Christa und Gerhard Wolf in Bad Frankenhausen

Personen

Christa Wolf

Gerhard Wolf

Ort

Bad Frankenhausen

Themen

Von 1945 bis zum Ende der DDR

Weibliche Perspektiven

Autor

Peter Braun und Martin Straub

Die Exkursion entstand im Rahmen eines Projekts der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V.

Bad Fran­ken­hau­sen ist eine Stadt im Nor­den Thü­rin­gens am Fuße des Kyff­häu­ser­ge­bir­ges gele­gen. Ihre hei­ßen Sole­quel­len nutzte die Stadt bereits im frü­hen 19. Jahr­hun­dert für Heil­zwe­cke und stieg damit zu einer belieb­ten Kur- und Feri­en­stadt auf. Bad Fran­ken­hau­sen war Lebens­ort sowohl von Ger­hard Wolf als auch von Christa Ihlen­feld – so der Mäd­chen­name von Christa Wolf –, ohne dass sich ihre Wege hier bereits kreuz­ten.

Ger­hard Wolf wurde am 16. Okto­ber 1928 in Bad Fran­ken­hau­sen gebo­ren und ver­brachte dort seine Kind­heit und Jugend. Sein Vater, Alfred Wolf, der gerne Jour­na­list gewor­den wäre, arbei­tete seit 1938 als Buch­hal­ter für den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Reichs­krie­ger­bund. Die­ser war auf dem nahe­ge­le­ge­nen Schloss Raths­feld unter­ge­bracht, wo die Wolfs wohn­ten. Seine Mut­ter starb eben­falls 1938. Insta­bile, vom Krieg gezeich­nete Jahre folg­ten, die Ger­hard und sein fünf Jahre jün­ge­rer Bru­der Die­ter getrennt bei Ver­wand­ten ver­brach­ten, bis 1941 mit sei­ner Stief­mut­ter Feli­ci­tas eine über­zeugte Natio­nal­so­zia­lis­tin ins Haus zog und die Kin­der wie­der zu sich holte. Im letz­ten Kriegs­jahr wurde Ger­hard Wolf dann im Alter von 15 Jah­ren als Luft­waf­fen­hel­fer ein­ge­zo­gen. Nach dem Krieg been­dete er bis 1947 die Schule und ließ sich anschlie­ßend in drei Mona­ten als »Neu­leh­rer« für Bio­lo­gie aus­bil­den. Danach unter­rich­tete er für zwei Jahre in Schlot­heim, das etwa 50 Kilo­me­ter von Bad Fran­ken­hau­sen ent­fernt liegt. Durch diese Tätig­keit erwarb er sich einen Stu­di­en­platz für Ger­ma­nis­tik und Päd­ago­gik in Jena.

Christa Ihlen­feld, gebo­ren am 18. März 1929, wuchs in Lands­berg an der Warthe, heute Gor­zów Wie­l­ko­pol­ski auf. Ihre Eltern führ­ten dort ein Lebens­mit­tel­ge­schäft. 1945 musste die Fami­lie die Stadt vor der her­an­rü­cken­den sowje­ti­schen Armee ver­las­sen. Nach einem kur­zen Auf­ent­halt in Grü­ne­feld bei Ber­lin und zwei Jah­ren in Gam­melin in Meck­len­burg – ein gutes hal­bes Jahr davon ver­brachte sie in einem Lun­gen­sa­na­to­rium in Bol­ten­ha­gen an der Ost­see – kam Christa Ihlen­feld im Alter von 18 Jah­ren nach Bad Fran­ken­hau­sen. Ihr Vater, inzwi­schen aus sowje­ti­scher Kriegs­ge­fan­gen­schaft zurück­ge­kehrt, erhielt dort eine Stelle als kauf­män­ni­scher Lei­ter des »Her­mann-Hetrich-Kin­der­sa­na­to­ri­ums«. Hier erhielt die Fami­lie zum ers­ten Mal wie­der ein eige­nes Dach über den Kopf. In Bad Fran­ken­hau­sen schloss Christa Ihlen­feld ihre Schul­bil­dung mit dem Abitur – Note: Sehr gut – ab, bevor sie im Herbst 1949 zum Stu­dium nach Jena zog.

Da Ger­hard Wolf von 1947 bis 1949 in Schlot­heim als »Neu­leh­rer« tätig war, besuchte er seine Fami­lie in Bad Fran­ken­hau­sen nur gele­gent­lich. So begeg­ne­ten sich Christa und Ger­hard in die­sen Jah­ren nicht. Aller­dings gin­gen ihre jeweils jün­ge­ren Brü­der in die­selbe Schul­klasse. Erst in Jena, zu Beginn des Stu­di­ums, lern­ten sie sich per­sön­lich ken­nen, ver­lieb­ten sich inein­an­der und leg­ten dort den Grund­stein für ihre lebens­lange Gemein­schaft. Die Hoch­zeit im Juli 1951 fand schließ­lich wie­der in Bad Fran­ken­hau­sen statt.

Die Erin­ne­rung an Bad Fran­ken­hau­sen spielt in den lite­ra­ri­schen und essay­is­ti­schen Wer­ken von Christa und Ger­hard Wolf keine her­aus­ra­gende Rolle. Aber ein­zelne Bruch­stü­cke ragen den­noch immer wie­der in ihre Arbei­ten her­ein. Sie ver­ra­ten, dass die Jahre im Kyff­häu­ser für beide eine prä­gende Zeit war. Schließ­lich erleb­ten sie dort ihre Puber­tät und such­ten, nach­dem immer mehr Gräu­el­ta­ten des Zwei­ten Welt­kriegs an den Tag dräng­ten, nach einer welt­an­schau­li­chen Ori­en­tie­rung. Auf unter­schied­li­chen Wegen fan­den beide zum Sozia­lis­mus und so tra­ten sie denn auch, unab­hän­gig von­ein­an­der, in die­sen Jah­ren in die SED ein. Ger­hard bereits 1946, um sich in einem sym­bo­li­schen Akt von sei­nem Vater und vor allem sei­ner Stief­mut­ter – und damit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus – zu distan­zie­ren; Christa drei Jahre spä­ter, über­zeugt davon, im Sozia­lis­mus eine ratio­nale und auf wis­sen­schaft­li­chen Füßen ste­hende Gesell­schafts­form gefun­den zu haben, die nach dem ideo­lo­gi­schen Irr­sinn der ver­gan­ge­nen 15 Jahre eine wie­der men­schen­ge­mäße Zukunft ver­sprach.

 Christa und Gerhard Wolf in Bad Frankenhausen:

  1. Schloss Rathsfeld (einschließlich des Barbarossa-Denkmals)
  2. Hermann-Hedrich-Heim und das ehemalige Wohnhaus der Familie Ihlenfeld
  3. Die Unterkirche
  4. Die ehemalige Schule
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