De Petro hirsuto – Heinrich Hoffmanns Kampf um die literarische Heimat, ein unaufgeklärtes Selbstzeugnis zwischen Wagnis und Hoffnung

Quo hos ven­tus tule­rit,
nullus homo dixe­rit!

Las­sen wir doch ein­mal das läs­tige Detail bei­seite, dass Hein­rich Hoff­mann sein bekann­tes­tes Werk, einige Jahr­zehnte vor sei­nem ers­ten Besuch in Tab­arz schrieb. Wer will denn ernst­haft behaup­ten, eine lite­ra­tur­wis­sen­schaft­li­che Ana­lyse käme einem Werk nur des­halb näher, weil sie sich an die Fak­ten hielte? Ist nicht schon längst bekannt, dass Autoren schon vor der Zeit spü­ren, dass sich da etwas ankün­digt, nen­nen wir es Ahnung oder Hoff­nung oder, damit sich nie­mand aus­ge­schlos­sen fühlt, Ver­zweif­lung.

Ist also das Nagel­kind Petrus Hirs­u­tus, vulgo der Struw­wel­pe­ter, in Wirk­lich­keit eine para­dig­ma­ti­sche Model­lie­rung des Ortes Tab­arz – anti­the­tisch auf­ge­baut? Oder ist das erfolg­reichste Reim­pro­dukt eines Außen­ly­ri­kers eine an das Exis­ten­zi­elle gebun­dene Aus­ein­an­der­set­zung mit einer Idylle ? Eine Idylle, die ent­zau­bert wer­den muss? Hei­mat, gegen den Strich gebürs­tet, auf­ge­bro­chen in ihrer auf­dring­li­chen Natur, einer Über­macht an Grün, Berg, Baum und Tal, dass es den kri­ti­schen Rea­lis­ten zum Wider­wort zwin­gen muss!

Sieh ein­mal, hier steht er,
Pfui ! der Struw­wel­pe­ter !
An den Hän­den bei­den
ließ er sich nicht schnei­den
Seine Nägel fast ein Jahr;
Käm­men ließ er nicht sein Haar.

Der unge­bürs­tete Rebell – das klingt nach Her­zens­wunsch in einer Umge­bung, die bis zum heu­ti­gen Tag Har­mo­nie erzwingt: Eine lieb­li­che Berg­land­schaft, die von jeg­li­chen Höhen neue Sich­ten auf Land und Leute anbie­tet, leise und geruh­sam. In jün­ge­rer Zeit lässt sich an der Klei­dung aus­wär­ti­ger Wan­der­grup­pen erken­nen, dass man Ton in Ton mit der Land­schaft gehen möchte, wei­che Stoffe, sanfte Far­ben, mutig gesetzte Kon­tu­ren – alles in Kor­re­spon­denz zu Lauch­agrund und Daten­berg, Roten­berg­wiese und Fel­sen­tal.

Hilf Hoff­mann, Hein­rich, du hast es gespürt – Tab­arz ist eine Idylle, die sich ernst nimmt. Kann man dem über­haupt wider­spre­chen ?

 De Petro hirsuto – Heinrich Hoffmanns Kampf um die literarische Heimat, ein unaufgeklärtes Selbstzeugnis zwischen Wagnis und Hoffnung:

  1. Von bösen Friederichen, Fliegen und anderen Mehrbeinern
  2. Etliches über das Tabarzer Seelenleben
  3. Thomas Mann und Tabarz
  4. Ein Traktat über die autoritäre Macht
  5. Aus Hoffmanns »Tabarzer Notizbuch«
  6. »Hoffmanns Visionen«
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