Johann Wolfgang Goethe – »Klein ist unter den Fürsten Germaniens«

Personen

Johann Wolfgang von Goethe

Carl August v. Sachsen-Weimar-Eisenach

Ort

Weimar

Thema

Jede Woche ein Gedicht

Autor

Johann Wolfgang Goethe

aus: Epigramme Venedig 1790 34b, Goethe: Berliner Ausgabe, Bd. 1, Berlin u. Weimar 1965.

Johann Wolf­gang Goethe

Klein ist unter den Fürs­ten Germaniens

 

Klein ist unter den Fürs­ten Ger­ma­ni­ens frei­lich der meine,
Kurz und schmal ist sein Land, mäßig nur, was er vermag.
Aber so wende nach innen, so wende nach außen die Kräfte
Jeder; da wär‘ es ein Fest Deut­scher mit Deut­schen zu sein.
Doch was prie­sest du ihn, den Taten und Werke verkünden?
Und besto­chen erschien deine Ver­eh­rung vielleicht;
Denn mir hat er gege­ben, was Große sel­ten gewähren,
Nei­gung, Muße, Ver­traun, Fel­der und Gar­ten und Haus.
Nie­mand braucht‘ ich zu dan­ken als ihm, und man­ches bedurft‘ ich,
Der ich mich auf den Erwerb schlecht, als ein Dich­ter, verstand.
Hat mich Europa gelobt, was hat mir Europa gegeben?
Nichts! Ich habe, wie schwer! meine Gedichte bezahlt.
Deutsch­land ahmte mich nach, und Frank­reich mochte mich lesen.
Eng­land! freund­lich emp­fingst du den zer­rüt­te­ten Gast.
Doch was för­dert es mich, daß auch sogar der Chinese
Malet, mit ängst­li­cher Hand, Wert­hern und Lot­ten auf Glas?
Nie­mals frug ein Kai­ser nach mir, es hat sich kein König
Um mich beküm­mert, und er war mir August und Mäzen.

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