Friedrichroda

Fried­rich­roda ist eine Klein­stadt im Land­kreis Gotha mit 7000 Ein­woh­nern. Um 1040 grün­dete Lud­wig der Bär­tige (gest. 1056), Vater Lud­wigs des Sprin­ger, ober­halb der heu­ti­gen Stadt Fried­rich­roda die Schau­en­burg, die Stamm­burg der Ludo­win­ger, der spä­te­ren Thü­rin­ger Land­gra­fen, an der stra­te­gisch wich­tigs­ten Stelle zwi­schen Gotha und Schmal­kal­den. Dort hei­ra­tete er Cäci­lie von Sang­erhau­sen, die wich­tige Län­de­reien mit­brachte und damit die Vor­aus­set­zung für die Errich­tung der Lan­des­herr­schaft und die glanz­volle land­gräf­li­che Geschichte legte.

Johan­nes Rothe erzählt dar­über in sei­ner »Dürin­gi­schen Chro­nik« (15. Jh.). Fried­rich­roda wurde durch seine Posi­tion an einer Paß­straße durch den Thü­rin­ger Wald wirt­schaft­lich begüns­tigt, es ent­wi­ckelte sich eine aus­ge­prägte Tex­til- und Bleich­in­dus­trie, spä­ter wurde auch Kup­fer-Berg­bau betrie­ben. Lite­ra­ri­sche Bekannt­heit erlangte die Stadt aber vor allem durch ihren Sta­tus als Luft­kur­ort sowie über das 1085 von Lud­wig dem Sprin­ger, dem Nach­fah­ren Lud­wig d. Bär­ti­gen, gegrün­dete Klos­ter Rein­hards­brunn.

In Fried­rich­roda wirkte und lebte eine Reihe bedeu­ten­der Dich­ter und Schrift­stel­ler. Cyria­kus Schnee­gaß (1546–1597), der ab 1573 hier als Pfar­rer wirkte, war Lie­der­dich­ter, ver­öf­fent­lichte Werke zur Musik­theo­rie und den mate­ri­al­rei­chen Brief­wech­sel zwi­schen Melan­chthon und Myco­nius. Cas­par Schmal­kal­den (1632–1668/75) erlangte mit sei­nen ein­drucks­vol­len Rei­se­bü­chern über seine Unter­neh­mun­gen in West- und Ost­in­dien Ruhm. Die Manu­skripte der »wun­der­sa­men Rei­sen des Cas­par Schmal­kal­den nach West- und Ost­in­dien« wer­den in der For­schungs­bi­blio­thek Gotha auf­be­wahrt.

Die vom Lexi­ko­gra­phen Chris­tian Fried­rich Rost (1790–1862) ver­faßte »Deut­sche Gram­ma­tik« von 1814 und sein »Deutsch-Grie­chi­sches Wör­ter­buch« von 1818 waren weg­wei­send in ihrer Zeit. Johann Georg Ecca­rius, der 1818 in Fried­rich­roda gebo­ren wurde, machte 1846 in Lon­don die Bekannt­schaft von Karl Marx und wurde, von Marx und Engels inspi­riert, zu einem Arbei­ter­jour­na­lis­ten. Seit 1968 erin­nert ein Denk­mal im Fried­richs­ro­daer Kur­park an ihn.

Rudolf Otto Wie­mer (1905–1998), der zunächst die Schule in Schnep­fen­thal besuchte und von 1923 bis 1924 das Leh­rer­se­mi­nar in Göt­tin­gen absol­vierte, wurde spä­ter als Jugend­buch­au­tor und Erzäh­ler bekannt. Neben sei­ner schrift­stel­le­ri­schen Tätig­keit arbei­tete er als Pup­pen­spie­ler. In sei­nen Arbei­ten beschäf­tigte er inten­siv mit sei­ner Kind­heit in Fried­rich­roda. Heute erin­nert der Wie­mer­weg, auf dem in kur­zen Abstän­den Gedichte Wie­mers zu lesen sind, an den Dich­ter.

Auf­grund der schö­nen Land­schaft ent­wi­ckelte sich Fried­rich­roda nicht nur zu einem belieb­ten Ziel der Som­mer­frisch­ler, es wurde im 19. Jahr­hun­dert zu einem inter­na­tio­nal ange­se­he­nen Kur­ort, in den jähr­lich Besu­cher aus aller Welt ström­ten. Heute erin­nert an diese Glanz­zeit der Stadt die in jenen Jah­ren errich­tete Bäder­achi­tek­tur. Fried­rich Chris­toph Per­t­hes besuchte die Stadt über viele Som­mer; er besaß eine eigene Woh­nung in der Rein­hards­brun­ner Straße 13. Der Bild­hauer und Schrift­stel­ler Ernst Ber­lach besuchte zwi­schen 1894 und 1897 mehr­fach seine Mut­ter, die 1893 nach Fried­rich­roda, in die Alex­an­dri­nen­straße 26 gezo­gen war.

Zu den berühm­tes­ten Som­mer­frisch­lern gehör­ten Jacob Grimm und Wil­helm Grimm, die sich im August und Sep­tem­ber 1852 hier auf­hiel­ten. Im Juli 1873 stat­tete Theo­dor Fon­tane der Stadt einen Besuch ab. Hein­rich Schwerdt und August Tri­nius schrie­ben um 1900 die ers­ten tou­ris­ti­schen Füh­rer. Carl Stern­heim lernte im Juli 1900 hier seine Frau beim Ten­nis­spie­len ken­nen. Er war mit dem hie­si­gen klein­städ­ti­schen Leben so ver­bun­den, dass sich Namen orts­säs­si­ger Hand­wer­ker in spä­te­ren Komö­dien wie­der­fin­den. Inge von Wan­gen­heim kam als 11-jäh­rige 1923 mit »einem gro­ßen Hau­fen blas­ser, benach­tei­lig­ter Ber­li­ner Kin­der zur Auf­päp­pe­lung« nach Fried­rich­roda und damit erst­mals nach Thü­rin­gen.

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