Weimar und die »Weimarer Republik« – ein literarischer Streifzug

Die Novem­ber­re­vo­lu­tion 1918 brachte die ent­schei­dende Zäsur im Jahr­hun­derte wäh­ren­den Thea­ter­stück »Leben in der Resi­denz«. Ange­kün­digt wurde sie von Henry van de Vel­des düs­te­rem Text über sei­nen Rück­tritt 1914 und dem Beginn des Ers­ten Welt­krie­ges. Die Wei­ma­rer Mal­schule und das Bau­haus brach­ten in den zwan­zi­ger Jah­ren eine Viel­zahl von Künst­lern und Kul­tur­ver­mitt­lern wie Harry Graf Kess­ler, Ernst Cas­si­rer oder Max Osborn nach Wei­mar, die ihre Rei­bungs­flä­chen hier fan­den. Raoul Haus­mann lei­tete die neue Zeit mit sei­nem »Pam­phlet gegen die Wei­ma­ri­sche Lebens­auf­fas­sung« ein und ver­kün­dete die dada­is­ti­sche Welt. In Wei­mar tra­fen sich Paul Klee, Oskar Schlem­mer, Wal­ter Gro­pius, Lyo­nel Fei­nin­ger, Edvard Munch, Laszlo Moholy-Nagy und viele andere berühmte Künst­ler, die gemein­sam eine neue Zeit mit­ge­stal­ten woll­ten. Sie alle prall­ten auf den Wider­stand der bür­ger­li­chen, klein­geis­ti­gen Gesell­schaft, die sie und ihre Stu­den­ten kur­zer­hand als »Bau­häus­ler« dif­fa­mier­ten; unge­hor­same Kin­der erschreckte man sei­ner­zeit mit der Dro­hung »Ich steck dich ins Bau­haus«. Ande­rer­seits waren die Wei­ma­rer beson­ders emp­fäng­lich für Heils­brin­ger jed­we­der Cou­leur. Harry Wilde schil­dert in sei­ner Theo­dor-Pli­vier-Bio­gra­phie »Null­punkt der Frei­heit« des »Pro­phe­ten« Louis Haeus­ser Auf­tritt vor gro­ßem Publi­kum in Wei­mar. Wenige Jahre zuvor, im Mai 1920, war Fried­rich Muck Lam­berty mit sei­ner »Neuen Schar« durch Thü­rin­gen gezo­gen. Eng ver­knüpft mit die­sem »frucht­ba­ren« Boden ist Thü­rin­gens Vor­rei­ter­rolle im Natio­nal­so­zia­lis­mus. Bereits 1924 schlug Nina Kan­din­sky in Wei­mar unver­hoh­le­ner Anti­se­mi­tis­mus ent­ge­gen. Spie­gel­bild­lich dazu ver­hielt sich die lang­e­in­ge­übte Obrig­keits­ver­eh­rung. Der lie­bens­werte Hoch­stap­ler Harry Domela, alias Prinz Wil­helm von Preu­ßen, wurde nicht nur in Hei­del­berg, Erfurt und Gotha »erkannt« – seine Glanz­stunde schlug im Dezem­ber 1926 in Wei­mar. Unter­stützt von glän­zen­den loka­len Assis­ten­ten ver­half er der Stadt vor­über­ge­hend zu Welt­ruhm der ganz ande­ren Art. Sein Buch »Der fal­sche Prinz« erschien 1927 in Wie­land Herz­fel­des Malik-Ver­lag; Über­set­zun­gen in meh­rere Spra­chen folg­ten, die Stadt Wei­mar und ihre Bewoh­ner waren (wie­der ein­mal) der Lächer­lich­keit preis­ge­ge­ben.

 Weimar und die »Weimarer Republik« – ein literarischer Streifzug:

  1. Paul Klee: Brief an Lily Klee
  2. Harry Wilde: Der falsche Prophet Louis Haeusser
  3. Joseph Roth – »Sporengeklirr im ›Russischen Hof‹«
  4. Die gute Stube des deutschen Kleinbürgers
  5. Victor Auburtin: An Weimar vorbei
  6. Walter Benjamin: Weimar 1928
  7. Walter Petry: Weimar
  8. Lothar Brieger: Johannes Schlaf zum 70. Geburtstag
  9. Mathilde und Maria von Freytag-Loringhoven: Höherer Blödsinn
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