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Jens-F. Dwars
Alle Rechte beim Autor. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Jens‑F. Dwars
Neue alte Gedichte
Dieser Band ist uralt und doch ganz neu. Er erschien 1982 erstmals in Westberlin als Debüt eines soeben in der DDR verbotenen Autors. Sein Arbeitskreis Literatur war 1975 in Jena aufgelöst worden, sein Prosa-Debüt Mit dem Schlimmsten wurde schon gerechnet bei Ullstein brachte ihn in Untersuchungshaft, aus der er dank Christa Wolf und Grass freikam.
Wer nun politische Statements in Versen erwartet, wird enttäuscht. Einmal mehr erweist sich Rathenow als Anarchist, der mit Worten und ihren Bedeutungen spielt. Etwa in Betrachtung: »Mond, du alter Spitzel: von oben / … / Sieh Mond, meine Unschuld / … / Ist so echt wie dein Leuchten«. So auch im lyrischen Prosatext Die Gelegenheit: ein Ich begegnet sich selbst permanent, als Standbild, an sämtlichen Gebäuden. Als es alles zerschlagen hat, leuchtet ihm noch vom Himmel seine Fratze entgegen. Man kann darin eine Persiflage auf den »Personenkult« lesen, aber auch ein Bild dionyscher Lust der Verlebendigung durch Zerreißung des apollinisch erstarrten Selbst, das keine Rollen mehr spielen will.
Am schönsten daher ein Gedicht aufs Sich-Gehen-Lassen: »Schön ist das Gehen / Zwanglos / … bis einem die Luft / Ausgeht. Atmen ist schön« Und schön ist das Bekenntnis zu Kafka: »Mach uns Mut / durch deine Angst«. Nur der Schrift-Wechsel in den Gedicht-Titeln und vor allem im Nachwort, wo das Ich von einst mit
dem von Heute spricht, ist unschön, weil aufgesetzt.
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