Eisenberg
[Gemeinde]

Lokation

Markt
07607 Eisenberg

50.968725, 11.905829

Personen

Karl Christian Friedrich Krause

Hans Fallada

Inge von Wangenheim

Artikel

Mit dem Ford nach Eisenberg

Ingeborg Stein – »Leere Fülle«

Weiterführende Informationen

Eisenberg

Eisenberg

Autor

Detlef Ignasiak

Das literarische Thüringen, Bucha 2018.

Die lite­ra­ri­schen Wur­zeln Eisen­bergs rei­chen bis ins 14. Jahr­hun­dert zurück. Johann von Eisen­berg wurde um 1300 ver­mut­lich in Eisen­berg gebo­ren. Er war von 1332 bis 1339 am wet­ti­ni­schen Hof, wo er als Notar und Ober­schrei­ber, dann als Kanz­ler tätig war. Als lite­ra­risch viel­sei­tig inter­es­sier­ter Autor und Samm­ler über­lie­ferte er einige Min­ne­lie­der.

Ursula Weida wurde nach 1541  in Eisen­berg gebo­ren.  Sie war die Ehe­frau des Eisen­ber­ger Schös­sers und eine der weni­gen Frauen, die wäh­rend der Refor­ma­tion zur Feder grif­fen. Mit der Flug­schrift „Wider das unchrist­lich schrey­ben“ (1524) reagierte sie auf eine Schmäh­schrift aus dem Klos­ter Pegau. Mar­tin Luther kam im April und Okto­ber 1530 im Gefolge des säch­si­schen Kur­fürs­ten, der zum Augs­bur­ger Reichs­tag unter­wegs war, nach Eisen­berg. Dass die Gemeinde immer noch latei­nisch sang, empörte ihn.

Johann Gott­lieb Heyneccius (eig. Hein­ecke), der 1681 hier gebo­ren wurde, war ein Phi­lo­loge und ein­fluss­rei­cher Rechts­leh­rer. Nach sei­nem Stu­dium in Leip­zig und Halle war er dort seit 1713 Pro­fes­sor, spä­ter im nie­der­län­di­schen Fran­eker, zum Schluss wie­der in Halle, wo er Chris­tian Tho­ma­sius im Amt nach­folgte. Heyneccius‹ Geburts­haus befin­det sich Schloss­gasse 9, wo eine Gedenk­ta­fel an ihn und sei­nen Bru­der erin­nert.

Der wohl berühm­teste Sohn der Stadt war Karl Chris­tian Fried­rich Krause, der 1781 in Eisen­berg gebo­ren wurde. Als Sohn eines Leh­rers stu­dierte er bei Fichte ín Jena Phi­lo­so­phie. Spä­ter war er Leh­rer in Jena, Dres­den, Ber­lin, Göt­tin­gen, zuletzt in Mün­chen, wo er 1832 starb. Obwohl Krause mehr als 50 eigene Werke ver­öf­fent­lichte und sich aner­kannte Geis­ter für ihn ein­setz­ten, blieb er in Deutsch­land wir­kungs­los. Dage­gen erlangte seine Phi­lo­so­phie in Spa­nien und im spa­nisch­spra­chi­gen Latein­ame­rika als „Krausismo“ höchste Gel­tung und ebnete libe­ra­len Ideen den Weg. Sein Geburts­haus befin­det sich am Markt 14. 1881 wurde ihm zu Ehren ein Denk­mal errich­tet und der Krau­se­platz nach ihm benannt.

In Eisen­berg gebo­ren wurde der Phi­lo­soph und bedeu­ten­der Reli­gi­ons­kri­ti­ker Bruno Bauer (1809–1882). Wie er stammt der  Ori­en­ta­list Rein­hold Rost (1822–1896) aus Eisen­berg, der seit 1847 in Lon­don im Auf­trag von Köni­gin Vic­to­ria zahl­rei­che indi­sche Spra­chen wis­sen­schaft­lich erschloss und seit 1869 mit dem India Office die größte ori­en­ta­li­sche Biblio­thek der Welt lei­tete.

Im Sep­tem­ber 1757 kam der berühmte sächs. Fabel­dich­ter Chris­tian Fürch­te­gott Gel­lert (1715–69) als Kriegs­flücht­ling nach Eisen­berg. Er staunte über die „ber­gigte Gegend“ und über „stille Jung­fern, die mich aus mei­nen Schrif­ten kann­ten“. August Schu­mann, des­sen Groß­el­tern in Eisen­berg leb­ten, besuchte 1783–87 das Eisen­ber­ger Gym­na­sium Chris­tia­neum. Carl Spahn (1803–1865), der Begrün­der der Eisen­ber­ger Etui-Pro­duk­tion, schrieb roman­ti­sche Verse, die er als „Früh­lings­kränze“ 1826 ver­öf­fent­lichte. An sei­ner eins­ti­gen Woh­nung am Markt 10 erin­nert eine Gedenk­ta­fel an ihn.

Um die Erfor­schung der regio­na­len Geschichte mach­ten sich der Sprach­for­scher Oskar Weise (1851–1933), der Hei­mat­dich­ter Franz Fischer (1859–1932) und der Sagen­samm­ler Paul Hei­ni­cke (1905–86) ver­dient. Kaum erwäh­nens­wert wäre Inge von Wan­gen­heims Auf­ent­halt 1983 in Eisen­berg, wo sie sich einer Ope­ra­tion unter­zie­hen musste, hätte sie nicht in der damals viel­ge­le­se­nen Erzäh­lung „Sta­tion 5. Romanze einer Gene­sung“ der ortho­pä­di­schen Spe­zi­al­kli­nik Eisen­bergs ein lite­ra­ri­sches Denk­mal gesetzt.

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