»Schiller, Schlegel & Co.« –
Literatur- und Geistesgeschichte in Jena um 1800

4 : Johannisstraße und Johannistor

Personen

Friedrich von Schiller

Johann Wolfgang von Goethe

Friedrich Schelling

Friedrich Hölderlin

Ort

Jena

Thema

Literarisches Thüringen um 1800

Autor

André Schinkel

Die Exkursion entstand im Rahmen eines Projektes der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V.

Vor unse­rem klei­nen Auf­stieg zur Johan­nis­straße wer­fen wir einen Blick in die Kol­le­gi­en­gasse: auf das alte Herz der Jenaer Uni­ver­si­tät, das Col­le­gium jenense. Der Hof des Col­le­gi­ums, das bis heute durch zwei ein­lie­gende Insti­tute der Hoch­schule leben­dig ist, gehört zu den schöns­ten und stills­ten Plät­zen des alten Jena – inmit­ten des Zen­trums bie­tet er vor allem im Som­mer einen idea­len Ver­weil­ort im Trei­ben der Stadt.

Wer die Kol­le­gi­en­gasse wei­ter­geht und am Ende nach links in den Leu­tra­gra­ben abbiegt, gelangt nach ca. 300 Metern über die Schil­ler­straße zu Schil­lers Gar­ten­haus in der Schil­ler­gasse. Doch das ist nicht das Ziel unse­res Rund­gangs.

Die Johan­nis­straße kann als eine der bedeu­tends­ten und geschichts­träch­tigs­ten Stra­ßen der Jenaer Innen­stadt ange­se­hen wer­den: auf ihr fand am 26. Mai 1789 gera­dezu Unge­heu­er­li­ches statt. Der frisch beru­fene Geschichts­pro­fes­sor Schil­ler sollte an die­sem Tag im Rein­hold­schen Audi­to­rium seine Antritts­vor­le­sung (»Warum und zu wel­chem Ende stu­diert man Uni­ver­sal­ge­schichte?«) hal­ten – da aber der Raum die Masse Zuhö­rer nicht fas­sen konnte, wurde eilends der Umzug zum Gries­bach­schen Audi­to­rium am Löb­der­gra­ben anbe­raumt. Um nun dort die bes­ten Plätze zu ergat­tern, kam eine so unge­heure Bewe­gung auf die Johan­nis­straße, dass die Bewoh­ner nach dem Grund des Tohu­wa­bo­hus frag­ten und zur Ant­wort beka­men, dass der wohl zu der Zeit berühm­teste Extra­or­di­na­rius sich die Ehre gäbe. Es wurde, Orts­wech­sel wie Antritts­vor­le­sung, ein regel­rech­ter Tri­umph­zug Schil­lers, der ihm in der Kol­le­gen­schaft nicht nur Bewun­de­rung, son­dern auch Neid ein­brachte. Schil­lers Aus­kom­men indes war erst ab 1792 gesi­chert, als ihm der däni­sche Kron­prinz ein Jah­res­sa­lär von 1.000 Talern gewährte. Die­sem Mäzen – und nicht dem Wei­ma­rer Her­zog – sind wohl die nun fol­gen­den gro­ßen Werke Schil­lers, geschicht­li­che wie lite­ra­ri­sche, zu ver­dan­ken.

Am Johan­nis­tor (das man, um sein See­len­heil und gute Prüf­ergeb­nisse besorgt, umge­hen und nicht durch­schrei­ten soll) vor­bei bli­cken wir in die Wag­ner­gasse, die heute eine Fülle Sze­ne­lo­kale beher­bergt. Über diese Straße kam Goe­the von Wei­mar her in die Stadt – und nicht zuletzt die Jahre der Zusam­men­ar­beit mit Schil­ler soll­ten ihn oft nach Jena füh­ren, hier ließ er sich im Stadt­schloss (heute Haupt­ge­bäude der Uni­ver­si­tät) ein Zim­mer bereit­hal­ten. Ein wenig ober­halb (Johan­nis­platz 22) befin­det sich das Wohn­haus Schel­lings, der, ein Stu­di­en­kol­lege Höl­der­lins und Hegels, zum »Tübin­ger Drei­ge­stirn« zählt. Schel­ling war, zunächst (bis 1799) an der Seite von Fichte, spä­ter im Ver­bund mit Hegel, von 1798 bis zu sei­nem Ruf an die Würz­bur­ger Uni­ver­si­tät 1803 Pro­fes­sor in der Saa­le­stadt.

Höl­der­lin, der 1794/95 in Jena stu­dierte, engen Kon­takt zu Schil­ler pflegte und in der Zwät­zen- wie der Unter­lau­en­gasse Quar­tier hatte, kehrte in der »gro­ßen Zeit« um 1800 nicht in die Stadt zurück.

 

 »Schiller, Schlegel & Co.« –
Literatur- und Geistesgeschichte in Jena um 1800:

  1. Das Haus Markt 23
  2. Rathausgasse
  3. Eichplatz
  4. Johannisstraße und Johannistor
  5. Inspektorhaus am Botanischen Garten
  6. Jenergasse (Novalis, Rückert, Schiller, Kuhlmann)
  7. Über den Markt zum Kirstenschen Haus
  8. Romantikerhaus
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