H. G. Adler

1910      Prag

1988      London

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H. G. Adler

Autor

Pascal Quicker

Thüringer Literaturrat e.V. / Gedenkstätte Buchenwald

H.(ans) G.(ünther) Adler wurde am 2. Juli 1910 in Prag als Sohn eines Buch­bin­ders gebo­ren. Sei­nen Vor­na­men kürzte er spä­ter wegen der Namens­gleich­heit mit Adolf Eich­manns Mit­ar­bei­ter Hans Gün­ther ab. Der spä­tere Päd­agoge, His­to­ri­ker, Sozio­loge und Schrift­stel­ler stu­dierte zwi­schen 1930 und 1935 Musik, Kunst, Lite­ra­tur­wis­sen­schaft, Psy­cho­lo­gie und Phi­lo­so­phie an der Deut­schen Uni­ver­si­tät Prag. Nach­dem er 1935 pro­mo­viert wurde, war er bis 1941 als Sekre­tär am Pra­ger Volks­bil­dungs­haus „Ura­nia“ tätig und arbei­tete für den tsche­chi­schen Rund­funk.

Am 8. Februar 1942 wurde Adler nach The­re­si­en­stadt und im Okto­ber 1944 über Ausch­witz nach Nie­deror­schel, spä­ter Lan­gen­stein-Zwie­berge, bei­des Außen­la­ger des KZ Buchen­wald, depor­tiert (Häft­lings­num­mer 95 714). In Nie­deror­schel lernte er den damals sech­zehn­jäh­ri­gen Ivan Ivanji ken­nen. Nach sei­ner Befrei­ung im April 1945 kehrte Adler nach Prag zurück, wo er zunächst als Päd­agoge für jugend­li­che Über­le­bende der Shoa arbei­tete. Am 11. Februar emi­grierte er nach Eng­land, wo er fortan als freier Wis­sen­schaft­ler, Lyri­ker und Schrift­stel­ler lebte. Sein Werk wid­mete sich der Auf­gabe, den Mas­sen­mord an den euro­päi­schen Juden dar­zu­stel­len. Seine 1948 been­dete und 1955 Stu­die The­re­si­en­stadt 1941–1945. Das Ant­litz einer Zwangs­ge­mein­schaft, oder sein bekann­tes­tes, 1974 erschie­ne­nes, Werk Der ver­wal­tete Mensch. Stu­dien zur Depor­ta­tion der Juden aus Deutsch­land beschäf­ti­gen sich mit die­sem Thema. Auch der bereits 1948 fer­tig­ge­stellte Roman Pan­orama, 1968 erst­mals erschie­nen und 2010 neu­auf­ge­legt, ver­han­delt Adlers Lager­er­fah­run­gen.

Der größte Teil sei­nes Wer­kes erschien wie Pan­orama erst lange Jahre nach der Fer­tig­stel­lung, viele Bücher post­hum. 1958 erhielt H. G. Adler den Leo-Baeck-Preis, 1969 den Charles-Veil­lon-Preis sowie 1974 die Buber-Rosen­zweig-Medaille. 1977 wurde ihm in Öster­reich der Ehren­ti­tel „Pro­fes­sor“ ver­lie­hen und 1980 die Ehren­dok­tor­würde der Päd­ago­gi­schen Hoch­schule in West-Ber­lin. Von 1973 bis 1985 war Adler dar­über hin­aus Prä­si­dent des PEN-Zen­trums deutsch­spra­chi­ger Autoren im Aus­land. Die meiste Zeit sei­nes Lebens nach 1945 ver­brachte er im Exil. Er starb am 21. August 1988 in Lon­don.

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