Vom »Partekenhengst« zum »Junker Jörg« – Auf den Spuren Luthers und der heiligen Elisabeth von Eisenach auf die Wartburg
7 : Die Marienkirche – der Dom

Person

Martin Luther

Ort

Eisenach

Thema

Schriftsteller der Frühen Neuzeit

Autor

Sylvia Weigelt

Die Exkursion entstand im Rahmen eines Projekts der Literarischen Gesellschaft Thüringen e.V.

»In der Kir­che ange­kom­men, wähl­ten sie ein Gestühl direkt gegen­über dem gekreu­zig­ten Jesus. Sogleich sank Eli­sa­beth nie­der, nahm ihre Krone ab und legte sich auf den blo­ßen Boden. Als das Frau Sophia gewahr wurde, sprach sie: «Jung­frau Eli­sa­beth! Was soll das? Wollt Ihr jetzt neue Sit­ten ein­füh­ren, dass die Leute über uns lachen? Eine Jung­frau soll auf­ge­rich­tet ste­hen und nicht nie­der­fal­len, wie eine, die nicht ganz bei Ver­stand ist oder wie die alten Non­nen, die so gebrech­lich sind, dass sie das Gesicht auf die Bank legen müs­sen. Wel­che Unge­zo­gen­heit wollt Ihr noch bege­hen? Seid Ihr nicht imstande, solange mit uns zu ste­hen, bis wir sit­zen oder knien? Benehmt Euch nicht wie ein uner­zo­ge­nes, törich­tes Kind! Ist Euch Eure Krone zu schwer gewor­den oder was soll Euer wun­der­li­ches Tun?« (Brot und Rosen)

Im Mit­tel­al­ter besaß Eisen­ach neben zahl­rei­chen Kir­chen und Klös­tern auch einen Dom. Hier soll das Kind Eli­sa­beth einst Land­grä­fin Sophia mit ihrer Demut in Rage ver­setzt haben. Heute erin­nern allein Stra­ßen­na­men wie ›Frau­en­plan‹ oder ›Mari­en­straße‹ an die Kir­che Unse­rer Lie­ben Frau. Auch das ehe­ma­lige Frau­en­tor, das Eli­sa­beth aus Bam­berg kom­mend pas­sierte, bekam sei­nen Namen von die­ser Kirche.

Am Mari­en­stift war der bekannte Eisen­acher Lite­rat und Thü­rin­gen-Chro­nist Johan­nes Rothe (um 1360–1534) Dom­herr. Wäh­rend des Eisen­acher Pfaf­fen­sturms 1525 wurde der Dom schwer ver­wüs­tet und nicht wie­der­auf­ge­baut. Im 17. Jahr­hun­dert wur­den die Steine des Doms zum Bau der Kreuz­kir­che auf dem Alten Fried­hof ver­wen­det. Die teil­weise noch erhal­te­nen – einst zum Dom füh­ren­den – Stu­fen bezeu­gen den hohen Rang, den diese einst über­aus präch­tige Kir­che – so zei­gen sie ältere Sti­che und Gemälde – im Gefüge der Stadt besaß.

Luther wird den Dom ver­mut­lich gut gekannt haben; Denn der von ihm hoch­ver­ehrte Musik­leh­rer Johan­nes Braun war hier Vikar. Die­ser könnte die Wur­zeln der lebens­lang anhal­ten­den Liebe Luthers zur Musik gelegt haben.

»Denn die Musik ist eine Gabe und ein Geschenk Got­tes, nicht ein Men­schen­ge­schenk. So ver­treibt sie auch den Teu­fel und macht die Leute fröh­lich; man ver­gisst dabei allen Zorns, Unkeusch­heit, Hof­fart und andere Las­ter. Ich gebe nach der Theo­lo­gie der Musik die nächste Stelle und die höchste Ehre.« (Tisch­re­den)

»Sin­gen ist eine feine edle Kunst und Übung … Sin­gen hat nichts mit der Welt zu tun … Wer singt, der sorgt nicht viel. Er schlägt alle Sor­gen aus und ist guter Dinge.« (Tisch­re­den)

»Es müs­sen beide, Text und Noten, Akzent, Weise und Gebärde aus rech­ter Mut­ter­spra­che und Stimme kom­men, sonst ist alles ein Nach­ah­men, wie die Affen tun.« (Wider die himm­li­schen Pro­phe­ten, 1525)

 Vom »Partekenhengst« zum »Junker Jörg« – Auf den Spuren Luthers und der heiligen Elisabeth von Eisenach auf die Wartburg:

  1. Lutherdenkmal am Karlsplatz
  2. Nikolaikirche
  3. Elisabethkirche
  4. Georgenkirche
  5. Steinhof – heute Residenzhaus
  6. Lutherhaus
  7. Die Marienkirche – der Dom
  8. Bach-Haus
  9. Reuter-Wagner-Museum
  10. Elisabethbrunnen
  11. Das Hospital unter der Wartburg
  12. Die Wartburg
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