Rolf Sakulowski – »Die Atompriester«

Personen

Rolf Sakulowski

Klaus Jäger

Ort

Weida

Thema

Gelesen & Wiedergelesen

Autor

Klaus Jäger

Alle Rechte beim Autor. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors. Erstdruck in: Palmbaum, Heft 1/2026.

Klaus Jäger

Atem­los durch Europa

 

Ein geheim­nis­vol­les Klos­ter hoch in den Pyre­näen. Ein intel­li­gen­ter jun­ger Ber­li­ner, der von einer feu­ri­gen Spa­nie­rin rekru­tiert wird. Und plötz­lich scheint es kein Zurück mehr zu geben … Es ist schon ein exo­ti­sches Set­ting, das sich Rolf Saku­low­ski für sein jüngs­tes Buch Die Atom­pries­ter aus­ge­wählt hat.

Dass der gebür­tige Weidaer das Span­nungs­genre beherrscht, hat er hin­läng­lich unter Beweis gestellt. Zwar kom­men seine Thü­rin­gen-Kri­mis um den His­to­ri­ker Jonas Wie­sen­burg oft etwas alt­ba­cken daher, sein Thril­ler Ver­lo­ren­was­ser jedoch, bei dem es um eine offi­zi­ell nicht exis­tie­rende Anti-Ter­ror-Ein­heit der DDR geht, raubt dem Leser förm­lich den Atem.

Jetzt also die Atom­pries­ter. Auch hier hält sich Saku­low­ski nicht lange bei der Vor­rede auf und nimmt den Leser rasch mit auf den span­nen­den Weg des frisch­ge­ba­cke­nen Reli­gi­ons­wis­sen­schaft­lers Elias Thom­sen. Der fin­det sich bald in den Pyre­näen wie­der. Als Atom­pries­ter soll er dar­auf vor­be­rei­tet wer­den, das Geheim­nis der End­la­ger über Genera­tio­nen wei­ter­zu­tra­gen. Doch dann stol­pert er er über einen Toten, will auf eigene Faust ermit­teln, wird ent­deckt und befin­det sich plötz­lich auf einer Flucht quer durch Europa – ver­folgt von einem kloster­ei­ge­nen Geheim­dienst, der auch vor kalt­blü­ti­gem Mord nicht zurück­schreckt. Und schließ­lich … doch nein, das Ende wird hier frei­lich nicht verraten.

Das liest sich alles flüs­sig und gefäl­lig. Rolf Saku­low­ski ist in der Lage, starke Bil­der zu erzeu­gen, seine Aus­bil­dung als diplo­mier­ter Kame­ra­mann kann und will der Autor nicht leugnen.

Aller­dings schießt er dabei oft über das Ziel hin­aus und kommt tief ins Kli­schee. Schon vor der Ankunft im Klos­ter schnei­den die »Licht­ke­gel der Auto­schein­wer­fer« wie »glei­ßende Mes­ser« durch »die blau­schwarze Düs­ter­nis«. Das Klos­ter selbst ist ein Film­bild: Es besteht aus »trut­zi­gen« Fes­tungs­mau­ern, die Fres­ken »pran­gen« an den Wän­den, es gibt »kost­bare Anti­qui­tä­ten«, »kunst­vol­les Blei­glas«, »mäch­tige Schreib­ti­sche« und ehr­furcht­ge­bie­tende »Leder­fo­li­an­ten« neben dem »edlen Holz« der Regal­ein­fas­sun­gen. Dass die Atom­pries­ter, obwohl fast alles Wis­sen­schaft­ler, ganz selbst­ver­ständ­lich alle in schwarze Kut­ten geklei­det sind, irri­tiert den Leser. Und spä­tes­tens dann, wenn der »Abt« auch noch unum­wun­den ein­räumt, dass die »Pries­ter« kei­nes­wegs eine Reli­gi­ons­ge­mein­schaft bil­den, führt man sich hin­ter die Fichte geführt.

Der Schutz mög­li­cher End­la­ger ist eine rein welt­li­che Ange­le­gen­heit. Ein streng gehei­mes Insti­tut würde die­sel­ben Auf­ga­ben erfül­len kön­nen. Dass die Kir­che 2000 Jahre lang Geheim­nisse bewah­ren konnte, bes­ser als jeder Geheim­dienst, fußt auf der Macht der Reli­gion, nicht auf voll­kom­men über­flüs­si­ger Kos­tü­mie­rung. Die ent­puppt sich letzt­lich als Mit­tel zum Zweck, den Leser zu unterhalten.

Auch an ande­ren Stel­len neigt der Autor zu schwer nach­voll­zieh­ba­ren Über­trei­bun­gen: Etwa, wenn eine alte und kranke Pen­si­ons­be­sit­ze­rin in den Ber­gen über Nizza nach einer ein­zi­gen Über­nach­tung dem sym­pa­thi­schen jun­gen Mönch ihr Auto über­lässt und ihm gleich noch das Haus schen­ken möchte.

Wer so etwas bei dem Erzähl­tempo die­ses Text gewor­de­nen Road-Movies über­se­hen kann, dem sei das Buch wärms­tens emp­foh­len. Der Rezen­sent jeden­falls hat es gern gele­sen. Eine lange Nach­wir­kung indes wird es nicht haben. Aber das ist ein Anspruch, dem sich moderne Unter­hal­tungs­li­te­ra­tur ja ohne­hin kaum noch stel­len will.

 

  • Rolf Saku­low­ski: Die Atom­pries­ter, Emons Ver­lag, Köln 2025, 416 S., 20 €.
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