Bettine von Arnim

1785      Frankfurt am Main

1859      Berlin

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Weimar

Artikel

Thüringer Anthologie Nr. 153 – Annette Seemann über Bettine von Arnim

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Bettine von Arnim

Autor

Marie Kristin Gentzel

Thüringer Literaturrat e.V.

1785 wurde Catha­rina Eli­sa­be­tha Ludo­vica Mag­da­lena Bren­tano in Frank­furt gebo­ren und sowohl Bet­tina als auch Bet­tine genannt. Bereits ihre Mut­ter war viel­sei­tig künst­le­risch begabt, doch wie sie musste auch das drei­zehnte Kind der Fami­lie, der Haus­ko­bold, seine gesell­schaft­li­che Rolle erfül­len, bevor es sich selbst ver­wirk­li­chen konnte. Gemein­sam mit zwei ihrer Schwes­tern wurde sie drei Jahre im katho­li­schen Mäd­chen­pen­sio­nat der Ursu­li­nen bei Kas­sel erzo­gen. Ab 1797 hielt sich Bet­tine Bren­tano bei ihrer Groß­mutter Sophie von La Roche in Offen­bach auf, die zu den ers­ten eta­blier­ten Schrift­stel­le­rin­nen ihrer Zeit zählte. In den gesel­li­gen Salons der Groß­mutter ver­kehrte Bet­tine früh mit Geis­tes­grö­ßen wie Johann Gott­fried Her­der. Als jener aller­dings ein­mal der jun­gen Bet­tine einen Begrü­ßungs­kuss auf die Wange hau­chen wollte, han­delte er sich ledig­lich eine Ohr­feige ein. Der Publi­zist Henry Crabb Robin­son befand Bet­tine nach einem Besuch im Haus der Groß­mutter für die »unan­ge­nehmste Enke­lin der Frau von La Roche«, die auf Apfel­bäu­men her­um­klet­terte und eine gewal­tige Schwät­ze­rin war; des­glei­chen auch, dass sie in über­schwäng­li­chen Aus­drü­cken ihre Bewun­de­rung der Mignon in >Wil­helm Meis­ter< aus­sprach.

Jene Goe­the-Begeis­te­rung Bet­ti­nes sowie ihre Zuwen­dung zur Früh­ro­man­tik fußte auf den Lek­tü­re­tipps ihres gro­ßen Bru­ders Cle­mens Bren­tano. Doch nicht in allem ent­wi­ckelte sich Bet­tine so sehr zur Zufrie­den­heit des Bru­ders. Trotz des­sen Bemü­hun­gen, seine Schwes­ter an den Freund und Rechts­ge­lehr­ten Carl von Savi­gny zu ver­mit­teln, drohte die unbe­re­chen­bare Bet­tine im hei­rats­fä­hi­gen Alter ange­langt, allein­ste­hend zu blei­ben. Ver­liebt war sie offen­bar in die ältere Freun­din Karo­line von Gün­de­rode, die ihr Ver­traute und Lehr­meis­te­rin war. Sosehr Karo­line von Gün­de­rode aber Bemü­hen zeigte, Bet­tine Bren­tano in ihrer Per­sön­lich­keit zu bestär­ken, so schwie­rig war ihre eigene Lebens­si­tua­tion. Ihr unglück­li­ches Lie­bes­ver­hält­nis zu dem Alter­tums­wis­sen­schaft­ler Georg Fried­rich Creut­zer führte dazu, dass sie im Jahre 1806 die Ver­bin­dung zu Bet­tine abbrach und sich selbst das Leben nahm. Im Werk »Die Gün­der­rode« wahrte Bet­tine spä­ter ihr Andenken.

Ein enges Ver­hält­nis pflegte sie auch zu Catha­rina Eli­sa­beth Goe­the, der sie eif­rig Kin­der­ge­schich­ten über den von ihr so bezeich­ne­ten »Hät­schel­hans« Johann Wolf­gang ablauschte und mit­schrieb.

