Jean Paul in Thüringen
2 : Jean Paul in Gotha

Personen

Jean Paul Richter

Moritz August von Thümmel

Henriette von Schlabrendorff

Ort

Gotha

Thema

Literarisches Thüringen um 1800

Autor

Julia Knapp; Bernhard Echte

Jean Pauls Orte - Ein Projekt des Vereins

Jean Paul 2013 e.V.

Ich habe soviele Freunde dage­fun­den, vom Her­zog an bis zum Schel­len­wirth…
Jean Paul an Carl-August Böt­ti­ger,
20. März 1799, über sei­nen Besuch in Gotha

Gotha hätte eigent­lich das Zeug zu einer rich­ti­gen Jean Paul-Stadt gehabt. Im März 1799 war der Autor zum ers­ten Mal hier, traf den von ihm geschätz­ten Kol­le­gen Thüm­mel und war bin­nen kur­zem mit allen ver­traut: von den ein­schlä­gi­gen Knei­piers bis hin­auf zum Her­zog Ernst. Im Juli glei­chen Jah­res war Jean Paul schon wie­der da, ver­brachte viele Stun­den mit dem Archäo­lo­gen August Schlich­teg­roll und des­sen Frau, denen er innig ver­bun­den war, und lernte wei­tere Mit­glie­der der her­zog­li­chen Fami­lie ken­nen.

Und so ging es wei­ter: Im Früh­jahr 1800 folgt der nächste Besuch, ein wei­te­rer im August, wobei sich Jean Paul mit dem lite­ra­risch ambi­tio­nier­ten Erb­prin­zen Emil August anfreun­det. Die Stadt scheint es ihm so sehr ange­tan zu haben, dass er im Sep­tem­ber gar in Beglei­tung einer Dame vor­bei­kommt, deren leichte Lebens- und Lie­bes­art sein Herz mehr als nur höher schla­gen lässt: Hen­ri­ette von Schlab­ren­dorff. Kein Mann gehe »an die­sem feu­ri­gen Busch unver­sengt vor­bei«, hält er dazu resü­mie­rend fest. Doch die Bezie­hung bleibt fol­gen­los. Wenige Wochen spä­ter ver­lobt er sich in Ber­lin mit Caro­line Mayer.

Auch wenn sich das junge Paar dann in Mei­nin­gen nie­der­lässt, bleibt Gotha für Jean Paul auf der Tages­ord­nung. 1801 und 1802 ist er jeweils im Som­mer hier, Anfang 1803 sogar mit­ten im Win­ter. Als Erb­prinz Emil August am 20. April 1804 an die Regie­rung kommt, lässt Jean Paul dezent anfra­gen, ob die­ser ihn an sei­nen Hof zie­hen, d.h. ihm eine Pen­sion aus­set­zen wolle. Auch bie­tet er an, ihm seine soeben voll­endete »Vor­schule der Ästhe­tik« zu wid­men. Doch der junge Regent hat kein Musik­ge­hör; selbst in der Frage der Dedi­ka­tion bleibt er vage und ant­wor­tet mit einem Schrei­ben, das Jean Pauls orna­men­ta­len Stil exal­tiert zu über­bie­ten ver­sucht.

Da ent­schied sich Jean Paul für Bay­reuth (zumal das dor­tige Bier bes­ser war als das Naum­bur­ger, wel­ches Emil August ins Feld geführt hatte). Mit der Wid­mung klappte es schließ­lich auch nicht: Der Zen­sor in Jena ver­bot sie – offen­bar, weil er sie nicht ver­stand (Jean Pauls Anfrage an Emil August sollte schon die Wid­mung selbst dar­stel­len). Doch ein dum­mer Zen­sor bewirkt manch­mal Gutes: Das Ver­bot ani­mierte Jean Paul zu sei­nem »Frei­heits­büch­lein« (1805), einem der epo­cha­len Trak­tate gegen die Zen­sur und für die Frei­heit des Worts.

 Jean Paul in Thüringen:

  1. Jean Paul in Weimar
  2. Jean Paul in Gotha
  3. Jean Paul in Ilmenau
  4. Jean Paul in Meiningen
  5. Jean Paul in Oßmannstedt
  6. Jean Paul in Hildburghausen
  7. Jean Paul in Löbichau
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