»getroffen von einem Tag, der keine Lüge kennt« – Hanns Cibulka in Großkochberg
3 : Hanns Cibulka und Halina – eine Liebe in der Erinnerung

Person

Hanns Cibulka

Orte

Großkochberg

Schloß Kochberg

Thema

Von 1945 bis zum Ende der DDR

Autor

Bernd Ritter

Die Exkursion entstand im Rahmen eines Projekts der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V.

Cibulkas Vorfahren stammten aus der Ukraine, und er, gezeichnet von der ersten Liebe zu einem polnischen Mädchen in Krzemieniec (russ. Kremenez) bedauerte, dass seine Muttersprache deutsch war und nicht polnisch oder tschechisch.

VATERHAUS
MUTTERSPRACHE
VATERLAND
GOTTESMUTTER

Von der Geliebten trennte ihn der Krieg für immer. Als Halina wird sie in seinen Träumen und Erinnerungen und Texten ständig auferstehen.

Es war spät geworden, der Regen hatte aufgehört. Ich stand auf, öffnete das Fenster und sah vom Hohen Haus hinüber ins Dorf…Und wie ich so am Fenster stand, bemerkte ich auf der Straße eine Frauengestalt. Sie ging langsam den Schlossweg hinauf, blieb auf der Brücke stehen, beugte sich über das Geländer, schaute in das schwarze Wasser, und plötzlich erkannte ich sie wieder…

Zweimal Liebe  – unerfüllt und/oder verloren. Vielleicht war das für Hanns Cibulka fast 200 Jahre später die entscheidende Parallele? Vielleicht hat es ihn deshalb nach Kochberg gezogen? Nicht der Briefe eines Deutschen Dichters wegen. Auch seine Lebensgeschichte ist sowohl die einer permanenten Krise als auch die einer  ständigen psychischen Stabilisierung.

Wenn es nieselt, sitzt Halina Stunde um Stunde an meinem Tisch…Wir sprechen über das, was ich schreibe, sie erinnert mich an Dinge, die ich bereits vergessen habe…Da fließt vor den Mauern des Schlosses wieder der Styr, am Fenster gehen die Juden vorbei, den gelben Stern auf der Brust, die wolynische Ebene leuchtet bis in meinen Schlaf…Erinnerungen…das sind Bilder, die mein Leben wieder in Bewegung setzen; solche Erinnerungen sind immer die tiefere Schicht der Gegenwart.

Als mir der Hauptfeldwebel den Marschbefehl auf den Tisch legte, brauchte ich ihn gar nicht erst zu lesen, ich wusste, dass es zurück an die Ostfront ging…Ich kann mich nicht erinnern, wie lange ich an diesem Abend neben Halina saß…

 »getroffen von einem Tag, der keine Lüge kennt« – Hanns Cibulka in Großkochberg:

  1. Schloss Kochberg – ein Refugium?
  2. Das »Hohe Haus« und der romantische Landschaftspark
  3. Hanns Cibulka und Halina – eine Liebe in der Erinnerung
  4. Hummelsberg und Mooshütte
  5. Gedanken beim Wandern

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