»getroffen von einem Tag, der keine Lüge kennt« – Hanns Cibulka in Großkochberg
5 : Gedanken beim Wandern

Person

Hanns Cibulka

Orte

Großkochberg

Schloß Kochberg

Thema

Von 1945 bis zum Ende der DDR

Autor

Bernd Ritter

Die Exkursion entstand im Rahmen eines Projekts der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V.

Psychoanalytiker vermuten, dass Goethe unter einer Sexualstörung litt: einer vorzeitigen Ejakulation. Diese Störung hinderte Goethe daran, den Geschlechtsakt zu vollziehen. Charlotte von Steins Angst vor männlichen sexuellen Aktivitäten war ihrer religiösen Erziehung und ihrer Ehe geschuldet. Aus beider Ängste sei die iphigenienhafte Reinheit ihrer Beziehung hervorgegangen.

Hier auf dem Gipfel des Berges, im Zustand der Vereinigung mit der Natur, müder, stolz, etwas geleistet zu haben, fühlt man sich stark und wenig ängstlich vor den Erinnerungen. Uns beherrscht das Gefühl, unser Leben überblicken zu können wie das Tal unter uns. Anfang und Ende. Ordnung. Stille.

In diesem Haus wohnte Charlotte von Stein…Von hier hat Charlotte ihre Briefe hinausgesandt, hinüber nach Weimar, hinter diesem geöffneten Fenster hat sie gestanden, wenn der Sommerwind von den Feldern her die weißen Vorhänge bewegte… Der Grund seines Hierseins!

Was war es also, das mich nach Kochberg trieb? Das Schloss? …Oder waren es die Liebesbriefe, die ein deutscher Dichter vor zweihundert Jahren an seine Freundin nach Kochberg schrieb?

Goethe floh von hier nach Italien, als er zurück kehrte war nichts mehr wie früher. Cibulka suchte hier in der Erinnerung nach seiner verlorenen Liebe zu Halina… Erinnern als Bewahren…als Zurückholen?

Der Thüringer Wald feiert die Auferstehung seiner Bäume. Die Blattknospen springen auf. Die meisten Blätter haben auf Grün gesetzt, die Schösslinge der Eichen auf Rot, die Farne mit ihrem Krummstabkopf auf Braun. Glücklicher Frühling, wo die Welt noch im Aufbruch ist, wo die Vernunft träumt, die Kindheit voller Blüten steht und alles, was auf der Erde lebt, unter den Flügeln der Weisheit ein Zuhause hat…

Noch einmal holt der Herbst die Sonne aus dem Himmel…Die Gräser haben ihre grüne Farbe eingebüßt, das Ahornblatt gleicht einem Aquarell, die Farben gehen ineinander über, ein glühendes Rot, ein deftiges Gelb, ein stumpfer brauner Fleck. Die Zeit ist um. Der Tod hockt in den Ästen der Tollkirsche, aber die Drossel frisst ihm singend aus der Hand.

Nichts Besonderes zeichnet den Marktflecken Großkochberg aus, kein Höhenzug, kein Stausee, er liegt abseits der Hauptstraße in einer Geländefalte zwischen Saale und Ilm in den Vorbergen des Thüringer Waldes. Die Heidecksburg bei Rudolstadt liegt etwa 7 km entfernt.

Hanns Cibulka wohnte im Schloss, …sah vom Hohen Haus hinüber ins Dorf. »Die Wolken über dem Hummelsberg sanken tiefer und tiefer und ließen Wasser ab, Tag für Tag.« Kochberg liegt in einer Triaslandschaft zwischen Senkungsfeldern, wo der dünnplattige Bundsandstein dominiert, feinkörnig, von gelber, roter und weißgrauer Färbung, aber auch Quarz, Schiefer und Kiesel sind hier zu Haus.

 »getroffen von einem Tag, der keine Lüge kennt« – Hanns Cibulka in Großkochberg:

  1. Schloss Kochberg – ein Refugium?
  2. Das »Hohe Haus« und der romantische Landschaftspark
  3. Hanns Cibulka und Halina – eine Liebe in der Erinnerung
  4. Hummelsberg und Mooshütte
  5. Gedanken beim Wandern

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