»Der Spaziergang« – Auf Schillers Spuren in Jena
8 : Jenzig-Gipfel mit Blick ins Saaletal und auf Jena

Person

Friedrich von Schiller

Ort

Jena

Thema

Literarisches Thüringen um 1800

Autor

Wolfgang Haak

Thüringer Literaturrat e.V.

Ein Gedicht Gott­fried  Benns (1886 ‑1956) beginnt mit den Wor­ten »Jena vor uns im lieb­li­chen Tale«, die ihm seine Mut­ter »auf einer Karte vom Ufer der Saale« geschrie­ben hatte. Ange­kom­men. Das Ziel ist erreicht. Der Aus­blick gran­dios. Der Spa­zier­gang aber ist noch nicht been­det. Hin­ter dem Fuß­gän­ger liegt der steile Anstieg des Gedichts Schil­lers durch die mensch­li­che Geschichte, aus der Stadt hin­aus in das ein­fa­che Land­le­ben, in eine moderne Welt hin­ein, in der der Mensch zunächst ver­sucht die Natur zu beherr­schen und mit dem Fort­schrei­ten der mensch­li­chen Kul­tur die Auf­klä­rung neue Gefilde erschließt.

Wohin, wenn es dann heißt »…es irrt selbst in dem Busen der Gott«. Anar­chie, die ferne Revo­lu­tion, die plötz­lich so nahe ist, wie eine Natur­ge­walt, die alles mit sich reißt und zu ver­nich­ten droht.  Jetzt aber kehrt man mit dem Gedicht zurück in die all­mäch­tige Natur. 

Rei­ner nehm ich mein Leben von dei­nem rei­nen Altare,
Nehme den fröh­li­chen Mut hof­fen­der Jugend zurück!
Ewig wech­selt der Wille den Zweck und die Regel, in ewig
Wie­der­hol­ter Gestalt wäl­zen die Taten sich um.
Aber jugend­lich immer, in immer ver­än­der­ter Schöne
Ehrst du, fromme Natur, züch­tig das alte Gesetz,
Immer die­selbe, bewahrst du in treuen Hän­den dem Manne,
Was dir das gau­kelnde Kind, was dir der Jüng­ling ver­traut,
Näh­rest an glei­cher Brust die viel­fach wech­seln­den Alter;
Unter dem­sel­ben Blau, über dem näm­li­chen Grün
Wan­deln die nahen und wan­deln ver­eint die fer­nen Geschlech­ter,
Und die Sonne Homers, siehe! sie lächelt auch uns.
(Der Spa­zier­gang, Auszug)

Vor dem Abstieg emp­fiehlt sich eine Rast im Jen­zig­haus, des­sen Grund­stein 1904 gelegt wurde. Bei einem Wöll­nit­zer Weiß­bier mit Schuss kann man dem Sinn­spruch über der Ein­gangs­tür treff­lich nachsinnen:

Du glaubst der Wand‘rer sei ein Sün­der, weil sel­ten er zur Kir­che geht.
Im grü­nen Wald ein Blick zum Him­mel ist bes­ser als ein falsch‘ Gebet.

 

 »Der Spaziergang« – Auf Schillers Spuren in Jena:

  1. Blick zum Jenzig vom Ufer der Saale
  2. Über die Camsdorfer Brücke – auch eines der Sieben Wunder Jenas
  3. An der Schillerkirche »Unserer Lieben Frau«
  4. Am Gasthaus »Zur Distelschänke«
  5. Am Beginn des Zick-Zack-Weges
  6. Den Jenzig-Waldweg entlang
  7. »Nie kehrst du wieder goldene Zeit« - Bank zum Verweilen
  8. Jenzig-Gipfel mit Blick ins Saaletal und auf Jena
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