Edwin Kratschmer

1931      Komotau

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Edwin Kratschmer zum 95. Geburtstag

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Edwin Kratschmer im Autorenlexikon

Edwin Kratschmer

Autor

Jens Kirsten

Thüringer Literaturrat e.V.

Edwin Krat­schmer wurde 1931 in Komo­tau (heute: Cho­mu­tov, Tsche­chien) gebo­ren. 1945 aus dem Sude­ten­land ver­trie­ben, sie­delte er zunächst nach Oldis­le­ben in Thü­rin­gen über. Er arbei­tete als Land- und Bau­ar­bei­ter und besuchte von 1947–1949 die Ober­schule in Bad Fran­ken­hau­sen. Nach dem Abitur war er als Zim­mer­mann tätig und stu­dierte dann von 1949 bis 1951 Psy­cho­lo­gie, Kunst, Kunst­er­zie­hung und Lite­ra­tur in Ber­lin, Greifs­wald und Leipzig.

Nach dem Stu­dium war er von 1951–1955 Leh­rer in Gün­serode, Son­ne­berg und Raben­äu­ßig. 1953 hei­ra­tete er Mar­gret Malz, mit der zahl­rei­che sei­ner künst­le­ri­schen Vor­ha­ben gemein­sam umsetzte. Von 1955 bis 1983 war er Leh­rer für Kunst, Deut­sche Spra­che und Lite­ra­tur in Unter­wel­len­born, das für viele Jahre sei­nen Lebens­mit­tel­punkt bil­dete. Von 1964–1974 initi­ierte und lei­tete er einen Lyrik­club im Kul­tur­haus Unter­wel­len­born. Von 1968–1969 schrieb er seine Dis­ser­ta­tion zum Thema »Das poe­ti­sche Schaf­fen Jugend­li­cher in der DDR« und wurde damit 1969 promoviert.

Von 1964–1990 trug er gemein­sam mit Mar­gret Krat­schmer  und Han­nes Würtz eine Lyrik­samm­lung von ca. 100.000 Gedich­ten von Jugend­li­chen zusam­men. 1971 und 1972 war er Semi­nar­lei­ter beim Zen­tra­len Poet­en­se­mi­nar in Schwe­rin. Von 1972–1990 lei­tete er mit Mar­gret Krat­schmer die Gale­rie im Kul­tur­pa­last Unter­wel­len­born. Nach sei­ner Demis­sio­nie­rung aus dem Schul­dienst 1983 war er frei­be­ruf­li­cher Her­aus­ge­ber, Gale­rist, Dozent und Kunst­wis­sen­schaft­ler. V

Von 1983–1995 war er als frei­schaf­fen­der Kunst­wis­sen­schaft­ler Mit­glied des Ver­bands Bil­den­der Künst­ler. Ab 1988 baute er mit Mag­ret Krat­schmer die Kunst­samm­lung Max­hütte Unter­wel­len­born auf. Für die von ihm geleis­tete Arbeit erhielt er 1989 den Kunst­preis des Bezir­kes Gera. 1990–1992 war er Grün­dungs­di­rek­tor des Hein­rich-Böll-Gym­na­si­ums in Saal­feld. 1991 war er Mit­glied der Asso­cia­tion Inter­na­tio­nale des Cri­ti­ques d’Art (AICA) in Paris und von 1992–1998 Mit­glied der Heinrich-Böll-Stiftung.

1992 erhielt er einen Ruf an die Uni­ver­si­tät Jena, wo er bis 1999 als Pro­fes­sor für Neu­este Deut­sche Lite­ra­tur forschte und lehrte. Von 1993–2001 kura­tierte er die Inter­na­tio­na­len Jenaer Poe­tik-Vor­le­sun­gen, die auf seine Initia­tive ent­stan­den. 1996 erhielt er die Schil­ler-Medaille der Uni­ver­si­tät Jena. 1995 über­gab er die Kunst­samm­lung Max­hütte an den Frei­staat Thü­rin­gen und 1996 schenkte er die von ihm, sei­ner Frau und Han­nes Würtz zusam­men­ge­tra­gene Lyrik­samm­lung an die FSU Jena.

2000 orga­ni­sierte er gemein­sam mit Udo Scheer ein Sym­po­si­ums zum 50. Geburts­tag von Jür­gen Fuchs, mit dem ihn seit 1971 eine Freund­schaft ver­band. Ab 2001 wid­mete er sich sei­ner frei­be­ruf­li­chen schrift­stel­le­ri­schen Tätig­keit und publi­zierte zahl­rei­che Romane, Essays und Erzäh­lun­gen, die zu einem gro­ßen Teil im Stadt­ro­daer UND-Ver­lag erschienen.

2005 wurde Krat­schmer zum Ehren­mit­glied des Col­le­gium Euro­paeum Jenense ernannt. 2009 wurde er Ehren­mit­glied des Kunst­ver­eins Saal­feld e.V. 2010 erhielt er für sein lite­ra­ri­sches Werk den Lite­ra­tur­preis der Ver­trie­be­nen. Seit 2011 ist Edwin Krat­schmer Ehren­bür­ger von Unter­wel­len­born, wo er seit 1955 lebte. Nach einem Infarkt zog er 2015 mit sei­ner Frau zu sei­ner Toch­ter nach Saalfeld.

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