Heidelore Kneffel – Der Dichterin Sarah Kirsch zum 85. Geburtstag

Personen

Sarah Kirsch

Wulf Kirsten

Orte

Limlingerode

Dichterstätte Sarah Kirsch

Thema

Nachrufe & Gedenken

Autor

Heidelore Kneffel

Förderverein »Dichterstätte Sarah Kirsch« Limlingerode / Thüringer Literaturrat.

»Es ist ja mein wirkliches Geburtshaus …, hat man ja nicht mehr so oft!« (Sarah Kirsch)

 

Die Dich­te­rin Sarah Kirsch, die vor 85 Jah­ren als Ingrid Hella Irme­linde Bern­stein in Lim­lin­ge­rode am Süd­harz gebo­ren wurde, dann nach der Hei­rat Ingrid Kirsch hieß, war stolz, dass sie zum sel­ben Datum wie Char­lie Chap­lin, am 16. April, gebo­ren wor­den ist. Sie betonte stets, dass sie in der Lan­gen Reihe 11, im ers­ten Stock­werk der Pfarre in Lim­lin­grode, das sie lite­ra­risch gern Win­zi­ge­rode oder Lüm­melin­ge­rode nannte, das Licht der Welt erblickt hat. Wir konn­ten ihr Anfang Juni 1997 auf der üppig blü­hen­den wil­den Wiese vor dem zer­fal­len­den Geburts­haus eine Kopie des Geburts- und Tauf­ein­tra­ges aus dem Kir­chen­buch überreichen.

Bald danach schenkte sie uns ein Fami­li­en­foto, wo sie als Klein­kind mit ihren Eltern und einem Spitz nahe des Hau­ses ganz ent­spannt zu sehen ist. In ihrem klei­nen fei­nen bio­gra­phi­schen Bänd­chen »Kuckucks­licht­nel­ken«, 2006 im Steidl Ver­lag Göt­tin­gen erschie­nen, fängt sie unver­mit­telt an: »Ich bin 1935 im Pfarr­haus zu Lim­lin­ge­rode gebo­ren wor­den, in einem süd­län­disch anmu­ten­den Fach­werk­bau auf einer Anhöhe am Rande des Wal­des. Es han­delt sich um den letz­ten Amts­sitz mei­nes Groß­va­ters, und es wohn­ten auch meine Eltern in die­sem Haus.« Zu einem der Fens­ter ihres Geburts­zim­mers im ers­ten Stock rag­ten die Zweige einer alten Linde her­über. Natur war der Her­an­wach­sen­den von Anfang an nahe, zumal ihre Mut­ter über aus­ge­zeich­nete bota­ni­sche Kennt­nisse verfügte.

Zu Ehren ihres 85. Geburts­ta­ges woll­ten wir in der Dich­ter­stätte am 25. April 2020 einen Poe­ten zu Wort kom­men las­sen, der einen aus­ge­zeich­ne­ten Ruf genießt und für den das Wan­dern ein gro­ßes Bedürf­nis dar­stellt, Wulf Kirs­ten aus Wei­mar. Er wurde 2019 fünf­und­acht­zig und es erschien der biblio­phile Gedicht­band »flur­gän­ger« im Ver­lag Tho­mas Reche, Neu­mark, in limi­tier­ter Auf­lage, signiert von Wulf Kirs­ten und Susanne Theu­mer, denn in ihm gibt es 43 Gedichte Kirs­tens aus ver­schie­de­nen Schaf­fens­zei­ten, und die Künst­le­rin Susanne Theu­mer, Jahr­gang 1975, aus Höhn­stedt, unweit von Halle an der Saale, schuf dazu 38 kon­ge­niale Radie­run­gen. Beide ken­nen sich bereits seit dem Jahr 2006 und arbei­ten gern zusam­men. Des­halb soll­ten in der 2. Haus­ART 2020 am Sams­tag, dem 25. April 2020 zur Lesung die Bild­werke von ihr aus­ge­stellt wer­den. Bei­des muss nun zu unser aller Bedau­ern entfallen.

Die Theu­mer zeigte in Lim­lin­ge­rode bereits Bild­werke über drei Dich­tende, über Jacob Michael Lenz, Gün­ter Kun­ert und Ossip Man­del­s­tam. Wir haben heuer die Freude, dass sie aus Anlass des Geburts­ta­ges der Kirsch eine Radie­rung in einer Auf­lage von 11 Dru­cken schuf, die den Titel »Die Ebene« trägt. Vor­bild war das Gedicht glei­chen Titels, dass in dem Gedicht­band »Schnee­wärme« ver­öf­fent­licht wurde und die Ver­eh­rung Sarah Kirschs für Fried­rich Höl­der­lin offen­bart, die­ser Aus­nah­me­erschei­nung unter den Dich­tern, des­sen Geburts­tag sich in die­sem Jahr zum 250. Male jährt. Sie stellt ihm des­sen Verse voran: »Meine gelieb­ten / Tale lächeln mich an.« Sie endet mit den Vers­zei­len: »Wie gelas­sen wäre der Abschied / Könn­ten wir in leich­ter Gewiß­heit / Daß diese Erde lange noch / Dau­ert gerne doch gehn.«

Sowohl bei der Dich­te­rin als auch bei der Künst­le­rin sind Pap­peln beson­ders geliebte Gewächse. So wun­dert es nicht, dass in dem Kirsch-Gedenk­blatt meh­rere die­ser beweg­ten Bäume aus der Ebene in den leicht mit Wol­ken ver­se­he­nen Him­mel ragen. Der mit der Theu­mer befreun­dete Dich­ter und Schrift­stel­ler André Schin­kel, den wir auch schon in Lim­lin­ge­rode zu Gast hat­ten, beschreibt diese Baum­vor­liebe der Künst­le­rin so: »… Und es sind ja letzt­lich lebende Pyra­mi­den, diese Pap­peln, wie sie dem Wind trot­zen und ihre Häup­ter ins Licht hin­stre­cken, ein Bild viel­leicht des­sen, wonach alles strebt, nach dem Ursprung, der Her­kunft aus den Gestirnen.«

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