Bad Lobenstein
[Gemeinde]

Lokation

Markt 1
07356 Bad Lobenstein

50.44755, 11.64037

Person

Gerhard Schaumann

Autor

Detlef Ignasiak

Das literarische Thüringen, Bucha 2018.

Bis weit in das 19. Jahr­hun­dert hin­ein gab es in Loben­stein eine umtrie­bige Tuch­in­dus­trie. Das zur Appre­tur nötige Ammo­niak gewan­nen die Loben­stei­ner selbst aus Urin, wes­halb in jeder Weber­stube ein ent­spre­chen­den Fäss­chen stand und die Loben­stei­ner als »Fäss­ler­see­cher« in der Gegend bekannt waren. Am Rat­haus­turm erin­nert eine ent­spre­chende Figur daran. Der Dresd­ner Geo­graf Albert Schiff­ner (1792–1873, »Beschrei­bung von Sach­sen und der Ernes­ti­ni­schen, Reu­ßi­schen und Schwarz­bur­gi­schen Lande«, 1840) hat als einer der weni­gen ein Bild von Loben­stein gezeich­net.

Der 1604 in Loben­stein gebo­rene Kom­po­nist und Lie­der­dich­ter Hein­rich Albert war ein wich­ti­ges Mit­glied des »Königs­ber­ger Dich­ter­krei­ses«. Sein Vater war Amts­schös­ser, die Mut­ter die Toch­ter des Geraer Bür­ger­meis­ters. Er war ein Vet­ter des Kom­po­nis­ten Hein­rich Schütz, bei dem er seit 1622 in Dres­den Kom­po­si­tion stu­dierte. Seit 1626 lebte er in Königs­berg, seit 1630 war er dort Dom­or­ga­nist und Mit­glied des Dich­ter­krei­ses »Kür­bis­hütte« um Simon Dach. Einige Texte sei­ner »Arien und Melo­deyen« (8 Teile, 1638–50) schrieb Albert selbst, aber nicht, wie zeit­wei­lig ange­nom­men, das berühmte Lied »Anke von Tharau«. Dafür aber eines der schöns­ten deut­schen Kir­chen­lie­der »Gott des Him­mels und der Erden«, des­sen zweite Stro­phe das am häu­figs­ten gespro­chene deut­sche Mor­gen­ge­bet ist: »Gott, ich danke dir von Herzen,/dass du mich in die­ser Nacht/vor Gefahr Angst, Not und Schmerzen/hast behü­tet und bewacht,/dass des bösen Fein­des List/mein nicht mäch­tig wor­den ist.« Ein Gedenk­stein im Hain erin­nert an ihn, ebenso das Loben­stei­ner Hei­mat-Museum.

Im Jahr 1755 wurde Johann Daniel Mül­ler in Loben­stein gebo­ren, der als Leh­rer in Halle und als Pfar­rer in Stem­mern bei Mag­de­burg wirkte. 1819 wurde hier Fried­rich Karl Wil­helm Teich gebo­ren, der nach einer Lehre als Tuch­ma­cher als Beam­ter des Turn und Taxiss­chen Post­am­tes in Loben­stein tätig war. Er grün­dete 1857 den „Anzei­ger für Loben­stein-Eber­dorf“ sowie eine Dru­cke­rei und wirkte als Stadt­schrei­ber von Loben­stein.

1884 kam hier Robert Hän­sel zur Welt, der in Schleiz, wo er auch starb, als Berufs­schul­leh­rer und Sta­d­ar­chi­var wirkte. 1906 wurde hier die Schrift­stel­le­rin Traute Trie­bel gebo­ren und 1922 die Schrift­stel­le­rin Anne­liese Pran­ner.

1927 wurde in Loben­stein der Schrift­stel­ler und Sla­wist Ger­hard Schau­mann gebo­ren, der in Loben­stein und Gera auf­wuchs.

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