Carl Wilhelm Heinrich Freiherr von Lyncker

1767      Flurstedt

1843      Weimar

Weitere Orte

Kötschau (Großschwabhausen)

Denstedt

Weimar

Jena

Artikel

Carl Wilhelm Heinrich Freiherr von Lyncker – »Schlittschuhfahren«

Autor

Jens Kirsten

Thüringer Literaturrat e.V.

Carl Wilhelm Heinrich Freiherr von Lyncker wurde am 18. Januar 1767 als Sohn von Carl Friedrich Ernst von Lyncker (1726-1801) geboren. Nach dem Tod von dessen Vater, Wilhelm Ernst Christian von Lyncker (1685-1750) waren an ihn die Mitbelehnschaft von Denstedt, die Güter Flurstedt und Kötschau gefallen. Carl Wilhelm Heinrich kam als siebentes Kind auf dem Flurstedter Gut zur Welt.

Allein die Namen seiner zahlreichen Paten, zu denen der Erbprinz Carl August ebenso gehörte wie Mitglieder der Familien von Fritsch und von Nostiz deuten die enge Beziehung der Lyckers zum Weimarer Hof an. In Weimar lebte die Familie nahe am Töpfenmarkt, in der heutigen Luthergasse 1; 1772 erwarb die Familie ein Haus in der Windischengasse; 1778 zog sie in das ehemals von der Familie von Stein bewohnten Haus der Landeskasse neben dem Kasseturm.

Carl Wilhelm Heinrich von Lyncker lernte Goethe bereits mit acht Jahren kennen, war bei Hofe ein gern gelittener Gast und wurde für Goethe später zu einem engen Freund.

Ab 1783 studierte er in Jena Rechtswissenschaft. Nach dem Studium schlug er eine militärische Laufbahn ein und trat 1887 in preußische Dienste. 1792 wechselte er in schwarzburgisch-rudolstädter Dienste wo er zum Hauptmann avancierte. 1797 wurde er zum Major befördert. 1807 beendete er seine militärische Laufbahn. In Anerkennung dieser Tätigkeit wurde er zum Geheimen Kammerrat ernannt und erhielt neben einer Pension freie Wohnung im Rudolstädter Stadtschloss Ludwigsburg. Zudem ernannte ihn Herzog Carl August zum Landrat des Bezirks Jena, womit sich ein Gehalt von jährlich 300 Talern verband; 1815 ernannte er ihn zum sachsen-weimarischen Obristen und 1816 zum Ritter des »Weißen Falkenordens«.

Unter diesem Bedingungen wohnte Lyncker zeitweilig in Rudolstadt, in Weimar bei seiner Mutter – der Vater war 1801 gestorben – und auf den Gütern der Familie. 1818 zog er nach Jena, wo er Goethe häufig begegnete – oft im Hause Knebels, mit dem Lyncker ebenfalls eng befreundet war.

1828 zog Lyncker auf das Gut der Familie in Kötschau. 1838 verkaufte Lyncker das Gut und zog in sein kleines Herrenhaus (»Linkers Hof«, um 1746 erbautes Vorwerk) am Fuße des Kleinen Ettersberges oberhalb von und ehedem zu Denstedt gehörig. Nahezu erblindet starb er am 30. Januar 1843 in Weimar. Beerdigt wurde er in Rudolstadt.

Auf Anregung von Großherzog Carl Friedrich schrieb Lyncker um 1840 seine Lebenserinnerungen, die in einer Auswahl unter dem Titel »Am Weimarer Hof unter Amalien und Karl August« 1912 von seiner Großnichte Marie Scheller herausgegeben wurden.

Zum ersten Mal vollständig herausgegeben und um ein sehr lesenswertes Nachwort bereichert, dem auch die genaue Editionsgeschichte der Erinnerungen zu entnehmen ist, hat sie Jürgen Lauchner. Ihm sind wesentliche Erkenntnisse zur Geschichte der weitverzweigten Familie Lyncker und zum Lebensweg Carl Wilhelm Heinrich von Lynckers zu danken. Unter dem Titel »Ich diente am Weimarer Hof. Aufzeichnungen aus der Goethezeit« sind sie 1997 im Böhlau-Verlag erschienen.

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