Sibylle von Kleve – »Klagelied«

Ort

Weimar

Thema

Jede Woche ein Gedicht

Autor

Sibylle von Kleve

aus: Albrecht Classen: Deutsche Frauenlieder des fünfzehnten und sechzehnten Jahrhunderts, Amsterdam und Atlanta 1999.

Sibylle von Kleve

Kla­ge­lied

 

Ach Gott, mich thutt verlangen
Nach dem der jetz gefangen,
dem liebs­ten furs­ten mein;
das ich ihn muß meiden,
brin­get mich herz­lichs leiden –
ach Gott, hilf auß die­ser pein!

Er ist ins kei­sers handen –
Mein Gott, thue es baldt wenden,
dem kei­ser gib den muett
das er rheht thue bedenkhen
woher khumb dis­ses zenkhen,
dem furs­ten gib wider guett!

Ob er was hett verbrochen,
fur war es ist genug gerochen,
lant, leut hatt man verderbt,
den fuers­ten abgefueret,
mein herz damit gerhueret,
der chur hat man ihn enterbt.

Hof­fa­ber es soll sich wenden:
Man spurt an allen enden
Des babstes fal­schen raht.
Damit der kei­ser gehetzet,
Teur­sch­land hatt er verletztet –
Das klag ich stett ganz frue und spatt.

Damit will ichs beschliessen,
hoff auch deß zue geniessen,
mein ruef­fen ist zue Gott,
der well uns helfne allen
nach sei­nem wolgefallen,
uns ledig machen auß aller notth.

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