Auf den Spuren von René Halkett in Weimar
1 : Kleine Geschichte der Familie von Fritsch

René Hal­kett wurde am 5. Februar 1900 in Wei­mar gebo­ren und hieß eigent­lich Albrecht Georg Fried­rich Frei­herr von Fritsch und gehörte zu einer alt­ein­ge­ses­se­nen Wei­ma­rer Fami­lie. Jakob Fried­rich von Fritsch (1731–1814) kam 1756, zur Regie­rungs­zeit des Her­zogs Ernst August Con­stan­tin, nach Wei­mar. Als Gehei­mer Refe­ren­dar unter Anna Ama­lia wurde er lei­ten­der Minis­ter im Gehei­men Con­ci­lium und 1771 zum Wirk­li­chen Gehei­men Rat ernannt. Unter der Regent­schaft von Groß­her­zog Carl August wurde er Ers­ter Minis­ter. Als die­ser den jun­gen Heiß­sporn Goe­the zum Minis­ter des Inne­ren ernen­nen wollte, hatte Excel­lenz Fritsch größte Beden­ken. Am 24. April 1776 schrieb er daher an Her­zog Carl August:

Über das Sujet des Dr. Goe­the und des­sen Plat­zie­rung im Gehei­men Con­si­lio habe Eurer Hoch­fürst­li­chen Durch­laucht eben­falls schon mit aller Frei­mü­tig­keit meine weni­gen Ge­danken gesagt … So bleibt mir nichts mehr übrig als … zu dekla­rie­ren, daß ich in einem Col­le­gio, des­sen Mit­glied gedach­ter Dr. Goe­the anjetzt wer­den soll, län­ger nicht sit­zen kann.

Der Groß­her­zog und auch seine Mut­ter ant­wor­te­ten mit Bedacht und, wie die Geschichte weiß, mit Erfolg. Sein ältes­ter Sohn des Ers­ten Minis­ters, Fried­rich August von Fritsch (1768–1845) trat als Hof- und Jagd­jun­ker in Wei­ma­ri­sche Dienste, stieg zum Ober­forst­meis­ter und Kam­mer­di­rek­tor auf, blieb bis zu sei­nem Unfall­tod im Jahr 1845 unver­hei­ra­tet. Der zweit­äl­teste Sohn, Carl Wil­helm von Fritsch (1769–1850), trat das beruf­li­che Erbe sei­nes Vaters an und wurde spä­ter Staats­mi­nis­ter in Wei­ma­ri­schen Diens­ten. Der älteste Sohn von Carl Wil­helm von Fritsch war Carl Fried­rich Chris­tian Wil­helm von Fritsch (1804–1892) wurde 1831 Gehei­mer Refe­ren­dar im Wei­ma­rer Staats­mi­nis­te­rium. Er hei­ra­tete 1832 Karo­line von Zie­ge­sar. Sein Bru­der Georg August von Fritsch (1807–1866) wurde 1855 Ober­forst­meis­ter in Wei­ma­ri­schen Diens­ten. Er war ab 1848 in zwei­ter Ehe mit Luise Sophie Doro­thea von Herda zu Bran­den­burg (1822–1903) ver­hei­ra­tet. Sein Bru­der Bern­hard Albert von Fritsch (1808–1882) wurde Gene­ral­leut­nant in kur­säch­si­schen Diens­ten.

Der Uren­kel des Minis­ters, Fried­rich Hein­rich Frei­herr von Fritsch (1851–1918), absol­vierte eine mili­tä­ri­sche Lauf­bahn, die er im Alter von etwa 40 Jah­ren und frisch ver­hei­ra­tet been­dete, um dann in die Stel­lung eines Kam­mer­herrn bei Groß­her­zog Wil­helm Ernst ein­zu­tre­ten. Den Ers­ten Welt­krieg erlebte er in wech­seln­den Posi­tio­nen in Gebie­ten hin­ter der Ost­front, wurde nach der Kapi­tu­la­tion 1918 ver­wun­det und starb in einem Laza­rett in Ost­preu­ßen. Sein Sohn Albrecht über­führte ihn auf einer aben­teu­er­li­chen Reise quer durch Deutsch­land, damit er in der Wei­ma­rer Fami­li­en­gruft bei­gesetzt wer­den konnte.

Der Cou­sin von Albrecht Georg Fried­rich Frei­herr von Fritsch, Karl Alex­an­der Hugo Frei­herr von Fritsch zu Seer­hau­sen (1869–1945) war Ober­hof­mar­schall des Groß­her­zogs Wil­helm Ernst bis zur Revo­lu­tion im Novem­ber 1918. Unter der neuen Regie­rung war das Hof­mar­schall­amt noch 1919 wei­ter­hin for­mal zustän­dig für Belange der Wei­ma­rer Kunst­schu­len und damit sowohl bei der Ernen­nung von Wal­ter Gro­pius als Direk­tor wie für die Umbe­nen­nung der ehe­mals Groß­her­zog­li­chen Kunst­aka­de­mie in Staat­li­ches Bau­haus zwangs­läu­fig ein­be­zo­gen. Auf diese Weise war Hugo von Fritsch noch aktiv in der Grün­dungs­phase des Wei­ma­rer Bau­hau­ses.

 Auf den Spuren von René Halkett in Weimar:

  1. Kleine Geschichte der Familie von Fritsch
  2. Lisztstraße 13a - Geburtshaus von René Halkett
  3. Gutenbergstraße 16 - Haus der Familie von Fritsch
  4. Isadora Duncan tanzt barfuß im Hoftheater
  5. Wittumspalais in Weimar
  6. Weimarer Maskeraden
  7. Kegelplatz 5 - Wohnung von Hugo von Fritsch
  8. Bauhaus-Werkstatt im Reithaus
  9. Student am Weimarer Bauhaus
  10. Breitscheid-Straße 7 - 1920 Wohnung von Walter Determann
  11. Breitscheidstraße 17 - Wohnung der Schauspielerin Thea von Harbou
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