Christian Rosenau

1980      Weimar

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Christian Rosenau

Autor

Jens Kirsten

Thüringer Literaturrat e.V.

Der 1981 in Weimar geborene Lyriker Christian Rosenau setzt in seinem lyrischen Werk nicht auf die Erinnerung als „biographisches Erzählen und Gestalten“, sondern „die Erinnerung ist vielmehr Teil der literarischen Gestaltung“, mit der er „die Mechanismen und Projektionen der Erinnerung“ in poetische Sprache überführt.

Rosenau, der sich mit bislang drei Veröffentlichungen bereits einen Namen gemacht hat, ist in seiner lyrischen Sprache weit davon entfernt, Klischees zu bedienen. Er setzt in den bislang vorgelegten Gedichten sowohl auf das ursprüngliche, unmittelbare Selbsterlebnis, als auch auf poetische Verdichtungen, die sich in einer Polyphonie der Stimmen manifestieren. Sein eigenes Erleben spielt er gegenüber dem „Faktum des Untergangs einer ganzen Gesellschaftsordnung“ nie in den Vordergrund.

Christian Rosenau gehört zu den wichtigsten Thüringer Dichtern der jüngeren Generation. In seinen Gedichten, etwa im Band »Im Zweifel nach Haus« (Weimar 2012) gibt er sich als gründlich am Wort arbeitenden Lyriker zu erkennen. So verzichtet er (gekonnt) auf Manierismen und um Originalität um des schieren Effekts willen.

Wie der Staubzungen auf-
stiebendes Vokabular
sich senkt ins Gedächtnis.

heißt es im Gedicht »Heimatmen«;

und unter alten Apfelbäumen
lag im Herbst mein kleiner Kopf,
ganz verschrumpelt
übersät mit Fliegen.

aus seinem Kerngehäuse
brach das Lied.

Rosenau ist einer, der weniger auf das Sich-in-Szene-Setzen, auf die Suche nach Welt als notwendigem Elixier für Weltläufigkeit baut, sondern seine unmittelbare Welt sieht und mit ihr in einen Dialog tritt. Dafür bedarf es weniger der großen Schritte, als des genauen Blicks.

Dieser Blick ist immer ein Blick auf die sprachliche Umsetzbarkeit von Beobachtungen. Die Betrachtung der im Frühjahr blühenden Rapsfelder gabt ihm Anlaß zu einem Zyklus von Raps-Gedichten, »Rapsodien«. Wenngleich er das Schwelgerische der Blütenpracht herausstellt, so scheint beiläufig fast das Unsichtbare auf:

Raps, wohin mich
deine Kreuzblüten
verschlugen – feldwärts,
bis zur Hüfte die Hybride,
(Rapsodie Nr. 7).

Und in der »Rapsodie Nr. 9« der Blick zurück

von der Heimat,
die uns vor Jahren schon
abhandenkam.

in den Schoten die Trauer,
Schwarzkörner –
Raps.

Das ist jenseits aller nostalgischen Verklärungen von Heimat und Poesie. Rosenaus Blick richtet sich hier auf eine Kindheit der intensiven Gerüche, ersten prägenden Eindrücke und den Versuch, mit dem Blick zurück dieser vergangenen, entschwundenen Zeit erneut habhaft zu werden. Der Dichter verbindet hier die Sehnsucht nach der ursprünglichen Natur mit der Technisierung unseres Lebens, ohne ins Klischeehafte zu verfallen. Eindrucksvoll zeigt er die Verbindung von Natur und Mensch und dessen Geschichtlichkeit in dem Gedicht »nur nachts« auf:

ein ursuppentrübes Gedächtnis
und Salz dieser Erde, das atmet,
noch atmet
aus dem Kiemen der Stadt.

Mit dem Bild des »ursuppentrüben Gedächtnisses« evoziert Rosenau poetisch das Bild des kollektiven Gedächtnisses, des »kollektiven Flimmerns« (um einen Begriff von Hans Magnus Enzensberger zu verwenden), das man im Sinne Rosenaus auch als die Polyphonie der subjektiven Erinnerungen nennen könnte.

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