Schiller in Meiningen
5 : Gasthaus »Zum Hirsch« am Markt

Am 7. Dezem­ber 1782 hatte der Sach­sen-Mei­nin­gi­sche Biblio­the­ca­rius Rein­wald in den spä­ten Vor­mit­tags­stun­den Besuch von einem Boten­gän­ger bekom­men. Die­ser über­brachte ihm ein Schrei­ben mit fol­gen­dem Inhalt:

Ein Frem­der von Stutt­gardt der vor einer hal­ben Stunde ein­traf, und Ihnen viel­leicht schon bekannt ist, wünscht das Ver­gnü­gen zu haben Sie zu spre­chen; weil er aber wegen Sicher­heit sei­ner Per­son in kognito blei­ben muß, so wer­den Sie so gütig seyn zu bestim­men, wo wir beide am ruhigs­ten bei­ein­an­der sind. Ich höre, Sie haben die Kost aus dem Hirsch, ich bin also so frey Sie auf ein Mit­tag­essen zu bitten.

Auch wenn der Ver­fas­ser nicht mit sei­nem Namen unter­zeich­net hatte – bei der Ein­lass­kon­trolle am Unte­ren Tor hatte er sich als Dr. Fried­rich Rit­ter aus­ge­ge­ben – war Rein­wald sofort im Bilde. Hen­ri­ette von Wolzo­gen, Guts­her­rin in Bau­er­bach und müt­ter­li­che Freun­din Fried­rich von Schil­lers, hatte ihn schrift­lich von der zu erwar­ten­den Ankunft des würt­tem­ber­gi­schen Deser­teurs infor­miert. Rein­wald war zu jenem Zeit­punkt die ein­zige Per­son vor Ort, die um die Iden­ti­tät des »Dr. Rit­ter« wusste. Er ver­an­lasste alles Nötige, und noch am sel­ben Tag traf Schil­ler in sei­nem Asyl­ort Bau­er­bach ein.

Noch zwei Mal sollte Fried­rich von Schil­ler in spä­te­ren Jah­ren diese denk­wür­dige Stätte der Erst­be­geg­nung wie­der­se­hen. Im Spät­herbst 1787 besuchte er das Ehe­paar Rein­wald, das damals in einem Haus an der Ost­seite des Mark­tes wohnte. Das Gebäude wurde durch den Stadt­brand von 1874 zer­stört. Ein letz­tes Mal weilte der Dich­ter im Mai 1794 in Mei­nin­gen. Neben der Stadt­woh­nung der Rein­walds lernte er auch deren Berg­gar­ten ken­nen, für des­sen Bepflan­zung Vater Schil­ler Obst­baum­pf­länz­linge von der Soli­tude bei Stutt­gart schickte. Ein wei­te­rer, für Mai 1803 geplan­ter, Besuch des schon schwer kran­ken Dich­ters kam nicht mehr zustande.

Die drei Tage, die wir zusam­men leb­ten, sind mir eine recht ange­nehme Erin­ne­rung, und da ich nun mit Eurem schö­nen Berge bekannt gewor­den bin, so macht es mir um so mehr Freude, Euch in Gedan­ken auf den­sel­ben zu beglei­ten. Schon habe ich den guten Eltern davon geschrie­ben, und den lie­ben Papa sehr neu­gie­rig dar­auf gemacht.

Da Dir aber der Her­zog die Ama­li­en­ruh zum Auf­ent­halt über­las­sen wird, wel­ches eine vor­treff­lich schöne Gegend ist, so muß ich frei­lich zurückstehen.

 Schiller in Meiningen:

  1. Das Schloss Elisabethenburg
  2. Das Haus des Brautsuchers - Ernestinerstraße 11
  3. Schillereiche - Gabelung Schillerstraße und Nachtigallenstraße
  4. Steinernes Haus - Anton-Ulrich-Straße 43
  5. Gasthaus »Zum Hirsch« am Markt
  6. Das Grab - Parkfriedhof an der Berliner Straße
  7. Heimsches Haus - Ecke Georgstraße und Klostergasse
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