Ort
Thema
Philipp Heinrich Welcker
aus: Philipp Heinrich Welcker: Thüringer Lieder, Gotha 1831.
Philipp Heinrich Welcker
Die drei Gleichen
Drei Schwestern sitzen auf Bergen;
Sie schauten mit fürstlicher Pracht
Nach Osten, Süden und Westen:
Doch geisterhaft blicken die Vesten
Nun in die schaurige Nacht.
Nicht zählen sie gleiche Jahre,
Die Töchter aus edlem Geschlecht:
Das zeigen noch ihre Gewänder.
Hochaltertümliche Pfänder
Von Freiheit und eisernem Recht.
Es schossen die Kaiseradler
Nach ihrem steinernen Haupt;
Sie aber, kühn in Gefahren,
Sie haben die gierigen Aaren
So mancher Feder beraubt!
Hart grüßen sie feindliche Gäste
Mit stählernen Händen am Tor;
Und von dem felsigen Sitze
Da brachen mit tödlichem Blitze
Zum Siege Löwen hervor.
Es sahn hochherzig die Mütter
Viel Heldenenkel erblühn,
Und pflegten im innigen Bunde
Die Ludwige, Sigismunde,
Dich Ecbert und manchen Erwin!
Doch saht Ihr zu stolz nach dem Himmel? –
Der Himmel begann mit Euch Schlacht;
Wild zogen die Wetter zusammen,
Ihr glühtet zugleich in den Flammen,
Drei schreckliche Fackeln der Nacht.
Drei Schwestern dort auf den Bergen.
Sie liegen im Schlummer so fest,
Und nimmer erwachen sie wieder;
Noch rüttelt die Zeit an der Glieder
Verminderten Überrest.
Drei Heldinnen sind gestorben,
Und Leben regt sich umher.
Und fragt nach den herrlichen Söhnen;
Doch diese horchen den Tönen
Des Siegs und der Liebe nicht mehr!
›Literaturland Thüringen‹ ist eine gemeinsame Initiative von
Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen · Thüringer Literaturrat e. V. · MDR-Figaro · MDR Thüringen – Das Radio
Gestaltung und Umsetzung XPDT : Marken & Kommunikation © 2011-2026 [XPDT.DE]
© Thüringer Literaturrat e.V. [http://www.thueringer-literaturrat.de]
URL dieser Seite: [https://www.literaturland-thueringen.de/artikel/22655-2/]