Sie setzte nun alles daran, ihr schwär­me­risch ver­ehr­tes Vor­bild per­sön­lich ken­nen­zu­ler­nen. 1807 wurde sie bei Goe­the in Wei­mar vor­stel­lig und eröff­nete noch auf dem Weg Nach­hause einen Brief­wech­sel an den Gehei­men Rat. Goe­thes Ant­wor­ten waren im Ver­gleich zu sei­nen umfas­sen­den Brief­wech­seln den Gelieb­ten Char­lotte von Stein und Chris­tiane Vul­pius eher ver­hal­ten. Mit 17 Ant­wort­schrei­ben lohnte Goe­the Bet­ti­nes immer­hin 41 Briefe.  Ein zwei­ter Weim­ar­be­such 1811 lie­ferte Stoff für einen Skan­dal: auf einer Aus­stel­lung des von Goe­the geschätz­ten Künst­lers Johann Hein­rich Mey­ers äußert Bet­tine sich abfäl­lig über die gezeig­ten Werke. Goe­thes Ange­traute Chris­tiane ver­tei­digte die Aus­stel­lung, bis es zu Hand­greif­lich­kei­ten kam. Bet­ti­nes Brille, aber auch ihre Bezie­hung zu Goe­the gin­gen damit vor­läu­fig zu Bruch.

Ein dau­er­haf­te­res Ver­hält­nis ver­band Bet­tine zum Dich­ter Achim von Arnim. Als per Tes­ta­ment ein Erbe den unge­bo­re­nen Kin­dern Achim von Arnims zuge­spro­chen wurde, fasste er Mut und schrieb 1810 an Bet­tine: So war mein Ent­schluß nach der Eröff­nung des Tes­ta­men­tes bald gefaßt, das Mei­nige zu tun, um recht­mä­ßige Kin­der zu haben. Da brauchte es nicht lan­ger Zwei­fel, ich wußte nie­mand auf der Welt von der ich so gern ein Eben­bild beses­sen hätte…als dich.

Sie­ben Kin­der gin­gen aus die­ser für dama­lige Ver­hält­nisse spä­ten Ehe her­vor. Als Achim von Arnim 1831 über­ra­schend ver­starb, äußerte sich Bet­tine in ihren Brie­fen glei­cher­ma­ßen trau­ernd wie auf­at­mend. Die been­gen­den Ansprü­che der Gesell­schaft waren erfüllt und ihr Lebens­op­ti­mis­mus trieb sie nun wie­der auf eige­nen Wegen voran. So begann Bet­tine als Frau im hohen Alter, als die sie im dama­li­gen Jahr­hun­dert mit 50 Jah­ren galt, ihr Dasein als Schrift­stel­le­rin. In ihren Wer­ken tritt sie erneut als die Bet­tine ihrer Kind­heit auf, wobei sie das eigene Leben künst­le­risch über­zeich­net. Als Vor­lage dien­ten Brief­wech­sel ihrer Jugend­zeit, so auch bei ihrem 1835 erschie­ne­nen Erst­lings­werk »Goe­thes Brief­wech­sel mit einem Kinde«. Als betagte Frau lieh sie der fik­ti­ven, jugend­li­chen Bet­tine Durch­set­zungs­ver­mö­gen, sodass aus dem lite­ra­ri­schen Dia­log ver­schie­de­ner Lebens­al­ter eine unab­hän­gige, selbst­be­wusste Rebel­lin ent­stand. Mit der Her­aus­gabe ihrer Schrif­ten erlangte sie schnell große Berühmt­heit. Auch in ihrer poli­ti­schen Akti­vi­tät lehnte sie sich gegen gesell­schaft­li­che Nor­men auf und bemühte sich um Sprach­rohre für gesell­schaft­li­che Außen­sei­ter. Den März­re­vo­lu­tio­nä­ren war sie zuge­neigt, setzte aber gleich­zei­tig große Hoff­nun­gen in König Fried­rich Wil­helm IV. Bereits im Fall der »Göt­tin­ger Sie­ben« hatte sie sich an den dama­li­gen Kron­prin­zen gewen­det und sich erfolg­reich für die Freunde Wil­helm und Jakob Grimm ein­ge­setzt. In ihrer 1843 erschie­ne­nen Schrift »Dies Buch gehört dem König« ver­suchte sie, die Pro­bleme der ein­set­zen­den Indus­tria­li­sie­rung in Ver­bin­dung mit den alten abso­lu­tis­ti­schen Macht­struk­tu­ren an den König her­an­zu­tra­gen. Noch ein­mal ließ sie hier die ver­stor­bene Mut­ter Goe­thes als beleh­rende Instanz gegen­über dem König auf­tre­ten. Über das Schei­tern der 48er-Revo­lu­tion ent­täuscht begann sie die Arbeit an einem Armen­buch, von dem große Teile zen­siert wur­den. Zwei Jahre nach der Ver­öf­fent­li­chung ihrer Fort­set­zung des Königs­bu­ches starb Bet­tine von Arnim 1859  in Ber­lin und wurde auf dem Wohn­sitz ihres Man­nes in Wie­pers­dorf bei­gesetzt.

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