Ronja Klein – »Ein Licht in der Dunkelheit – Zwischen Moral und Magie«

Ort

Erfurt

Thema

Gelesen & Wiedergelesen

Autor

Angie Greiner

Alle Rechte bei der Autorin. Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Autorin.

Angie Grei­ner

Wer immer rich­tig han­delt, han­delt falsch

Ronja Kleins fan­tas­ti­scher Debüt­ro­man »Ein Licht in der Dun­kel­heit – Zwi­schen Moral und Magie« beleuch­tet gesell­schafts­kri­ti­sche The­men inmit­ten einer Welt vol­ler magi­scher Kräfte und Gestal­ten. Im Zen­trum ste­hen Fra­gen nach Moral, Iden­ti­tät und Sicht­bar­keit; The­men, die in unse­rer Gesell­schaft häu­fig ver­drängt werden.

Die Hand­lung spielt inmit­ten gesell­schaft­li­cher Kon­flikte, unsi­che­rer Zei­ten und der ver­schärf­ten Ver­fol­gung von Magie­be­gab­ten; von Men­schen, die über über­na­tür­li­che Kräfte ver­fü­gen und damit sowohl hei­len als auch zer­stö­ren kön­nen. Diese wer­den in Lumi­nara und Dest­ruc­tio unter­teilt und auf­grund ihrer Kräfte von der Poli­tik als gefähr­li­che Straf­tä­ter betrach­tet, ver­ur­teilt und teil­weise exe­ku­tiert. Die mora­li­sche Ein­tei­lung der bei­den in »gute« und »dunkle« Magie ist für die Prot­ago­nis­tin Pieta nicht nur eine rein abs­trakte Ord­nung, son­dern eine exis­ten­zi­elle Bedro­hung: Ihre eigene magi­sche Ver­an­la­gung zwingt sie dazu, sich stän­dig zu fra­gen, wer sie sein darf und wer sie laut Gesell­schaft sein soll. In die­ser Welt ver­sucht sie, ihren eige­nen Weg zu fin­den und den Ver­lust ihres gelieb­ten Vaters zu ver­ar­bei­ten. Ihre Anders­ar­tig­keit wird ihr jedoch schon bald zum Ver­häng­nis – wäh­rend sie in der Schule zur Ziel­scheibe stän­di­ger Anfein­dun­gen wird, ist sie geplagt von Selbst­zwei­feln. Sie fühlt sich kom­plett von der Welt allein­ge­las­sen, bis Louna in ihr Leben tritt und mit Schwung die über Jahre auf­ge­bau­ten Mau­ern ein­zu­rei­ßen beginnt. Doch die posi­tive Kehrt­wende lässt auf sich war­ten. Die plötz­li­che Bedro­hung durch ihren neuen und eben­falls magie­be­gab­ten Mit­schü­ler Kian deckt Fami­li­en­ge­heim­nisse auf, die nicht nur Pie­tas Leben grund­le­gend ver­än­dern, son­dern auch das der Men­schen, die ihr am nächs­ten sind. Im Höhe­punkt des Gesche­hens muss sich Pieta im Kampf gegen Kian ent­schei­den: Wird sie sich ihrer Kräfte bedie­nen, um ihre Liebs­ten zu beschüt­zen, oder wird sie wei­ter­hin an ihrer von Moral gepräg­ten Denk­weise festhalten?

Ronja Klein ver­ar­bei­tet in ihrem Debüt­ro­man sowohl Per­sön­li­ches als auch gesell­schaft­lich Rele­van­tes. Durch die äußerst immer­sive Erzähl­weise bekommt der Leser nicht nur tiefe Ein­bli­cke in Pie­tas ansons­ten ver­schlos­sene Gedan­ken­welt, son­dern erlebt ebenso ihre Reise zu sich selbst haut­nah mit. Geschickt ver­bin­det die Autorin The­men wie men­tale Krank­hei­ten, Trauer und les­bi­sche Iden­ti­tät, indem sie Pie­tas innere Kon­flikte, ihre Selbst­zwei­fel und ihren Umgang mit Ver­lust kon­se­quent in all­täg­li­chen Situa­tio­nen sicht­bar macht. Gerade Pie­tas Rück­zug, ihre Angst vor Ableh­nung und ihr Rin­gen um Selbst­ak­zep­tanz las­sen den Roman leben­dig und aus­ge­spro­chen nah­bar wir­ken und ver­lei­hen ihm eine beson­dere emo­tio­nale Tiefe. Vor allem für junge Lese­rin­nen stellt diese geschenkte Sicht­bar­keit eine Berei­che­rung dar, da dies häu­fig zu kurz kommt – vor allem in der Lite­ra­tur des deutsch­spra­chi­gen Raums.

Beson­ders die Bezie­hung zwi­schen Pieta und Louna eröff­net eine wei­tere Erzähl­ebene. Die les­bi­sche Lie­bes­ge­schichte ent­wi­ckelt sich behut­sam, geprägt von Unsi­cher­hei­ten, vor­sich­ti­gen Annä­he­run­gen und dem Bedürf­nis nach Ver­ständ­nis. Gerade diese Zurück­hal­tung macht sie glaub­wür­dig und ermög­licht Iden­ti­fi­ka­tion mit der Geschichte, da gleich­ge­schlecht­li­che Liebe hier nicht als Son­der­fall, son­dern als selbst­ver­ständ­li­cher, natür­li­cher Teil der Figu­ren­ent­wick­lung dar­ge­stellt wird.

Zudem setzt sich die Prot­ago­nis­tin inten­siv mit mora­li­schen Fra­gen aus­ein­an­der: im inne­ren Kampf gegen sich selbst ver­sucht sie her­aus­zu­fin­den, was einen guten Men­schen aus­macht, und strebt danach, immer mora­lisch kor­rekt und empa­thisch zu han­deln. Dies bür­det ihr jedoch eine Last auf, die unmög­lich tag­täg­lich zu tra­gen ist. Dadurch zeich­net sich eine all­mäh­li­che Ent­wick­lung ihres Cha­rak­ters, indem sie ihre Stär­ken nicht nur für sich ent­deckt, son­dern auch lernt, sie zu akzep­tie­ren. Sie erlebt Momente, in denen sie schnell han­deln muss, um ihre Liebs­ten zu beschüt­zen; öff­net sich, um Liebe wie­der in ihr Leben las­sen zu kön­nen; und erkennt schließ­lich, dass es nicht an ihr allein liegt, die Welt zu ret­ten und zu ver­än­dern; dass es okay ist, manch­mal auch ein­fach nur sie selbst zu sein.

  • Ronja Klein: Ein Licht in der Dun­kel­heit – Zwi­schen Moral und Magie, Bod – Books on Demand 2025, 448 Sei­ten, 16,99 Euro.
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