Schiller in Meiningen
7 : Heimsches Haus – Ecke Georgstraße und Klostergasse

Personen

Friedrich von Schiller

Christophine Reinwald

Ort

Meiningen

Thema

Literarisches Thüringen um 1800

Autor

Andreas Seifert

Thüringer Literaturrat e.V.

Dicht am Fens­ter vor dem klei­nen Tische
Sitzt am Far­ben­topfe, Pin­sel­tau­chend,
Schwer bewäl­ti­gend der Hände Zit­tern,
Urgroß­mutter­ähn­lich die Matrone …

Mit die­sen Zei­len beginnt ein län­ge­res Gedicht, das dem Leser sug­ge­riert, der orts­fremde Ver­fas­ser käme in Beglei­tung eines Ein­hei­mi­schen an Chris­to­hine Rein­walds letz­ter Woh­nung vor­bei. Betrof­fen schil­dert dabei sein Cice­rone die erbar­mungs­wür­dige Lage einer ein­sa­men, grei­sen Frau, die sich mit Male­rei den Lebens­un­ter­halt ver­die­nen muss. Ihren pro­mi­nen­ten Mäd­chen­na­men habe sie einst geop­fert, »Jung den alten Ehe­mann erwäh­lend, / Um dem Bru­der Stätte zu berei­ten …« – Alles Unsinn! Als Chris­to­p­hine Schil­ler gut sech­zig Jahre zuvor Rein­wald das Jawort gege­ben hatte, brauchte ihr Bru­der keine Stätte in Mei­nin­gen mehr. Fried­rich von Schil­ler war zu jener Zeit schon als Thea­ter­dich­ter in Mann­heim unter­ge­kom­men. Und für das Aus­kom­men Chris­to­p­hi­nes sorg­ten neben einer her­zog­li­chen Wit­wen­rente die Jahr für Jahr stei­gen­den Ein­nah­men aus Schil­lers gedruck­ten Wer­ken. Auch an Ein­sam­keit litt die Mei­nin­ger Schwes­ter des Dich­ters nicht. Sie war in der Wer­ra­stadt ange­se­hen, hatte hier einen gro­ßen Freun­des- und Bekann­ten­kreis, der für sie sorgte. Außer­dem war ihre letzte Woh­nung zu einer Pil­ger­statt des auf­ge­kom­me­nen Schil­ler-Kul­tes gewor­den, so dass Chris­to­p­hine Rein­wald häu­fig Besuch von aus­wärts erhielt. Und eine zitt­rige, greise Frau war sie auch nicht, son­dern erfreute sich einer für ihr Alter erstaun­li­chen Gesund­heit. So ant­wor­tete Chris­to­p­hine Rein­wald dem Erfin­der ihres Abbil­des:

Daß es mir bis jetzt noch nicht ähn­lich ist, habe ich Got­tes Gnade zu dan­ken und erkenne darin eine Beloh­nung für mein frü­he­res Leben, das ich der Pflicht gewid­met habe.

Ver­fas­ser des oben zitier­ten Por­trät­ge­dich­tes war übri­gens der Stutt­gar­ter Pfar­rer und Schrift­stel­ler Gus­tav Schwab, der Jahre zuvor den Deut­schen die antike Sagen­welt in zeit­ge­nös­si­scher deut­scher Spra­che auf­be­rei­tet hatte. Schwab war nie in Mei­nin­gen gewe­sen, hatte also auch »Schil­lers neun­und­acht­zig­jähr’ ge Schwes­ter« nie zu Gesicht bekom­men.

 Schiller in Meiningen:

  1. Das Schloss Elisabethenburg
  2. Das Haus des Brautsuchers - Ernestinerstraße 11
  3. Schillereiche - Gabelung Schillerstraße und Nachtigallenstraße
  4. Steinernes Haus - Anton-Ulrich-Straße 43
  5. Gasthaus »Zum Hirsch« am Markt
  6. Das Grab - Parkfriedhof an der Berliner Straße
  7. Heimsches Haus - Ecke Georgstraße und Klostergasse
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