Erich Lichtenstein – Ein Verleger in Weimar
1 : Biographische Spuren

Ort

Weimar

Themen

Weimarer Republik

Thüringen im Nationalsozialismus

Von 1945 bis zum Ende der DDR

Autor

Wulf Kirsten

Thüringer Literaturrat e.V. / Erstdruck Weimar Kultur Journal Nr. 4/2001

Nach jah­re­lan­gen inten­si­ven Recher­chen und zugleich beses­sen von sei­ner Auf­gabe, dar­auf bedacht, seine Lich­ten­stein-Biblio­thek zu kom­plet­tie­ren, liegt nun ein unge­wöhn­li­ches, gera­dezu bei­spiel­haf­tes Arbeits­er­geb­nis eines Laien vor in Gestalt eines Buches, dem ein Bei­heft zuge­ord­net ist. Die­ser Bei­trag zur deut­schen Ver­lags­ge­schichte ist gleich­zei­tig eine zuver­läs­sige kul­tur­ge­schicht­li­che Arbeit zur Stadt­ge­schichte Wei­mars, die bewusst macht, wie viele weiße Fle­cken es gerade in puncto loka­ler Ver­lags­ge­schichte noch gibt. Umso beacht­li­cher und ver­pflich­ten­der die Pio­nier­leis­tung Hans-Udo Witt­kow­skis.

Da weder Erb­hü­ter noch Nach­lass vor­han­den sind, war es umso müh­sa­mer, die Bio­gra­phie des Ver­le­gers und Publi­zis­ten zu rekon­stru­ie­ren. Auf 25 Sei­ten ent­rollt der Edi­tor die wech­sel­volle Lebens­ge­schichte Lich­ten­steins, die zwi­schen 1920 und 1935 vor­nehm­lich Ver­lags­ge­schichte ist. Ein Jahr­zehnt (1922–1932) befand sich der Ver­lag in Wei­mar. Wohn­sitz und Ver­lag in der Jun­ker­straße (heute: Trie­rer Straße 45), das Laden­ge­schäft, in dem er einen Sor­ti­ments­buch­han­del nebst Anti­qua­riat unter­hielt, befand sich in der Frau­en­tor­straße 17. Die poli­ti­schen Ver­hält­nisse ver­trie­ben den jüdi­schen Ver­le­ger aus Wei­mar. Von 1934 bis 1938 lei­tete Lich­ten­stein als einer der bei­den Geschäfts­füh­rer die Jüdi­sche Buch­ver­ei­ni­gung in Ber­lin. Die Blät­ter der Jüdi­schen Buch­ver­ei­ni­gung (1934–1936) sind in dem Bei­band zusam­men­ge­fasst wor­den. Dane­ben hielt er Vor­träge und ver­an­stal­tete Rezi­ta­ti­ons­abende im Jüdi­schen Kul­tur­bund und bei den Quä­kern. Als dies nicht mehr mög­lich war, schlug er sich mit Gele­gen­heits­ar­bei­ten durch, zeit­wei­lig war er arbeits­los, wäh­rend des Krie­ges wurde er zu ver­schie­de­nen Arbei­ten zwangs­ver­pflich­tet. Als sich seine Frau 1942 von ihm schei­den ließ, ver­schlim­merte sich seine Situa­tion bedroh­lich. Mit knap­per Not ent­ging er der Depor­ta­tion. Die letz­ten Kriegs­mo­nate über­stand er in einem Ver­steck. 1945 bis 1957 war er Leh­rer an einem Gym­na­sium in Wil­mers­dorf. In den Nach­kriegs­jah­ren arbei­tete er außer­dem für den Funk wie für Tages­zei­tun­gen als Lite­ra­tur­kri­ti­ker. Von 1935 bis zu sei­nem Tode 1967 lebte er in Ber­lin.

 Erich Lichtenstein – Ein Verleger in Weimar:

  1. Biographische Spuren
  2. Verlegerische und publizistische Arbeit
Diesen Artikel teilen:

Literaturland Thüringen‹ ist eine gemeinsame Initiative von
Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen · Thüringer Literaturrat e. V. · MDR-Figaro · MDR Thüringen – Das Radio

Gestaltung und Umsetzung XP.DT © 2011-14 [http://www.xp-dt.de]
© Thüringer Literaturrat e.V. [http://www.thueringer-literaturrat.de]

URL dieser Seite: [http://www.literaturland-thueringen.de/artikel/erich-lichtenstein-ein-verleger-in-weimar/lebens-und-verlagsgeschichte/]