­braune Haar bedeckt, zu bei­den Sei­ten nie­der­hän­gend, die hohe Stirn, zwi­schen den vol­len Wan­gen tritt eine wahre Herr­scher­nase her­vor, unter der ein wohl­ge­form­ter Mund gut­mü­tig zu lächeln ver­steht wie das braune Augen­paar oben, das aber auch Blitze schie­ßen kann, wenn der Mond don­nert. ›Was das für ein Mensch ist, der Otto?‹ – erzählt dir ein Nach­bar. ›Dem ist nicht nur jedes Kind, dem sind auch alle Tiere gut. Ich habe selbst gese­hen, wie im Som­mer in sei­nem Gar­ten Mol­che und Eidech­sen aus den Spal­ten der nahen Fel­sen zu ihm her­an­lie­fen.‹ Doch die Probe beginnt. Wir stau­nen über das Zusam­men­spiel des Orches­ters. Da ist Takt und Zug und Seele! Wahr­lich, so etwas ist nur in Thü­rin­gen mög­lich, wo den Kin­dern die Musik schon in der Wiege ins Ohr und Herz dringt. Keine fürst­li­che Kapelle kann mehr Eifer ent­fal­ten, als diese Män­ner, die hier der rei­nen Liebe zur Kunst und zu »ihrem Otto« die man­cher­lei Beschwer­den und die viele Zeit zum Opfer brin­gen. Noch mehr fin­den wir Ursa­che, den jun­gen Diri­gen­ten selbst zu bewun­dern. Er ist nicht nur Dich­ter und Kom­po­nist des Stü­ckes und Musik­di­rek­tor dazu, er ist zugleich Regis­seur des Schau­spiels. Er übt nicht nur jedes ein­zelne Instru­ment, er übt jeden ein­zel­nen Gesang, jede ein­zelne Stimme der Chöre. Er stu­diert jede ein­zelne Rolle, sieht auf gute Dekla­ma­tion und auf rich­ti­ges Spiel, kurz, er ist der lei­tende und ord­nende Geist des Ganzen.

 Auf den Spuren des Dichters Otto Ludwig in Eisfeld:

  1. Der Mann auf dem Sockel
  2. Der Eisfelder Marktplatz
  3. Das Eisfelder Rathaus
  4. Der dicke Herr
  5. Das Geburtshaus
  6. Zwischen Himmel und Erde
  7. Die alte Bastei
  8. Der Schützenhof zu Eisfeld
  9. Der Garten - »Jedes Blättchen ist mir wie ein Bruder«
  10. Die Dichtergedenkstätte
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