Debatte: »Zukunft des Lesens – Zukunft des Buches«
6 : Thomas Mechold – Gedanken über eine Zukunft des Antiquariats

Thema

Debatten

Autor

Thomas Mechold

Creative Commons BY-NC-SA.

Vor kur­zem hörte ich im Radio einen klei­nen Bei­trag zum Thema Anti­qua­ri­ats­lä­den. Er schil­derte die gan­zen Mög­lich­kei­ten des Erwerbs von bedruck­tem Papier in den schöns­ten Far­ben, denn gerade in die­sem Spe­zi­al­ge­biet des Buch­han­dels öff­net sich wirk­lich ein Kos­mos der »Gala­xis Guten­berg« wie in kei­nem ande­ren Bereich des Buch­han­dels. Aber wer weiß das noch, denn selbst nur im Inter­net sur­fende Bücher­freunde, die ja auf den Platt­for­men immer nur einen win­zi­gen und eng­be­grenz­ten Aus­schnitt über die Such­funk­tion erhal­ten (und auch in den häu­figs­ten Fäl­len nur einen ein­zi­gen Titel bestel­len!), sind, falls sie doch einemal die Vir­tua­li­tät mit der Rea­li­tät ver­tau­schen, im Laden oft leicht erstaunt ob der sicht- und fass­ba­ren Vielfalt.

Aber alles hat seine Licht- und Schat­ten­sei­ten. Anti­qua­riate sind inzwi­schen fast »Terra inco­gnita«, Läden des Anti­qua­ri­ats­buch­han­dels gibt es immer weni­ger zu fin­den im deutsch­spra­chi­gen Bereich, denn im Netz fin­det auf Platt­for­men wie ZVAB und bei Ama­zon ein gro­ßer Preis­ver­fall statt, vor­wie­gend im Mas­sen­buch­be­reich, aber selbst wert­volle und biblio­phile Titel sind unter Umstän­den schon preis­güns­tig zu haben. Und so kann ein zum Spa­ren gezwun­ge­ner Leser sich eine gute und gedie­gene Biblio­thek der Welt­li­te­ra­tur trotz­dem zule­gen, wofür andere Genera­tio­nen ein mehr­fa­ches an Geld aus­ge­ben muß­ten. Aber merk­wür­di­ger­weise schei­nen anti­qua­ri­sche Bücher (geschätzte Ver­falls­zeit mind. 300 Jahre) nicht mehr hoch im Kurs zu ste­hen bei der lesen­den jun­gen Genera­tion, und von Sam­meln kann schon gar nicht die Rede sein. (Wobei die Ver­falls­zeit heu­ti­ger sam­mel­wür­di­ger elek­tro­ni­scher Gegen­stände schon bestimmt wesent­lich nied­ri­ger liegt, so das ein Nut­zen nach eini­ger Zeit aus­fällt). Und von einer Samm­ler­schaft, von der ein Anti­quar vor­wie­gend lebt und für die er auch fach­kun­dig da ist, kann wohl heute nur noch im gerin­ge­ren Maß die Rede sein.

Der Typus des Lesers erscheint heute im Laden eher sel­ten, denn die meis­ten nut­zen für den Erwerb von Büchern den Bereich »moder­nes Anti­qua­riat« im Buch­han­del, und nur gele­gent­lich taucht ein Leser auf, um güns­tig ein älte­res Buch zu ergat­tern. Wie erreicht man es also heut­zu­tage, dass ein jun­ger Leser auch erst­mal dar­auf neu­gie­rig wird und ein Anti­qua­riat besucht und wie kann er dafür gewon­nen wer­den, auch ein schö­nes Buch zu schät­zen und viel­leicht eine Samm­lung auf­zu­bauen, ich denke da an die Insel-Büche­rei oder die »Andere Biblio­thek«, alte Ansichts­kar­ten vom Wohn­ort oder Spei­se­kar­ten aller Zei­ten – oder hand­ge­schöpfte Papiere.

Die Tech­nik­gläu­big­keit und ‑abhän­gig­keit steht hier als Fire­wall im Weg, die den Begriff »altes Buch« aus­sperrt. E‑Books und Smart­pho­nes als Ultima Ratio? Eine neue Offen­heit für die Let­tern­kunst der Tra­di­tion und der Moderne wäre zu wün­schen. Viel­leicht wei­sen die von der jun­gen Genera­tion wie­der­ent­deck­ten Schall­plat­ten den Weg, denn auch die gibt es im Antiquariat.

  • Der Autor ist Inha­ber des Anti­qua­ri­ats »Zwie­bel­fisch« in Weimar.

 Debatte: »Zukunft des Lesens – Zukunft des Buches«:

  1. Dr. Frank Simon-Ritz – »Zukunft des Lesens, Zukunft des Buches«
  2. Angela Egli-Schmidt – Lese ich oder liest mich das elektronische Buch?
  3. Peter Neumann - Die Zukunft der Literatur ist längst vergangen
  4. Dr. Martin Straub – Mal wieder Fühmann lesen
  5. Nancy Hünger – Gehab dich, Buch!
  6. Thomas Mechold – Gedanken über eine Zukunft des Antiquariats
  7. Frank Sellinat – Eine Lanze brechen für den Spießordner und seine Freunde
  8. Michael Knoche – Digital? Nie ohne Original
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