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Jan Röhnert
Alle Rechte beim Autor. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Jan Röhnert
Streifen
… ein Streifen von Ästen, von Bäumen
ein Streifen von Wildnis
ein Streifen von Kindheit
quer durch die Stadt
– beim Gehen zu Fuß
der abgesagte Zug
ist es das
wovon du träumst,
Rinde angefasst
feucht
im Winter jetzt
kein Blatt
das auf die Baumart schließen lässt
ertaste die Ulme am Stamm
Shakespeare
schrieb über Intrigen, Habgier, Krieg
die Bäume spiegelten sich
auf Ophelias bitterem Fluss
blattlos im Winter jetzt
Schemen im künstlichen Licht
die Bäume stehen noch
wenn der Fluss längst verdunstet ist
verdurstet im Sommerlicht
die Ulmen, Shakespeare und Seume,
streifst du im Gehen
du begreifst sie im Dunkeln
fasst blind tastend voran
gestreifte Rinde von Stamm zu Stamm
kleiner Streifen von Wildnis
steht da
noch nicht gerodeter
Streifen von Kindheit
schau nur
die Zweige, Shakespeare
Wurzeln im Wind
die Wurzeln
die Luft
roden sie nicht.
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