Christoph Meckel in Erfurt – Eine Kindheit in der unmittelbaren Nachkriegszeit
2 : Himmelspforte in der Marktstraße 6

Person

Christoph Meckel

Ort

Erfurt

Themen

Thüringen im Nationalsozialismus

Von 1945 bis zum Ende der DDR

Autor

Patrick Siebert

Die Exkursion entstand im Rahmen eines Projekts der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V.


Nach Kriegs­ende waren die regu­lä­ren Schu­len stark beschä­digt. Die für Meckel in frage kom­mende Him­mels­pforte (in der Markt­straße 6) wurde zwar instand­ge­setzt, jedoch gab es zu wenige Arbei­ter und der impro­vi­sierte Schul­un­ter­richt fand bis zum Abschluss der Arbei­ten in beheiz­ba­ren Räu­men – Sie lagen halb­stun­den­weit aus­ein­an­der, in Stra­ßen, die ich jetzt ken­nen­lernte. Eine Leh­re­rin, Gestalt einer zeit­fer­nen Dame, gab Unter­richt in eige­nen Zim­mern, die Kin­der hock­ten auf Tep­pi­chen, Stüh­len, Chai­sen, auf schö­nen alten Tischen und unter ihnen,  schreibt Meckel. Unter­richt erhiel­ten die Kin­der auch in einem Pfarr­haus in der Umge­bung der Arn­städ­ter Straße. Dort wurde jeweils ein Zim­mer ange­heizt und der Unter­richt währte, bis das Zim­mer aus­ge­kühlt war. Der Unter­richt, der keine Ver­war­nun­gen, Zeug­nisse und Stra­fen kannte, war zwar nach Meckel nicht sehr ergie­big, war aber gut für die Kin­der, die das Gefühl hat­ten, jemand sorge sich um sie.

An die Him­mels­pforte hat Meckel keine schö­nen Erin­ne­run­gen: Übel­ge­ruch und Düs­ter­nis“ habe alle Schul­klas­sen gefüllt, das ›in der Schule sein müs­sen‹, schreibt Meckel, habe ihm die ›Tage zer­stört‹. Die Leh­rer seien Fach­fremde gewe­sen, aus der Not her­aus rekru­tiert und ihren Auf­ga­ben nicht gewach­sen. Heim­keh­rer aus der Gefan­gen­schaft, erschüt­terte Bil­dungs­bür­ger, gut­wil­lige Frauen, in über­eil­ten Schnell­kur­sen ori­en­tiert.

Ein freud­lo­ser Frie­den habe Schü­ler und Leh­rer zusam­men­ge­hal­ten.
Den Haupt­an­teil am Schul­un­ter­richt hat­ten die Rus­sisch­stun­den, vier an jedem Tag: Leh­re­rin­nen in Uni­form, mit bekann­ten Orden auf Brust und Kra­gen, Täfel­chen, bunt­ge­reiht und nicht zu ent­zif­fern. Die Leh­re­rin­nen waren alle­samt Sol­da­tin­nen, in ihrer streng mili­tä­ri­schen Art, wie Meckel schreibt, kaum geeig­net, den Kin­dern die fremde Spra­che näher zu brin­gen.

 Christoph Meckel in Erfurt – Eine Kindheit in der unmittelbaren Nachkriegszeit:

  1. Das Haus der Großeltern in der Viktor-Scheffel-Straße
  2. Himmelspforte in der Marktstraße 6
  3. Schulausflug/in der Umgebung des Petersbergs
  4. Sankt-Martins-Fest am Domplatz
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