Person
Orte
Waldhaussiedlung, Villa Mavrogordato
Thema
Jens Kirsten
Thüringer Literaturrat e.V. / Abdruck der Texte von Harald Gerlach mit freundlicher Genehmigung der Familie Olbrich.
Wie welthaltig gerade »Provinz« sein kann, hat Harald Gerlach in einem substanziell überzeugend komponierten Stufenbau hinterlassen.
Wulf Kirsten
Der Wanderweg »Zum Greifen nah die Landschaft. Eine literarische Wanderung mit dem Dichter Harald Gerlach« ist ein Projekt der Stadt Römhild in Zusammenarbeit mit der
Gemeinde der Steinsburgfreunde e.V. und dem Thüringer Literaturrat e.V. Der Abdruck der Gedichte entlang des Wanderwegs und der Texte erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Familie Olbrich.
Der Wanderweg beginnt am Museum Schloss Glücksburg, wo eine Tafel über den Weg informiert. Ein Auszug aus dem Text »Fortgesetzte Landnahme« von Harald Gerlach gibt
Auskunft über des Dichters Beziehung zu seinem Heimatort. Im Schloss Glücksburg leitete
sein Vater, der mit seiner Familie aus Schlesien gekommen war, nach dem Krieg ein Waisenhaus, das später zu einem Jugendwerkhof wurde. Darüber schrieb Harald Gerlach die Erzählung »Das Graupenhaus«, die später unter dem Titel »Das Graupenschloss« verfilmt
wurde.
Der Weg führt von hier nach Haina, wo um 1490 Hans Hut geboren wurde, der später
einer der führenden Täufermissionare der Reformationszeit wurde; weiter nach Schwabhausen zu Förster Gundelwein und von hier über den Dingslebener Nacken und den »Schwarzen Stock« zum Kleinen Gleichberg, zu »Hölderlins Ätna«, wie ein Gedicht Gerlachs heißt, oder zum »Thüringischen Olymp«, wie Gerlachs Dichterfreund Wulf Kirsten den Berg nannte.
Vom Kleinen Gleichberg führt der Weg hinab zur Waldhaussiedlung und »Inter Montes« zum Steinsburgmuseum zwischen Kleinem und Großem Gleichberg, dessen Besuch sich ebenso lohnt wie ein Besuch des Museums Schloss Glücksburg, wo neben vielem anderen Pierre Mavrogordatos Antikensammlung zu finden ist.
Vom Steinsburgmuseum führt der Weg wieder zurück nach Römhild. Eine vorletzte Station in Römhild bildet die Mohrenapotheke, wo der Apotheker Carl Kade einst wirkte. Auf dem Friedhof als letzter Station findet sich das Grab Harald Gerlachs mit dem Gedicht »An Buchonia«.
An Buchonia
Zögernd in deine ländlichen Arme
nahmst du mich Landlosen endlich auf.
Frieden schenktest du mir,
Brot und Lieder. Und frühe Liebe.
Trieb es mich um – Schöne,
am Ende bleibst Du mir allein.
Ausgeschildert ist der Wanderweg mit den Buchstaben HG.
Mit dem Wanderweg ehrt die Stadt Römhild den Dichter und Schriftsteller Harald Gerlach, der 1940 im schlesischen Bunzlau geboren wurde, 1945 mit seiner Familie, die mütterlicherseits aus Haina stammte, ins Thüringische Grabfeld nach Römhild kam, wo er aufwuchs. Neben seiner in Römhild spielenden Erzählung „Das Graupenhaus“, das später verfilmt wurde, und dem hier thematisch angesiedelten Band „Vermutungen um einen Landstreicher“ schrieb er zahlreiche Gedichte über die Landschaft des Grabfeldes und seine Wahlheimat Römhild, in der der 2001 in Leimen bei Heidelberg verstorbene Dichter auch begraben ist.
Sein Dichterfreund Wulf Kirsten schrieb über ihn: Harald Gerlach erwies sich in den drei Jahrzehnten seines Schaffens als ein in allen Genres versierter Autor. Er suchte sich immer wieder thüringische Schauplätze. Vor allem die biographischen Stationen, von denen er seine Bodenhaftung beziehen konnte, beflügelten ihn zu einer Vielzahl von Texten und Büchern, darunter Erzählungen, Romane, Gedichte, Stücke, Opernlibretti in Zusammenarbeit mit dem Leipziger Komponisten Karl Ottomar Treibmann, eine Lebensgeschichte Friedrich Schillers, die erst nach seinem Tod erschien, Hörspiele, Funksendungen, biografische Abrisse, weit verstreut zahlreiche Beiträge zu Sammelbänden. Wie welthaltig gerade „Provinz“ sein kann, hat Harald Gerlach in einem substanziell überzeugend komponierten Stufenbau hinterlassen.
Nicht zuletzt dieses umfangreiche und künstlerisch herausragende Werk war für den Freistaat Thüringen der Anstoß, das jährlich von der Kulturstiftung Thüringen verliehene Landesliteraturstipendium nach Harald Gerlach zu benennen.
Harald Gerlach ist ein Schriftsteller, dessen Entdeckung und Wiederentdeckung sich lohnt, ebenso wie die Schönheit der Landschaft um Kleinen und Großen Gleichberg.
Die Stationen des Weges (Beginn / Ende: Schloss Glücksburg)
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