Ludwig Bechstein – »Paulinszelle«

Person

Ludwig Bechstein

Ort

Paulinzella

Thema

Jede Woche ein Gedicht

Autor

Ludwig Bechstein

aus: Ludwig Bechstein: Wanderungen durch Thüringen. Wigand, Leipzig 1838.

Lud­wig Bechstein

Paul­ins­zelle

 

Paulin­zelle, Paulinzelle!
Ich auch will ein Lied dir weihn,
Auf ver­s­unk­ner Tempelschwelle
Stand ich schwei­gend und allein.

Paulin­zelle, Paulinzelle!
Ein­sam schmü­ckest du das Thal,
Mor­gen­glanz und Abendhelle
Küs­sen dich mit ihrem Strahl.

Paulin­zelle, Paulinzelle!
Man­cher Wand­rer sah dich stehn,
Stei­nern hier als Immortelle,
Längst ver­blüht und doch noch schön.

Paulin­zelle, Paulinzelle!
Deine Pracht ver­schwand und schied,
Und in Tem­pel und Kapelle
Starb das letzte Feierlied.

Paulin­zelle, Paulinzelle!
Rie­sen­trüm­mer stolz und hoch,
Brach die Pracht des Zeitstroms
Welle, Ließ sie dir die Größe doch.

Paulin­zelle, Paulinzelle!
Bist der Gegend Stolz und Zier,
Und der Sage Wunderquelle
Spru­delt ewig frisch in dir.

Paulin­zelle, Paulinzelle!
Schwei­gen­der Ruinengreis!
Fern von dir, du heil’ge Stelle,
Sing ich laut zu dei­nem Preis.

 

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