Mit Kaspar Stieler durch das barocke Erfurt
3 : Stielers Geburtshaus – Schlösserstraße 8

Personen

Kaspar von Stieler

Ernst Christoph Homburg

Johann Christoph Göring

Jacob Grimm

Wilhelm Grimm

Ort

Geburtshaus von Kaspar Stieler

Thema

Schriftsteller der Frühen Neuzeit

Autor

Detlef Ignasiak

Die Exkursion entstand im Rahmen eines Projektes der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V.

Schräg gegen­über die­ses schö­nen Barock­baus steht das beschei­dene Geburts­haus, das mehr­mals umge­baut wurde und über wenig Ori­gi­nal­sub­stanz ver­fügt. Bis vor eini­gen Jah­ren war es als Restau­ra­tion »Anger­meier« fern­seh­be­kannt und dadurch ein wenig lite­ra­tur­ver­wandt. Nun dient es dem schnö­den Kon­sum. Des­halb rezi­tiere ich einige Gedichte aus Stie­lers ein­zi­ger Lyrik­samm­lung, die »Gehar­nischte Venus«, die 1660 in Ham­burg erschie­nen war, wo auch andere Gedicht­bü­cher von thü­rin­gi­schen Barock­au­toren – Ernst Chris­toph Hom­burgs »Scherz- und Ernst­hafte Clio«, Johann Chris­toph Görings »Lie­bes-Maien-Blü­me­lein« und Georg Neu­marks »Poe­ti­scher Lust­gar­ten« – gedruckt wur­den, was für den hohen Rang des Lese­pu­bli­kums in der Han­se­stadt spricht. Erfurt stand da eher im Schat­ten. In Ham­burg erschie­nen auch die meis­ten deut­schen Zei­tun­gen in der Barock­zeit. Da Stie­lers Schwie­ger­va­ter sie als Post­hal­ter »impor­tierte«, kam Stie­ler früh mit die­sem neuen Medium in Berüh­rung. Am Rudol­städ­ter Hof hat er Zei­tungs­kol­le­gien abge­hal­ten. Dort ent­stan­den seine Vor­ar­bei­ten für sein kul­tur­ge­schicht­lich bedeu­tends­tes Buch; »Von der Zei­tungs Lust und Nutz« (1695). Stie­ler schrieb es in Erfurt am Ende sei­nes Lebens, nach­dem er 1690 wie­der in seine Geburts­stadt zurück­ge­kehrt war und bei sei­nem Sohn in der Schlös­ser­straße wohnte. Etwa die Num­mer 28, aber das ist ein voll­kom­me­ner Nach­fol­ge­bau. In dem Zei­tungs­buch wird erst­mals das neue, im 17. Jh. ent­stan­dene Medium gewür­digt und emp­foh­len. Erst im 19. Jh. wird es in Eng­land und Deutsch­land ähn­li­ches geben. In sei­nem letz­ten Quar­tier schieb er auch sein gro­ßes Buch über die deut­sche Spra­che (»Von der deut­schen Spra­che Stamm­baum und Fort­wachs«, 1691), auf das noch Jakob und Wil­helm Grimm zurück­grif­fen, als sie am »Deut­schen Wör­ter­buch« arbei­te­ten. Stie­ler ist das Bin­de­glied zwi­schen Luther und Grimm.

Kas­par Stie­ler ent­stammt übri­gens einer Erfur­ter Apo­the­ker­fa­mi­lie und war des­halb fürs Medi­zin­stu­dium vor­ge­se­hen. In Erfurt und Gie­ßen ver­suchte er sich darin, schei­terte aber wegen eines Duells. So kam er nach Königs­berg, wo er an der »Venus« arbei­tete, und nach Ham­burg. Andere Fami­li­en­mit­glie­der ergrif­fen den Apo­the­ker­be­ruf und rück­ten in die Nähe des ent­ste­hen­den und im 18. Jh. zur Bedeu­tung gekom­me­nen Pharmazeutengewerbes.

 Mit Kaspar Stieler durch das barocke Erfurt:

  1. Kaufmannskirche - Am Anger
  2. Ehemaliges Jesuitenkolleg - Schlösserstraße 7
  3. Stielers Geburtshaus - Schlösserstraße 8
  4. Pfarrhaus - Predigerstraße 4
  5. Predigerkirche - Predigerstraße 5
  6. Mainzische Statthalterei - Regierungsstraße 73
  7. Gasthaus „Zur Hohen Lilie“ - Domplatz 31
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