Christine Hansmann – »L’infinito«

Person

Christine Hansmann

Ort

Weimar

Thema

Jede Woche ein Gedicht

Autor

Christine Hansmann

Alle Rechte bei der Autorin. Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Chris­tine Hansmann

L’infinito

 

I

Die Stille
verführt.

Ich werde nicht
müde
zu loben,

ein Kanon
vom Grunde der Ruh.

Refrain um Refrain
singt sich fort,
sinkt ein,

ver­viel­facht
das lockende
Selbst.

So
bin ich zu Gast
am Gestade,

schiff-
brü­chig, wort-
genau.

 

II

Die Ret­tung
verwarten.

Nur Ohr sein,
Feder, Hand,

ohne mein
hal­bes Herz.

Unter­gehn
in die­sem Meer,

Gelieb­tes,
ein Wagnis,

innig,
von Ich zu
Ich.

 

III

Noch immer
trage ich meine Stimme
umher,

Wort­flüsse,
leben­dig, tönend.

Ein Kind, das
anblickt, lacht,
im Busch­werk
spielt.

Der Wind
rauscht auf.

Wo legt sie
sich nie­der, wo schläft sie?

Ich gebe
die Rufe weiter,

dasei­ende Zeit,

Sprach­rohr
geliehenen
Glücks.

 

Eine Hom­mage an Gia­como Leo­pardi und sein Gedicht L’infinto – Das Unend­li­che  (1819), in der Über­set­zung von Rai­ner Maria Rilke.

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