Personen
Christine Hansmann
Klassik Stiftung Weimar / Christine Hansmann / Thomas Ogger / Gisela Kraft. Der Abdruck der Gedichte und des Textes erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechtsinhaber.
Seit dem 28. Juni 2026 gibt es neben dem Hafis-Denkmal in Weimar eine neue Übersetzung des Hafis-Gedichtes, das Thomas Ogger übersetzt und die 2010 verstorbenen Dichterin Gisela Kraft nachgedichtet hat. Die Tafel wurde anlässlich von Gisela Krafts 90. Geburtstag neben dem Original des Dichters Hafis angebracht.
Anlässlich einer Feierstunde sprachen Andrea Dietrich von der Klassik Stiftung Weimar, die Dichterin Christine Hansmann, deren Grußwort wir hier abdrucken, und der Bildhauer Walter Sachs.
um dich zu leiden ist mein lebensweg gewesen
fernab der welt mit ihrem gleisnerischen wesen
ein vollgeschenktes glas ein mundschenk mondenschön
statt geifernder gelehrter schmeichelt meinem wesen
mein geist hat zwei narzissenaugen sich erlesen
zwei hyazinthenhärchen im gesicht erlag mein wesen
so ging das leben hin in hoffnung auf ein zeichen
zwei brauenenden sind mein augentrost gewesen
und wie kein heer mir hilft am dasein zu genesen
so wenig taugt mein arm ein weltreich zu verwesen
das auge des geliebten das da spielt und blitzt
in seinem zauberischen zwinkern ruht mein wesen
bekümmert press die stirn aufs knie ich wie ein veilchen
weil seine freche strähne nicht zu sehn gewesen
wie andere den mond betrachten voll verlangen
ist jene braue meiner blicke mond gewesen
hafis hast du gesagt wo irrt dein schweifend herz
in einer lockenbiege treibt es nun sein wesen
Hafis, Übersetzung: Thomas Ogger – Nachdichtung: Gisela Kraft
Liebe Freunde, liebe Freundinnen von Gisela Kraft, liebe Weggefährten,
am 28. Juni würde Gisela neunzig Jahre alt. Zu ihrer kongenialen Nachdichtung des Hafisschen Ghasel um dich zu leiden / ist mein lebensweg gewesen, gab es im Laufe der Jahre immer wieder Bemühungen, sie mit der unvollständigen, ungenauen Fassung des Vinzenz Rosenzweig von Schwannau, die am Weimarer Hafis Denkmal auf der nebenstehenden Tafel abgedruckt ist, auszutauschen.
Tatsächlich war Gisela bei der Einweihung des Denkmals im Jahr 2000 zugegen, sie hat danach – in dem ihr eigenen, nachvollziehbaren Unmut über die Qualität der Schwannauschen Nachdichtung – ihren Freund Thomas Ogger um eine Übersetzung gebeten, um sich selbst mit dem Ghasel intensiv zu beschäftigen. Katharina Mommsen stützt sich in ihrem Essay zum Weimarer Hafis Denkmal »Herrlich ist der Orient / übers Mittelmeer gedrungen« ausdrücklich auf diese Kraftsche Nachdichtung.
Im Vorfeld des 90. Geburtstages kamen Walter Sachs und ich auf die Idee, erneut einen Versuch zu wagen, den Tausch der Tafeln anzuregen, der nunmehr, vor allem dank Walters beharrlicher Bemühungen, der Unterstützung seitens der Klassik Stiftung (hier vor allem Andrea Dietrich) und der Hilfe weiterer Menschen wie Kawoos Siawash, von Erfolg gekrönt ist.
Die neue Tafel mit Giselas Nachdichtung schlägt in Ausführung und Anbringung mit Kosten von 2.248,68 Euro zu Buche. Mit dieser Mail geht deshalb auch die Bitte in die Runde der Angeschriebenen, sich – wenn gewollt und möglich – mit einer Spende an den Kosten zu beteiligen. Es ist sozusagen ein Geschenk an Gisela – und ein Versuch, sie mit ihrer Nachdichtung im Stadtbild und an prominenter, wenn auch nicht sofort ins Auge fallender Stelle, wieder etwas sichtbarer werden zu lassen.
Das Spendenkonto der Klassik Stiftung Weimar lautet: IBAN: DE08 8205 1000 0301 0230 00 und BIC: HELADER1WEM. Verwendungszweck: “Spende zur Erneuerung Tafel Hafis-Denkmal”. Bei Spenden ab 300,00 Euro muss die Postadresse angegeben werden, damit die Stiftung eine Zwendungsbestätigung nach § 50 Abs.4 S.1 Nr 2a EStDV zuschicken kann. Bei Beträgen darunter genügt der Einzahlungsbeleg für das Finanzamt.
Wir möchten die Einweihung dieser neuen Tafel an Giselas 90. Geburtstag, Sonntag, 28. Juni 2026, 16.00 Uhr, am Hafis Denkmal begehen – leicht, mit einem Augenzwinkern, wie es Gisela entsprach, und einem Glas Nachmittagswein, falls jemand ihn und die Gläser mitbringt – und laden Sie und Euch sehr herzlich dazu ein.
Christine Hansmann
Gisela Kraft
AN HAFIS
ich lese deine verse
und kann sie nicht schreiben
in der schenke
sprachen wir lange
hörten den tropfen zu
die aus dem glas
in unseren mund liefen
verglichen sie mit gott
uns mit der erde
und das glas mit dem himmel
wir waren uns eins
die nacht finster
du schläfst noch ich sitze
beim morgenwein
mit den meistern der trennung
die lehren
gott ist unvergleichlich
glas ist unvergleichlich
du bist unvergleichlich
sie schreiben deine verse
und können sie nicht lesen
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